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Die Gallenblase

Kleines Organ mit großer Wirkung

„Da kommt mir doch die Galle hoch!“, „Gift und Galle spucken“ oder „gallig sein“ sind nur einige der wenig freundlichen Sprüche, die man im Zusammenhang mit der Galle kennt. Der griechische Arzt Hippokrates, aber auch die Heilige Hildegard von Bingen sprachen im Rahmen der sogenannten „Säftelehre“ neben Blut und Schleim auch von der gelben und schwarzen Galle (altgriechisch: chole). Daraus leitete die Volksmedizin die Vorstellung ab, dass es einen Zusammenhang zwischen der individuellen Mischung der vier Körpersäfte und der jeweiligen Wesensart eines Menschen gibt. So haben Personen, die zum Jähzorn neigen, einen Überschuss an gelber (saurer) Galle, hier sind ja wohl die Choleriker gemeint, Menschen mit zu viel „schwarzer“ Galle neigen dagegen zu Melancholie. Auch die moderne Naturheilkunde geht inzwischen davon aus, dass eine gestörte Gallensaftproduktion infolge einer schwachen oder überforderten Leber durchaus die Gefühlslage verändern kann: es können nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden, so dass mit der Zeit Vitamine und wichtige Nährstoffe fehlen – Müdigkeit, Erschöpfung sowie eine melancholische Gemütsverfassung sind die Folgen, aber auch das Gegenteil ist möglich. Sie sehen schon, die Galle ist ein durchaus wichtiges Organ, auch, wenn man zur Not auch ohne sie leben kann, so hat sie vielfältige Funktionen im Körper und man sollte sie auf jeden Fall hegen und pflegen!

Bevor wir zur naturheilkundlichen Unterstützung der Galle kommen, noch etwas „Theorie“. Die Gallenblase, lat. vesica biliaris, ist ein birnenförmiges Hohlorgan, ca. 10 cm lang und 4-5 cm breit. Sie befindet sich direkt unter der Leber, etwa auf Höhe der 9. Rippe. Sie wird als Speicherort für die von der Leber produzierten Gallenflüssigkeit genutzt. Das ist unverzichtbar, damit der Körper die aufgenommenen Nahrungsfette verarbeiten kann. Sie erleichtert das Aufnehmen von fettlöslichen Vitaminen, Fetten und Cholesterin aus dem Darm. Zudem hilft sie, Stoffwechsel-Produkte, wie überschüssiges Cholesterin, aus dem Körper auszuscheiden. Da die Gallenblase in der Lage ist, sich deutlich auszudehnen, kann sie zwischen 40 und 200 ml Flüssigkeit speichern, die nun eingedickt und grün wird. Dort bleibt sie so lange, bis wir anfangen zu essen. Jetzt zieht sich die Gallenblase kurz zusammen – und schon gelangt der Gallensaft über den Gallengang zur Fettverdauung in den Zwölffingerdarm.

So weit, so gut, was passiert aber, wenn hier eine zu hohe Konzentrationen an Cholesterin und eine zu niedrige an Gallensalzen vorliegt: es kann es zu Gallensteinen kommen. Das Risiko, diese zu entwickeln, nimmt ab dem 40. Lebensjahr deutlich zu, Frauen sind häufiger betroffen als Männer, weitere Risikofaktoren sind starkes Übergewicht, Bewegungsmangel und Diabetes.

Gallensteine kann man so ganz grob in 3 Kategorien einteilen: als erstes die sog. „stumme“ Variante, die meist keine Symptome hat und man oft nur durch Zufall, z.B. bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Je nach Lage und Größe kann es dann im 2. Schritt zu den „symptomatischen“ Gallensteinen kommen, die dann u.a. Schmerzen im rechten Oberbauch, Druck-oder Völlegefühl, Blähungen oder Aufstoßen verursachen, besonders nach gebratenen oder fetten Speisen und zwar nicht sofort, sondern häufig nachts. Schlimmstenfalls kann es dann in der 3. Option zu einer Gallenkolik kommen, mit heftigen, krampfartigen Schmerzen, hauptsächlich im Mittel-und Unterbauch, die wellenartig kommen und von 15 Minuten bis mehrere Stunden anhalten können. Nun ist aber spätestens Hilfe gefragt! Was jetzt zu tun ist, entscheidet natürlich ihr behandelnder Arzt, es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Zertrümmerung der Steine, schlimmstenfalls eine Entfernung der Gallenblase, aber auch, wenn sie ihre Galle naturheilkundlich unterstützen wollen, ist eine vorherige Abklärung sehr sinnvoll.

