Menschen

Unterwegs

Auf den Spuren eines Globetrotters

Sepp Köpf war viel unterwegs. Es waren Reisen, die ihn bis heute geprägt haben. Das wovon andere manchmal träumten, hat er erleben dürfen: Fremde Kulturen kennenlernen, die ungewöhnlichsten Gerüche wahrnehmen, an den schönsten Stränden schlafen und Dinge erleben, die schön und schaurig, gefährlich und amüsant waren. Wenn er daran zurückdenkt, lächelt er. Er möchte keine Sekunde davon missen, geschweige denn einen einzigen Tag. „Diese Reisen haben mich geprägt“, sagt der heute 64-Jährige.

Wenn er alle seine Reisen zusammenfasst, dann war er sieben Jahre unterwegs. Das Erlebte hat er in Tagebüchern festgehalten und mit all seinen Gedanken und Emotionen niedergeschrieben. Selbst die vielen Gerüche in Südamerika oder Asien hat er in Worten zusammengefasst. Daraus hat er ein sehr persönliches und interessantes Reisebuch geschrieben und mit Bildern untermalt, es heißt „Unterwegs“. „Jedes Mal wenn ich die Tagebücher las, erlebte ich die Reise noch einmal. Ich nahm die Gerüche war, den Trubel oder manchmal fühlte ich auch die Stille“, erzählt der Schwangauer. Schreiben ist für Sepp Köpf nicht nur eine Ausdrucksform. „Für mich bedeutet Schreiben sehr viel. Es beruhigt, die Reflexion des Erlebten ist intensiver und die Wahl der Wörter ist bedachter. Ein geschriebenes Wort bleibt und irgendwie ist es auch eine Therapie“, sagt er.

Die Reisen führten Sepp Köpf neben Südamerika unter anderem auch nach Thailand, China, Kambodscha, Tansania, Costa Rica, Japan, Nepal, Guinea, Kalifornien und vielen anderen Ländern.

Am 4. Dezember 1977 ging die große Reise nach Südamerika los. Freunde, Familie und Bekannte kamen, um sich von ihm zu verabschieden. Selbst die Blasmusik fehlte nicht. „Es war echt der Wahnsinn. Unsere Nachbarin Resi hatte für jeden von uns eine geweihte Kerze und ein Fünf-Mark-Stück hergerichtet, was sie völlig in Tränen aufgelöst übergab“, steht in seinem Tagebuch. Heute kann Sepp Köpf verstehen, welche Ängste die Mütter und Großmütter um ihre Söhne und Enkel hatten. „Es war ja nicht so wie heute. Wir waren nicht überall und ständig erreichbar. Meine Mutter schickte mir an das Postamt Briefe oder in die Botschaft. Manchmal dauerte es Wochen bis sie einen Brief von mir und ich von ihr bekam.“ Lediglich einmal hat er in der ganzen Zeit von sechs Monaten telefoniert. „Drei Minuten haben damals 56 Mark gekostet“, erinnert er sich. Von seinen Reisen nahm er viel mit. Erkenntnisse, aber auch interessante Geschäftsideen, die er dann später mit seinem Bruder Barny umsetzte. In Brasilien gab es die sogenannten „Lanchonetes“ und „Botequim“ (Eckkneipe) eine Mischung aus Restaurant, Kneipe und Imbissbude, die sie aufgrund ihres geringen Reisebudgets oft aufsuchten. Denn dort konnte man günstig essen und trinken und man traf viele gleichgesinnte Menschen. Diese Idee nahmen sie mit. So wurde aus dem „Milchhäusl“, einem kleinen, ehemaligen Molkereigeschäft, eine „Lanchonete“. Der Erfolg blieb nicht aus, ganz im Gegenteil. Die zentrale Lage und den netten Biergarten fanden die Gäste urig und das Kleinod entwickelte sich immer mehr zu einem Szene-Treffpunkt für Globetrotter und für jene die auf der Suche nach Abenteuer und Träumen waren. Jeder, der rein kam, sah sogleich die Weltkarte mit vielen Pins darauf. Das waren Plätze, wo Sepp und Barny Köpf unterwegs waren. Hier entstand auch die Idee, mit dem Rad nach Indien zu fahren. Man sagt, wenn man einmal eine längere Reise gemacht hat, dass man süchtig nach mehr wird. So war es bei Sepp Köpf. „Es war wie ein Trieb“, nickt er bejahend. Nur zwei Jahre nach der Eröffnung des „Milchhäusls“ 1980, hielt ihn nichts mehr zurück. Dieses Mal sollte seine Reise nach Indien gehen und zwar mit dem Fahrrad – ein Unterfangen, das zu der damaligen Zeit recht ungewöhnlich war. Heute ist das Rennrad samt der Route im Schaufenster des Fahrradverleihs „Todos“ in Schwangau zu sehen.

