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Narkose-Pionier an Ostallgäuer Kliniken

Oberarzt Dr. Martin Kumpf privat

 Füssen/Biessenhofen.    „Dieser Espresso geht auf Dr. Kumpf.“ In der Cafeteria des Füssener Krankenhauses fühlt man sich bei einer aromatischen Tasse bestimmt nicht wie im Wartezimmer, bis das vereinbarte  Interview mit dem 63-jährigen Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin beginnen kann. Die Zeit, bis der OP  Dr. Martin Kumpf frei gibt, könnte zum Beispiel dafür genutzt werden, um einen Flyer anzuschauen. Das Faltblatt informiert über die Zentrale Anästhesieabteilung der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, die schon  im Januar 1978 gegründet worden ist. Als einer der damaligen Pioniere stellt sich im Gespräch in seinem Büro auch Dr. Martin Kumpf vor. Gern kam er aus München ins Ostallgäu, obwohl er Bayerns Hauptstadt seit Sommer 1968 als Student und danach als Assistenzarzt die Stationen seines beruflichen Werdegangs genossen hat. „Wenn ich auf dem Weg nach Füssen zur Arbeit bin, fahre ich jeden Tag wie in den Urlaub“, beschreibt er das positive Gefühl, das ihn nunmehr seit 32 Jahren begleitet.

„Die damaligen Chefärzte der Abteilung kannten mich aus Pasing“, erzählt er. „Sie haben mir eine Stelle angeboten, als sie hier die komplett neue Abteilung aufbauten, die für die Kliniken in Füssen, Marktoberdorf und Obergünzburg sowie das Klinikum Kaufbeuren zuständig ist.“ Zeitgleich – wie Dr. Kumpf berichtet – wurden auch die ersten Intensivstationen im Landkreis (Klinik Füssen) und in der Stadt Kaufbeuren (Klinikum Kaufbeuren) eingerichtet, die unter der ärztlichen und organisatorischen Leitung der Abteilung Anästhesie stehen. Mittlerweile habe die Abteilung rund 40 ärztliche Mitarbeiter. „Trotz langjähriger Erfahrung können wir vorher nie wissen, wie lange wir als Team im OP arbeiten“, nimmt er Bezug auf die Verspätungen, mit denen seine Familie klar kommen muss. „Die Arbeit ist beendet, wenn es dem Patienten gut geht. Das musste meine Frau unseren beiden nun längst erwachsenen Kindern oft erklären, wenn sie abends ungeduldig gefragt haben, wann der Papa denn nach Hause kommt.“

Biesenhofen hat die Familie deshalb gewählt, weil es günstig zwischen den beiden Kliniken liegt. Hier kann sich der Arzt zurück ziehen und „Schongang“ einlegen, nach einem langen höchst konzentrieten Arbeitstag im OP einlegen. Dabei ist der Wahl-Allgäuer mit Wurzeln im ländlichen Nordbaden ein ganz Aktiver. Von Kindesbeinen an war er nicht nur beim Skifahren dabei, sondern auch beim Sport am und auf dem Wasser. Er bezeichnet Segeln als eine Leidenschaft – und weiß inzwischen als Opa, dass beide Enkelkinder jede Menge Zeit haben und diese Stunden bei Sport und Spiel mit ihm teilen möchten.

„Nach meiner aktiven Tätigkeit in der Klinik, bleibt mir auch die Zeit für mein Hobby Kochen“, schmunzelt der Oberarzt. Bislang musste sich seine gelobte Kunst des durchaus fantasievollen Zubereitens von Speisen aus der italienischen Küche auf den Urlaub beschränken. Stichwort Ernährung: Es bleibt ungeklärt, was der Grund dafür ist, dass er in den letzten 36 Jahren des Berufslebens nur eine einzige Krankmeldung abgegeben hat. „Als Kind war ich nur einmal bei einer Blinddarm-OP unter Narkose, ich war mein Leben lang ein gesunder Mensch.“ 

Rückblick: Jahrgang 1947

Er wird 1947 im Städtchen Eberbach bei Heidelberg, einer Perle im Neckartal, als viertes von fünf Kindern einer evangelischen Familie geboren. Der Vater ist Pfarrer. „Als ich in die Oberstufe des Eberbacher Gymnasiums gekommen bin, deutete sich bereits mein Berufsweg an. Mein Vater hat gesagt: Ich kann dir kein Geschäft vererben, aber dir soll eine gute Ausbildung zuteil werden.“
Als geistlicher Würdenträger, wie das der Wunschtraum seiner Eltern vielleicht war, sah sich der aufs Abitur zusteuernde junge Sportsmann jedoch überhaupt nicht. „Eher als praktischer Arzt“, erinnert er sich. Doch es kam etwas anders als gedacht. Nach dem Studium der Humanmedizin wählte er den Weiterbildungsweg zum Facharzt für Anästhesiologie. Er weiß genau, wie es zu dieser Weichenstellung kam. „Wir hatten einen tollen Professor. Er konnte nicht nur mich für sein Gebiet begeistern.“

1968 in München

Jahre zuvor als Abiturient in Eberbach hatte es ihn nicht wie viele Odenwälder weiter an die Uni ins nahe Heidelberg gezogen, „Das war für uns schon eine richtige Großstadt. Aber zum Studieren ging ich mit einem Klassenkameraden doch nach München. Mein Freund hatte dort schon gute Kontakte.“ In Bayerns Hauptstadt fühlte er sich wohl. „Das Sommersemester 1968 war mein erstes Semester. Aber ich bin kein echter 68er gewesen, sondern war eher konservativ orientiert“, betont er angesprochen auf diese von Rockmusik und der Revolte geprägte Zeit in den USA und Europa.

Das Ziel Staatsexamen sehr zügig erreicht, blieb er in München und sammelte in verschiedenen Kliniken die ersten Berufserfahrungen als Arzt. „Mit meinem Wechsel ins schöne Ostallgäu hat sich der Kreis geschlossen, der im idyllischen Eberbach am Neckar seinen Ausgangpunkt hatte. Dort gibt es allerdings nur kleine Berge, der höchste heißt bezeichnenderweise Katzenbuckel.“

Text: bh · Bild: oh

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