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Die Böllerschützen feiern 30. Geburtstag

Es war am 25. Februar 1994, als im kleinen Kreis (sieben Mann) die Gründungsversammlung im Gasthof Krone in Füssen einberufen wurde. Bereits Anfang Mai wurden die ersten Handböller in Empfang genommen. Keinen Monat später traten mehrere Frauen dem Verein bei. Es war von Anfang an der ausdrückliche Wunsch: diese Runde wollte keine geschlossene Herrengesellschaft bleiben. Die Eintragung ins Vereinsregister folgte und mit der erteilten, gesetzlichen Schießerlaubnis konnten die Füssener Böllerschützen voll durchstarten.

Eine einheitliche Tracht wurde angeschafft und ein Vereinsemblem entworfen und von der Stadt Füssen erhielt der Verein eine richtige Kanone als Dauerleihgabe. Ein Highlight der vergangenen 30 Jahre war die Fahnenweihe am 24. Juni 2001. „Das ist die schönste Fahne, die der Fahnen-Kössinger je gemacht hat. Sie erinnern sich heute noch an uns“, erzählt Ralf Weiß. 60 Vereine und viele Musikkapellen zogen bei einem Festumzug durch die Stadt, im Klosterhof sprach der Stadtpfarrer Dekan Karlheinz Knebel bei einer Messe seinen Segen. „500 Böllerschützen waren da und haben im Baumgarten gleichzeitig geschossen“, erinnert sich Vereinsmitglied Bernhard.

Das Böllerschießen hat eine lange Tradition. Vor allem in Bayern pflegen etwa 700 Vereine mit etwa 10.000 aktiven Mitgliedern diesen Brauch, der bis in das 14./15. Jahrhundert zurückreicht. Damals diente das Böllerschießen als Abwehr von Dämonen und Geistern. Im Mittelalter kam das „Wetterschießen“ auf. Die Menschen hofften, damit Unwetter vertreiben zu können. Das Schießen ist seinem Ursprung nach also ein uralter Brauch. Zu Weihnachten wurde viel geschossen, um das neue Jahr einzuläuten oder bei hohem Besuch und besonderen Festen. Für Fürstenhöfe, Könige und Kaiser waren Salutkanonen ein Muss. Dazu darf man behaupten, dass kaum eine Erfindung die Weltgeschichte so stark beeinflusste wie die Erfindung des Schießpulvers.  

Auch das Böllerschießen in Füssen hat durchaus seine Historie: Die älteste Aufzeichnung stammt aus dem Jahr 1650, als Bischof Sigismund Franz aus Augsburg in Füssen Halt machte und ihm zu Ehren beim Eintreffen mit drei Salven gehuldigt wurde und eine vierte „vom Rathaus hinauf gegen das Schloss geschah“. Aus dem Jahr 1795 stammt die Notiz, als im Rahmen der Aufstellung einer Landmiliz wegen der napoleonischen Kriege neben 139 Gewehren, 3 Pistolen und 125 Säbeln auch sieben Böller zum Arsenal zählten. Schon 1807 schossen die Böller bei der Fronleichnamsprozession Salut und 1826, bei der Einweihung der Theresienbrücke, begann der Tag bereits frühmorgens mit Böllerschüssen und nach der offiziellen Feier wurde eine große Böllersalve abgeschossen.

Doch nicht alle sind von dieser Tradition begeistert. Der laute Knall des Böllerschießens wird als störend empfunden. Nichtsdestotrotz gibt es viele Gelegenheiten, wo das Böllerschießen erwünscht ist. Jeder Knall bedeutet nicht einfach nur Lärm, dahinter steckt ein jahrhundertealter Brauchtum und der Zauber der Chemie. Es ist Ausdruck der Freude über ein besonderes Ereignis und ein zeitlich begrenztes, friedliches Jubilieren. Nicht ohne Grund gilt das Böllern heute als Teil des „Schützenwesens in Deutschland“ und ist als immaterielles Kulturgut von der UNESCO-Kommission anerkannt.

Leider aber haben die Füssener Böllerschützen mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Eine Hürde für potenzielle neue Vereinsmitglieder könnte das Mindestalter sein, vermuten Fähnrich Albert Mayer, 2. Vorsitzender Ralf Weiß und Klaus-Peter Bernhard, der 1. Vorsitzende. „Die Prüfung, die eine Voraussetzung zum Abfeuern der Böller gemacht werden muss, ist zu schaffen. Eine weitere Voraussetzung ist ein einwandfreies Führungszeugnis, das von der Polizei ausgestellt werden muss“, erklärt Klaus-Peter Bernhard. 

Geselligkeit wird bei den Böllerschützen groß geschrieben. Gelegenheit dazu bietet sich beim monatlichen Stammtisch. Die Füssener Böllerschützen sind gern geladene Gäste. Zum 120. Geburtstag von König Ludwig gab es ein Jubiläumsschießen am Alpsee. „Da fielen 120 Schuss, für jeden Geburtstag einen“, berichtet das Vereinstrio. 

Jeden letzten Freitag im Monat findet der Stammtisch im Vereinsheim, dem „Böllerstüberl“, um 19 Uhr statt (Kemptener Str. 109, beim V-Markt). So auch am 26. Mai, einen Tag nach dem 30-jährigen Vereinsjubiläum. Neugierige und Interessierte sind herzlich willkommen.

Der Mitgliedsbeitrag für aktiv Mitglieder beträgt 30 Euro im Jahr und für passive Mitglieder 15 Euro im Jahr.


Text: rie/ Selma Hegenbarth · Foto: privat

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