Sepp Köpf hat viele interessante Menschen getroffen. Mit manchen hat er heute noch Kontakt.

Sepp Köpf kann sich noch an die Frage seiner Mutter erinnern, als er sagte, dass er wieder unterwegs sein wird: Du bist doch gerade erst gekommen, musst Du jetzt schon wieder gehen? „ Es ist nicht leicht, wenn man wieder nach Hause zurück kommt. Man hat sich vielleicht etwas abgesondert, weil man vieles gesehen und erlebt hat. Plötzlich fühlt man sich fremd und beengt. Das Reisen hat mich reifer und verständnisvoller gemacht. Man betrachtet plötzlich Dinge und Situationen aus verschiedenen Perspektiven. Kurz gesagt, der eigene Horizont erweitert sich“, erzählt er aufrichtig. Tatsächlich kam dann irgendwann die Sehnsucht, Deutschland zu verlassen und nach Brasilien auszuwandern. „Ich bin mit meiner Frau und unserer Tochter 2003 nach Brasilien gezogen. Es war die glücklichste Zeit in unserem Leben. Wir hatten ein kleines Häuschen am Strand. Ich kann jederzeit dort Urlaub machen. Brasilien hat sich seitdem geändert und ich auch. Heute haben Menschen in meinem Alter die ärztliche Versorgung im Blick und nicht unbedingt das Abenteuer“, lacht Köpf. Seine Familie wollte wieder zurück ins Allgäu und er folgte ihr. Das war 2014.

Südamerika übt auch heute noch einen Zauber auf ihn aus. Es ist die Sprache, Kultur und die Lebensfreude der Einheimischen, die ihn so faszinieren. Viele Menschen hat er auf seinen Reisen getroffen und mit einigen hat er noch Kontakt. „Wenn ich meine heutige Kommunikation sehe, dann ist die sehr global“, meint der vielsprachige Schwangauer. Portugiesisch, Spanisch und Englisch spricht er fließend. Seit einem Jahr lernt er Französisch. Dass er nicht mehr lange und strapaziöse Reisen machen kann, stört ihn nicht. „Alles hat seine Zeit und ich mag nicht mehr in Zelten schlafen. Ich will es bequemer haben, was nicht bedeutet, dass ich nicht wieder unterwegs sein will“, schmunzelt Sepp Köpf. „Russland wäre interessant. Jetzt aber geht es erst einmal Richtung Balkan. Es ist die gleiche Anfangsroute wie damals mit dem Fahrrad. Allerdings sind meine Freundin und ich mit dem Auto unterwegs und dieses Mal geht es durch Albanien und Griechenland.“ Ein Globetrotter bleibt wohl immer einer oder wie es Kurt Tucholsky sagte: „Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“

INFO:

Es ist ein amüsantes und ehrliches Buch mit einem Einblick in interessante Begegnungen, Gedankenspiele und Emotionen. Der Leser wird von dem Autor auf seinen Reisealltag mitgenommen. „Unterwegs“ ist in der Buchhandlung Seitz und Auer in Füssen, im Geschäft „Biersouvenir“, Schrannengasse 8 in Füssen sowie im TODOS in Schwangau, erhältlich.

Text: Sabina Riegger · Fotos: privat

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