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Mehr Lebensqualität durch erfolgreichen Tourismus

Sebastian Gries ist der neue Tourismuschef für den Landkreis Ostallgäu. Er ist ein absolutes Schwergewicht, was den Tourismus anbetrifft. Sein beruflicher Werdegang liest sich wie eine Menükarte eines Sternekochs: Referent für Tourismus und Standortförderung in der Industrie- und Handelskammer im Schwarzwald, Leiter des Tourismus Oberammergau, Strategieberater, Leiter von Projekten im internationalen Umfeld, Berater der Bundesregierung für den Prozess der nationalen Tourismusstrategie, … . Er ist ein Mensch, der die Chancen sieht und der sich überlegt, wie Probleme und Herausforderungen bewältigt werden können. Diese Grundeigenschaft, positiv an Dinge heranzugehen und sie verändern zu wollen, hat auch immer wieder dazu geführt, dass er an vielen Stellen einfach den nächsten Schritt gehen konnte. Seine jetzige Aufgabe ist, die Zusammenarbeit in der Produktentwicklung zu stärken, um touristische Infrastrukturen zu schaffen, ein gemeinsames Wanderwegenetz, das Thema Weiterentwicklung des Radwegenetzes und Qualitätsentwicklung in den Orten und in den Betrieben. Überall dort, wo Entwicklungsaufgaben zu tätigen sind und die nicht mehr auf der Ebene eines einzelnen Ortes sind, bringen er und sein Team sich ein. Sein Ziel ist es, optimale Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Tourismus im Ostallgäu zu schaffen.

Sie sind seit dem 1. Januar Tourismuschef für den Landkreis Ostallgäu. Ein großer Landkreis mit vielen touristischen Facetten. Für Sie ist das nichts neues, weil Sie mitunter die bestehende Tourismusstrategie mitentwickelt haben. Was hat Sie motiviert, die Herausforderung zum Tourismuschef anzunehmen?
Das Ostallgäu begeistert mich und ist eine Region voller Chancen. Egal mit wem ich spreche – alle berichten von tollen Erlebnissen im Ostallgäu, Einheimische wie Gäste. Sie erzählen mit funkelnden Augen von unserem wertvollen Natur- und Kulturraum, den herzlichen und charaktervollen Menschen und der spannenden Verbindung von Tradition, Innovation und Zukunftsperspektive, die unsere Region so prägt. Hier zu arbeiten und einen großen Teil meines Lebens verbringen zu dürfen, ist auch für mich persönlich eine große Chance und Bereicherung. Doch die Lebens- und Freizeitqualität des Ostallgäus zu erhalten und Stück für Stück noch besser zu machen, ist kein Selbstläufer.

Im Prozess zur Tourismusstrategie konnten wir gemeinsam mit den vielen touristischen Akteuren der Region die wesentlichen Zukunftsaufgaben für eine weiterhin hohe Lebensqualität im Ostallgäu herausarbeiten. Eine verträgliche Besucherlenkung und Mobilität, der Schutz und die Weiterentwicklung des Natur- und Kulturraums, die Stärkung der Zusammenarbeit von Orten und Betrieben oder auch die Sicherstellung guter Arbeits- und Lebensbedingungen für junge Fachkräfte und Familien sind beispielhaft große Aufgaben, die vor uns liegen. Hier können wir gemeinsam wirklich spürbar etwas bewegen.

Was ich ebenfalls bereits im Strategieprozess kennenlernen durfte und was mich sehr motiviert, sind das tolle Team des Landkreises und des Tourismusverbands sowie die gute Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern und Partnern in den Gemeinden des Ostallgäus und im Allgäu insgesamt. In den Menschen hier steckt viel Motivation, Wissen und Tatkraft und wenn wir noch besser zusammenarbeiten, können wir viel für die Region und ihre Menschen erreichen und vieles noch besser machen, als es bereits ist. Das will ich mitgestalten und mein Wissen und meine Erfahrung für das Ostallgäu einbringen.

Die Corona-Pandemie stellt den Tourismus hart auf die Probe. Manche Branchen haben die Pandemie allerdings auch als neue Chance wahrgenommen, um sich besser oder auch anders zu positionieren. Wie sieht das mit dem Tourismus im Ostallgäu aus?
Die Corona-Pandemie ist für uns ein Brennglas und zeigt uns vor allem die Herausforderungen für den Tourismus im Ostallgäu, die wir bereits im Strategieprozess vor Corona erkannt haben, mit aller Härte und Deutlichkeit auf. Touristische Überlastungserscheinungen durch Tagesausflügler stehen existenziellen Problemen in den Betrieben gegenüber. Während die Straßen voller Autos sind, fehlen in den Betrieben die Gäste, Kunden und Umsätze. Menschen fürchten um Ihre Arbeitsplätze und viele um ihre Existenz. Plötzlich merken wir alle, wie wir vom Tourismus direkt oder indirekt betroffen sind. Diese Deutlichkeit zeigt uns auf, wie wichtig nachhaltiges und vorausschauendes Handeln im Tourismus ist. Das bedeutet z.B. sorgsam mit unserer Natur umzugehen, regionale Betriebe durch regionalen Konsum zu fördern, kleine Unternehmen und Strukturen zu stärken und vor allem einen Tourismus zu fördern, der zunächst und vor allem den Einheimischen selbst dient.

