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6. Internationales Käsefestival in Oberstdorf

Mit Bergkäseausstich und Prämierung

Alle 2 Jahre findet das Internationale Käsefestival in Oberstdorf unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten statt. Diesmal vom 8. bis zum 10. März 2019. Besonderer Höhepunkt dieser mit regelmäßig über 15.000 Besuchern sehr erfolgreichen Veranstaltung ist der Bergkäseausstich des Alpwirtschaftlichen Vereins. Er ist am Freitag, den 8. März 2019.

Das Internationale Käsefestival wird seit nun 12 Jahren vom Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu (e.V), dem AELF Kempten und der Oberstdorfer Tourismus GmbH als Partner vor Ort veranstaltet. Schirmherrin dieser Publikumsveranstaltung ist die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber. Das Festival wird offiziell am Freitag 8. März 2019 um 13 Uhr vom Europaabgeordneten Markus Ferber eröffnet.

Die Idee zum Internationalen Käsefestival gab die Käseolympiade von 2007 in Oberstdorf. Vorbild war das Käsefestival in Sand in Taufers, Südtirol, das ebenfalls alle 2 Jahre durchgeführt wird. Geboten wird in Oberstdorf eine große kulinarische Vielfalt von allerhöchster Qualität. Neben den Allgäuer Sennalpen nehmen auch andere, kleinere Direktvermarkter am Festival teil, auch solche mit Produkten, die prima zum Thema Käse passen. Insgesamt gibt es 46 Aussteller, 24 davon mit Käseprodukten. Viele Schmankerl sind aus der Region, aber auch aus dem benachbarten In- und Ausland. Neben vielen abwechslungsreichen Ständen erwartet die Besucher ein buntes, familiengerechtes Programm mit Schaukäsen, Wein- und Käseverkostung, Kochen mit Bergkäse, Brauchtumsveranstaltungen, viel Musik und sogar einem speziellen Kinderprogramm.

Warum der Bergkäse-Ausstich?

Diese Käsemeisterschaft bietet den Allgäuer Sennalpen die Gelegenheit, ihre bayernweit einzigartigen Käsespezialitäten einer breiten Öffentlichkeit gegenüber zu repräsentieren. Es werden dreierlei Ziele verfolgt: Zum einen wird den Sennen Rückmeldung über die Qualität ihrer Bergkäse gegeben. Der Bergkäseausstich gibt zweitens einen steten Anreiz zur Qualitätsverbesserung bei den Teilnehmern und Rückmeldung darüber, wenn sich die Qualität aufgrund geänderter Produktionsabläufe im Laufe der Zeit ändert. Und über die Jahre ergibt sich ein kontinuierliches Bild. Aber Rohmilchkäse ist auch ein Naturprodukt, jeder ist etwas Besonderes und keiner ist wie der Andere. Es gehört daher ein glückliches Händchen dazu, zur Prüfung auch „den richtigen“ Käse auszuwählen. Hierfür darf der Senn vorab ein Bohrloch ausstechen – daher der Name „Bergkäse-Ausstich“. Als drittes Ziel dieser Käsemeisterschaft ist die Schaffung eines Mehrwerts für die betreffende Alpe. Die Prüfung schafft Transparenz und sichert das Vertrauen beim Kunden.

Geschichte der Bergkäseprämierung

Die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts waren eine schwere Zeit für die Allgäuer Sennalpen. Zwar ging es überall im Land nach der Währungsreform und Dank westlicher Wiederaufbauhilfen wieder bergauf. Auch der Alpwirtschaft kamen damals Fördermittel aus dem ERP (Europ. Recovery Progr.) zugute. Viel Geld wurde damals in die Intensivierung der Alpweiden gesteckt (Gülleeinrichtungen, Düngemittel, Pflanzenschutz). Doch konnten sie den Schrumpfungsprozess in der Allgäuer Sennalpwirtschaft, vor allem aufgrund des Mangels an Arbeitskräften und gestiegener (Lohn)kosten, nicht aufhalten. Die Landflucht war damals in ganz Europa „ein Grundübel, schrieb Landwirtschaftsrat Wilhelm Zeller im Februar 1958. Immer mehr Sennalpen verzichteten daher auf die eigene Milchverarbeitung und Milchzieher brachten die Milch ins Tal. Auch das war sehr anstrengend und der Ruf nach Transportseilbahnen wurde immer lauter. Von 1950 bis 1957 nahm die Zahl der Alpkühe von knapp 9000 auf unter 7000 ab, heute sind es ca. 2700. Die Anzahl der Sennalpen sank von rund 200 nach dem Kriege auf 106 in 1958. Heute sind es 43. Im Gegenzug nahm die Jungviehälpung zu.

An Wanderer zum Selbstverbrauch ging damals lediglich 14% der Gesamtproduktion. Die Qualität war wohl auch deutlich schlechter. Bei einer Bergkäselehrschau in Immenstadt von 1955 wurden die Mängel deutlich angesprochen: Nissligkeit, Gläßler, Rindenkrebs, Mäusefraß u.a. waren damals die Ursache, dass rund ¼ der Sennalpkäse damals nur noch als Schmelzrohware taugte. Auch die Preise damals waren schlecht: 27 Pfennig gab es für die im Tal gemolkene Milch, die Verwertung der Alpmilch erbrachte nur knapp 23 Pf. Bergkäse ging für 2,60 DM/kg an den Käufer. Somit wurde wenig verdient auf der Alp, und das hat das Personalproblem noch weiter verschärft.

Um wenigstens eine gewisse Angleichung an den Emmentaler-Milchpreis zu erzielen, wurden 1957 vom AVA Stützungsgelder in Höhe von 112.470 DM beantragt. Aber es war sehr schwierig, diese Mittel zu bekommen. Zum Vergleich: in die Bergbachverbauung flossen damals 2,9 Mio DM. Doch Subventionen (was damals noch kein Schimpfwort war) gab es nur für Betriebe, die dem offiziellen Tbc-Bekämpfungsverfahren angeschlossen waren. Gerade Oberstdorfer und Genossenschaftsalpen in Hindelang, Obermaiselstein, Schöllang und Gunzesried nahmen das sehr ernst und verpflichteten sich sogar, nur noch Vieh aus anerkannt Tbc-freien Beständen aufzunehmen. Damit gingen sie mit gutem Beispiel voran!
Zweifellos war die Alpsennerei damals schon der gefährdetste Teil der Allgäuer Alpwirtschaft, weshalb 1949 auch schon die ersten Alpsennenkurse des AVA stattfanden. Und in eben diese Zeit fielen auch die ersten Bergkäse-Prämierungen, die in ihrer heutigen Form nun schon seit 62 Jahren bestand haben.

Text · Foto: Dr. Michael Honisch

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