Menschen

Bis dass der Tod uns scheidet

Oder: die Frage nach einer dauerhaften Beziehung

Viele träumen von der großen Liebe, den Schmetterlingen im Bauch und von der Traumfrau beziehungsweise Traummann mit der oder dem man bis zum Lebensende zusammen glücklich ist. Die Realität sieht leider oft anders aus. Jedes Jahr werden in Deutschland 400.000 Ehen geschlossen. Die Hälfte davon wird im gleichen Zeitraum geschieden. 14,8 Jahre dauert eine durchschnittliche Ehe – das Versprechen „bis dass der Tod uns scheidet“ ist also eher eine Ausnahme. Was aber macht eine dauerhafte Beziehung aus?

Es ist der gegenseitige Respekt und der Freiraum, den man für eine Beziehung braucht“, sagt Uschi Koch, die seit 24 Jahren verheiratet ist. Sowohl sie auch ihr Mann hatten bereits eine Ehe hinter sich und beide wissen, wie wichtig es ist, sich und dem Partner Freiräume zu geben und Interesse füreinander zu zeigen. „Eine Ehe ist viel Arbeit und eine ständige und schöne Herausforderung“, so die 60-Jährige. Ihr Mann pflichtet ihr bei. „Man muss nicht die gleichen Hobbys haben, im Gegenteil. Ich habe durch die Interessen meiner Frau viel dazu gelernt“, erzählt der 70-Jährige. Gemeinsam viel lachen und miteinander reden gehört zu ihrem Ehealltag dazu.

Debora Bozzon und Vittorio Santarsiero

Bei den meisten Paaren erfolgt nach der Verliebtheitsphase die Ernüchterung. Das Gefühl, dass der Partner doch nicht so ideal ist, kommt nach zwei bis drei Jahren. Dann beginnt oftmals der Rückzugsprozess, der unweigerlich zur Trennung führt. Paare, so zeigen Studien, trennen sich heute zu früh: 82 Prozent der Deutschen etwa sind überzeugt, dass wir uns zu schnell scheiden lassen. „Oft fehlt die Kommunikation, das Verständnis und nicht zuletzt auch die Kompromissbereitschaft“, meint Debora Bozzon. Sie ist nicht verheiratet und hat zwei Kinder. „Ich brauche keinen Eheschein um mit meinem Mann glücklich zu sein.“ Gemeinsam mit Schwiegermutter, Mann und Kindern lebt sie unter einem Dach. „Es sind drei Generationen und jeder will seine Bedürfnisse erfüllt haben. Da muss man lernen Kompromisse einzugehen und tolerant zu sein. In so einem Mehrgenerationen-Haushalt lernt man das ganz gut. Dass es Streitigkeiten geben kann gehört zu einer guten Beziehung dazu, das muss sie aushalten können und man muss auch den Mut haben, das sagen zu können was einen stört, gleichzeitig aber auch die Kritik annehmen können“, so die 41-Jährige.

Der US-Forscher Dr. John Gottman zeigte in seinen Studien, dass für eine glückliche Beziehung nicht die Häufigkeit der positiven und negativen Interaktionen entscheidend ist, sondern das Verhältnis. Das bedeutet, dass nach einem Streit oder Kritik an dem Partner eine Entschuldigung, Umarmung oder ein Kuss das Gesagte nicht vergessen macht. Laut Gottman ist das richtige Verhältnis positiver zu negativer Interaktionen in einer gesunden und stabilen Beziehung 5:1, weil das Negative von uns viel intensiver wahrgenommen wird und viel länger in Erinnerung bleibt als das Positive. Mit dieser Gottmann-Konstante lässt sich angeblich in mehr als 90 Prozent aller Fälle korrekt vorhersagen, ob ein Paar sich trennen wird.

Adriana und Christoph Weisenbach

Doch nicht nur häufige Kritik und die damit verbundene eigene Wahrheit lässt die Partnerschaft leiden. Den Partner verändern wollen, „ihm seine Macken austreiben“ führt definitiv nicht zu einer glücklichen und dauerhaften Beziehung. „Je mehr man versucht, den Partner zu ändern, desto weniger verändert er sich“, sagt der Heidelberger Psychotherapeut Arnold Retzer. „Das ist eine logische Schlussfolgerung“, meint Christoph Weisenbach. „Mit unseren Wünschen und Erwartungen zwingen wir jemandem ein Stück unserer Identität auf und rauben ihm zugleich ein Stück seiner eigenen. Gerade diese Macken machen einen Menschen erst zu dem, was er ist. Für meine Frau und mich ist es wichtig, so sein zu dürfen, wie wir sind. Sich verstellen klappt vielleicht einen Abend lang, aber es reicht nicht, damit eine faire und gute Beziehung zu führen. Eine gute Beziehung besteht definitiv aus Kompromissen. Doch der beste Kompromiss ist es, den anderen so zu lieben, wie er ist.“

Die Ehe-Statistik

16,4 Prozent aller Ehen, die 2013 geschlossen wurden, begannen im Internet. Rund elf Prozent der Singles bis 49 Jahre nutzen das Internet für die Partnersuche. Bei den Älteren sind es noch mehr: Im Alter zwischen 50 und 59 Jahren versuchen das 30 Prozent der Alleinstehenden. Männer ab 65 Jahren suchen gern nach den Schlagworten „blond, blauäugig, geschieden, sportliche Figur, Ausbildung, zehn Jahre jünger“. Frauen in dem Alter möchten „braunäugig, Witwer, Nichtraucher, mit normaler Figur und Studium, ein bis zwei Jahre jünger“ (Quelle: Welt online)

Text: Sabina Riegger · Bilder: mh (1), rie (1), privat

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