Gegen zu wenig Gallenflüssigkeit hilft z.B. sehr gut die Artischocke (Cynara cardunculus). Diese distelartige Pflanze aus der Familie der Korbblütler enthält viele Bitterstoffe, die die Produktion des Gallensaftes fördern. Magen-Darm-Beschwerden gerade nach fetthaltigem Essen sind oft ein Zeichen, dass unser Verdauungssystem, vor allem die Leber, überfordert ist. Dadurch fehlt es eben an genügend Gallensaft, um das Fett vollständig aufzuspalten. Die übermäßigen Fettstoffe werden dann von nützlichen Bakterien im Dickdarm verarbeitet. Dabei entstehen allerdings vermehrt Gase, die Völlegefühl, Blähungen und Krämpfe verursachen. Gezielt entgegenwirken lässt sich mit Hilfe von Bitterstoffen – sie fördern die Produktion von Gallensaft und sorgen so dafür, dass Nahrungsfette besser verdaut werden. Enthalten sind diese Substanzen in Gemüsesorten wie eben der Artischocke, die man in frischer Form, aber auch als Saft oder Kapseln zu sich nehmen kann. Aber auch Chicorée, Radicchio oder Löwenzahn können vor einer reichhaltigen Mahlzeit sehr nützlich sein. Schade nur, dass die Bitterstoffe heutzutage oft herausgezüchtet werden, da sie nicht mehr dem „modernen“ Geschmack entsprechen! Nur so am Rande: die Artischocke gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und ist seit mehr als zwei Jahrtausenden bekannt. In der Römerzeit wurde sie die „Speise der Reichen“ genannt. Artischockenblütenböden wurden schon damals bei üppigen Gelagen zur Förderung der Verdauungstätigkeit verzehrt. Na ja, die alten Römer neigten halt sehr zur Völlerei…

Ein sehr schöner Tee gegen Gallenbeschwerden könnte z.B. so aussehen:
30 g Gelbwurz = Curcuma, 30 g Kümmel, 20g Pfefferminzblätter, 20 g Fenchel. Zwei Teelöffel dieser Mischung übergießen Sie mit kochendem Wasser für ein Glas Tee, lassen es 10 Minuten ziehen und sieben danach ab. Täglich 3 Tassen helfen bei „essenstechnischen Entgleisungen“.

Auch die Homöopathie hat in diesem Zusammenhang einiges zu biete, Bryonia D12 (Zaunrübe): Dieses Mittel ist sehr hilfreich bei einem empfindlichen Oberbauch. Körperliche Symptome sind stechende oder ziehende Beschwerden im Bereich des oberen Bauches, die stärker durch Bewegung werden. Allgemein sind Sie leicht ärgerlich und gereizt, außerdem haben Sie großen Durst auf kalte Getränke, die Sie in großen Schlucken trinken. Besser wird es meist durch Ruhe und einen festen, großflächigen Druck auf die Bauchregion. Sie möchten am liebsten auf der schmerzhaften Seite liegen. Schlimmer wird es durch leichte Berührung.

Carduus marianus D4 (Mariendistel):
Dieses Mittel bietet sich bei Leber- und Gallenschwäche an und kann auch als Begleittherapie bei einer Leber- und Gallenerkrankung eingesetzt werden. Es hilft ebenfalls bei Fettsucht (Adipositas) und Diabetes. Als körperliche Symptome zeigen sich folgende: die Zunge ist weiß belegt, an den Rändern und an der Spitze der Zunge rot, Zahneindrücke sind sichtbar. Der Stuhl kann heller sein als sonst, eventuell ist Ihnen übel und Sie müssen sich gelegentlich erbrechen. Allgemein zeigt sich: Sie haben keinen Appetit, Völlegefühl sowie dumpfe, lang anhaltende Beschwerden im rechten Oberbauch, Ihre Stimmung ist gedrückt. Besser wird es durch Liegen auf der schmerzfreien Seite, Ruhe und warme Umschläge, schlimmer kommt es durch Druck und Bewegung. Kann durchaus auch längerfristig verwendet werden, aber dann bitte mit dem Therapeuten absprechen.

Leptandra D6
(Virginischer Ehrenpreis):

Das ist angezeigt, wenn Ihre Gallenblase operativ entfernt wurde, Sie jedoch weiterhin unter Beschwerden leiden. Körperliche Symptome können sein: Sie haben chronischen, pechschwarzen, nach Teer stinkenden Durchfall, Ihr Bauchbereich ist ausgeprägt schmerz- bzw. berührungsempfindlich. Allgemein fühlen Sie sich schwach und niedergeschlagen, besser wird es allerdings nach dem Stuhlgang und durch liegen auf dem Bauch. Schlimmer ist es oft bei Bewegung, kaltem Wetter und durch Trinken von kühlem Wasser.

Also, Sie sehen, es gibt Hilfe und werden Sie nicht allzu „gallig“!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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