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Auf Stippvisite in der alten Heimat

Ruth Röthlisberger

Vor kurzem war sie mal wieder für ein paar Tage in Füssen im Urlaub, genauer gesagt in Bad Faulenbach, wo ihre Eltern viele Jahre lang das „Kurhotel Jakob“ geleitet haben und nun an ihren Bruder Magnus übergeben haben. Ruth Röthlisberger hat der Familientradition entsprechend gleichfalls in der Tourismusbranche gearbeitet, bevor sie in Konstanz Tourismus und Betriebswirtschaftslehre zu studieren angefangen und dabei schließlich ihren Mann Silvio kennengelernt hat, der aus der Schweiz kommt.

2007 ist die heute 42-jährige dann in das Land der Eidgenossen gezogen, wo sie 2008 geheiratet hat und mittlerweile als angesehene Hypnotiseurin mit ihrem Mann und zwei Töchtern in der Nähe von Winterthur lebt. Nach ihrer Rückkehr von einem vierjährigen Aufenthalt in Singapur, wo ihr Mann als Bankier beruflich tätig war, eröffnete sie 2016 eine eigene Praxis bei Winterthur, in der sie sich hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen befasst, die von Ängsten, Blockaden oder anderen, zum Beispiel schulischen, Problemen geplagt werden oder unter Traumata leiden. Hypnose kann „nicht heilen, aber helfen“, diese Schwierigkeiten besser in den Griff zu bekommen, erklärt Röthlisberger. Dabei arbeitet sie In der Regel mit Kindern ab sechs Jahren und am liebsten ohne Eltern. Die werden jeweils in einem ausführlichen Vorgespräch darüber informiert, wie sie bei ihrer Behandlung vorgeht beziehungsweise, was sie dabei macht.

Die Behandlung besteht meistens aus einer klassischen Entspannungshypnose. Röthlisberger wendet zu 30 Prozent auch die Methoden der Aktiv-Wach-Hypnose an, bei der die Patienten häufig etwa auf einem Fahrrad-Ergometer in Bewegung sind. Damit versucht sie ihre Patienten „künstlich in Trance zu versetzen“, um an ihr Unterbewusstsein heranzukommen. Das klappt jedoch nur dann, wenn die entsprechende Person dazu bereit ist, sich in Hypnose versetzen zu lassen, was letztlich einer Art Selbsthypnose gleichkommt, wie sie erzählt. Dabei hypnotisiert sie in der Regel nur mit Worten. Das aus dem Fernsehen bekannte Fingerschnippen ist nicht so ihr Ding, meint sie. „Kinder reagieren hierauf grundsätzlich viel schneller als Erwachsene“, unterstreicht sie und ergänzt, dass ihre Art von Hypnose „auf Gefühle abzielt“ und durchschnittlich zwei, drei Sitzungen von insgesamt ein paar Stunden Dauer umfasst. Spätestens danach sollte man sehen, dass die Behandlung in die richtige Richtung läuft und Früchte trägt. Manchmal stimme aber auch die Chemie zwischen ihr und dem Patienten nicht, dann ist es besser, ihn vielleicht an einen Kollegen zu verweisen.

Schließlich ist die gebürtige Füssenerin bestrebt, nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen zu zeigen, „dass etwas besser werden kann.“ Ruth Röthlisberger spricht aus eigener Erfahrung. Vor einiger Zeit ist sie selbst zur Hypnose gegangen, um gegen ihre Höhenangst anzugehen. Es hat erfolgreich geklappt. Seitdem hat auch sie für sich bestimmte Methoden gefunden, sich in bestimmten Situationen selber zu helfen und zum Beispiel ruhiger zu werden. So große Unterschiede wie zwischen Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen gibt es zwischen Frauen und Männern nicht. Zu ihr kommen mehr Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts, die vermutlich „ein bisschen offener“ für ihre Hypnosetherapie sind. „Die männlichen Patienten kommen wirklich nur dann, wenn sie es wollen und für nötig halten“, erklärt sie. Viele kommen zu ihr, weil sie Schlafstörungen und Existenzängste haben. Die haben vor allem im Hinblick auf die Corona-Pandemie seit 2020 zugenommen.

Text · Foto: Alexander Berndt

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