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Sie wollen einen erfolgreichen Tourismus und den Einheimischen gleichzeitig eine hohe Lebensqualität sichern. Wie soll das möglich gemacht werden?
Indem wir erkennen, dass zufriedene Einheimische durch eine hohe Lebensqualität die Grundlage für einen erfolgreichen Tourismus sind. Gäste fühlen sich dort wohl, wo sie wie „Einheimische auf Zeit“ willkommen sind und behandelt werden. Und das erfordert, dass die Lebensqualität der Menschen im Ostallgäu im Zentrum unseres Handelns steht. Unsere wichtigsten „Gäste“ sind die Einheimischen selbst.

Gibt es einen ganzheitlichen Tourismus?
Ja. Und dieser ganzheitliche Tourismus geht über die differenzierende Sichtweise „Touristen“ und „Einheimische“ weit hinaus. Vielmehr nimmt er den gemeinsamen Lebensraum in den Fokus und entwickelt ihn nach dem Prinzip des Gemeinwohls für alle weiter. Unser Ziel muss es sein, dass alle vom Tourismus profitieren und dies auch wissen und schätzen.

Was sind Ihre nächsten Maßnahmen? Wie wollen Sie den Tourismus im Ostallgäu verändern oder vielmehr für die Zukunft stärken?
Wichtig ist jetzt erst einmal, dass Tourismus überhaupt wieder stattfinden kann. Dabei stehen selbstverständlich die Sicherheit und Gesundheit von Einheimischen wie Gästen vorne an. Die Unternehmen brauchen jedoch dringend eine Perspektive, wie es verlässlich weitergeht. In der öffentlichen Diskussion werden hierbei Hotels und Gastronomiebetriebe stark wahrgenommen. Das ist auch richtig. Genauso sind jedoch auch Händler, Kleinvermieter, Bauernhöfe, Kulturschaffende, Bergbahnen, Gästeführer, Verkehrsunternehmen, unternehmensnahe Dienstleistungen wie Druckereien oder Steuerbüros und viele mehr massiv existenziell bedroht. Hier arbeiten wir vor und hinter den Kulissen beratend und unterstützend und auf allen Ebenen daran, Tourismus so schnell wie möglich wieder zuverlässig möglich zu machen.

Gleichzeitig nehmen wir uns die Themen und Aufgaben aus der Tourismusstrategie – die unsere gemeinsame Zukunftsstrategie ist – vor. Mit Partnern verbessern wir Schritt für Schritt die Besucherlenkung im Ostallgäu, machen die Nutzung des ÖPNVs z.B. mit einem neuen Nahverkehrsplan attraktiver, verzahnen Freizeit- und Alltagsradwegenetze oder schaffen neue und alternative Wandererlebnisangebote in weniger frequentierten Teilräumen des Landkreises. Der Schutz und die Weiterentwicklung der Natur- und Kulturlandschaft stehen bei uns ebenso für die kommenden Jahre oben auf der Agenda wie die Stärkung regionaler Produkte aus Landwirtschaft und Weiterverarbeitung.

Welche Rolle spielen dabei die Einheimischen? Wie sollen oder können sie eingebunden werden?
Wie aufgezeigt, stehen die Einheimischen im Zentrum unseres Handelns. In jedem schaffenden Dialog gibt es dabei unterschiedliche und auch gegensätzliche Sichtweisen auf Themen. Wichtig ist für uns, diese Sichtweisen zu kennen und Lösungen zu finden, die für alle von Nutzen sind. Mit der Tourismusstrategie haben wir eine Arbeitsgrundlage mit breit getragenem Konsens geschaffen. Hierfür haben wir die Einheimischen per Befragung und in den Dialogprozess eingeladen. Wir werden auch zukünftig den direkten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmerinnen und Unternehmern der Region suchen. Beteiligung und die Suche nach gemeinsamen Lösungen und Verbesserungen sind in Entwicklungsprozessen für uns selbstverständlich.

Text: Sabina Riegger · Foto: Tourissmusverband Ostallgäu

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