
Neue Rechtsform, neue Möglichkeiten
Stadtwerke-Vorstand Helmut Schauer über die ersten vier Monate als Kommunalunternehmen und die Zukunft der Energieversorgung in Füssen
Seit vier Monaten firmieren die Stadtwerke Füssen nun als Kommunalunternehmen. Am 1. Januar 2026 vollzog der bisherige städtische Eigenbetrieb den Wechsel zur Anstalt des öffentlichen Rechts – eine Umstrukturierung, an der die Stadt anderthalb bis zweieinhalb Jahre konzentriert gearbeitet hatte.
Mit der neuen Rechtsform kamen auch neue Aufgaben hinzu: Die Stadtwerke übernahmen die Kommunale Wärmeplanung von der Stadt und integrierten zudem den zweiten Eigenbetrieb, die Städtische Forggensee-Schifffahrt Füssen, in ihre Organisation.
Doch was hat sich in den ersten Monaten tatsächlich verändert? Wie arbeitet man als Kommunalunternehmen? Und welche Herausforderungen bringt die erweiterte Verantwortung mit sich?
„Füssen aktuell“ sprach mit Helmut Schauer, der als bisheriger Werkleiter nun Vorstand der Stadtwerke Füssen ist.
Herr Schauer, wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach vier Monaten aus? Was läuft gut, wo gibt es noch Herausforderungen?
„Die ersten vier Monate waren intensiv, inspirierend und voller Aufbruchsstimmung. Für mich persönlich war es ein sehr bewegender Start, denn man spürt jeden Tag, wie viel Vertrauen die Stadt Füssen in ihr neues Kommunalunternehmen setzt. Dieses Vertrauen ist Ansporn und Verantwortung zugleich. Besonders stolz bin ich auf das starke Miteinander im Team.
Wir haben gemeinsam wichtige Weichen gestellt – organisatorisch, strategisch und operativ. Man merkt, dass alle den gleichen Anspruch haben: Die Stadtwerke sollen ein verlässlicher, moderner und bürgernaher Partner für Füssen sein.
Natürlich stehen wir auch vor Herausforderungen. Der Aufbau eines neuen Kommunalunternehmens ist kein Selbstläufer. Wir müssen Strukturen weiter festigen, Investitionen klug priorisieren und gleichzeitig den laufenden Betrieb in Bereichen wie Wasser, Abwasser, Parkierung, Wärme und der Forggensee-Schifffahrt sichern. Das ist anspruchsvoll – aber es ist auch genau die Aufgabe, für die ich angetreten bin.
Was mich optimistisch macht, ist die Energie, die ich im gesamten Unternehmen spüre. Wir haben ein starkes Fundament, engagierte Menschen und eine klare Vision. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um diese Vision weiter mit Leben zu füllen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit der Stadt und den Bürgerinnen und Bürgern die Zukunft der Stadtwerke Füssen zu gestalten.“
Wie finanzieren sich die Stadtwerke als Kommunalunternehmen?
„Die Stadtwerke Füssen finanzieren sich über Gebühren, Beiträge und Erlöse aus ihren eigenen Leistungen, ergänzt durch Kredite für Investitionen und gegebenenfalls Zuschüsse. Sie arbeiten wirtschaftlich eigenständig, aber nicht gewinnorientiert, sondern im Auftrag der öffentlichen Daseinsvorsorge.“
Sie sagten, personell habe es keine Veränderungen gegeben. Gilt das auch vier Monate später noch?
„Personell hat es seit dem Start des Kommunalunternehmens Stadtwerke Füssen keine Veränderungen gegeben. Das bestehende Team arbeitet weiterhin stabil und zuverlässig in allen Aufgabenbereichen.“
Wie hat sich die rechtliche Selbstständigkeit im Alltag bemerkbar gemacht? Welche Entscheidungen können Sie jetzt schneller treffen?
„Die rechtliche Selbstständigkeit macht sich im Alltag deutlich bemerkbar. Viele Entscheidungen – etwa bei Beschaffungen, Vergaben oder technischen Investitionen – können wir heute wesentlich schneller treffen, weil interne Abstimmungen ausreichen und keine langen Verwaltungswege mehr nötig sind. Das verschafft uns Tempo und stärkt unsere Handlungsfähigkeit.“
Sie haben eine neue Aufgabe dazu bekommen: die kommunale Wärmeplanung. Füssen mit seinen über 15.000 Einwohnern hat durchaus die Größe für ein Fernwärmenetz. Ist das eine realistische Option? In vielen ländlichen Kommunen wird das ja bereits umgesetzt.
„Mit der kommunalen Wärmeplanung übernehmen wir eine zentrale Zukunftsaufgabe. Füssen hat grundsätzlich die Größe für ein Fernwärmenetz. Die aktuelle globale Lage im Energiebereich – geprägt von hohen Preisen, geopolitischen Unsicherheiten und dem Druck zur Dekarbonisierung – macht lokale, unabhängige Wärmelösungen attraktiver denn je. Wir prüfen diese Möglichkeit derzeit gemeinsam mit einem erfahrenen Ingenieurbüro und der Stadt Füssen. Das Ergebnis wird klar zeigen, wo Fernwärme für Füssen sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig ist.“
Die Stadtwerke sind ein Versorger. Wie passen da die Forggensee-Schifffahrt und der Minigolfplatz dazu?
„Die Stadtwerke sind in erster Linie ein Versorger – aber sie tragen auch Verantwortung für wichtige kommunale Dienstleistungen, die das Leben in Füssen prägen. Die Forggensee-Schifffahrt und der Minigolfplatz im Weidach gehören dazu. Beide Angebote sind Teil der städtischen Infrastruktur und haben eine große Bedeutung für Freizeit, Tourismus und Lebensqualität. Als Kommunalunternehmen können wir solche Aufgaben effizient bündeln und professionell betreiben. So entsteht ein stimmiges Gesamtpaket aus Versorgung, Service und regionaler Wertschöpfung.“
Zu ihrem Aufgabengebiet gehört auch die Parkraumbewirtschaftung. Von wie vielen Parkplätzen sprechen wir hier?
„Zur Parkraumbewirtschaftung gehören mehrere große Parkierungseinrichtungen mit zusammen über 1.000 Stellplätzen. Damit verantworten wir einen zentralen Teil der innerstädtischen Mobilität und sorgen für eine verlässliche, gut organisierte Parkinfrastruktur in Füssen. Neben den Einrichtungen am Festspielhaus, dem Parkplatz an der Morisse und der City-Tiefgarage am Kaiser-Maximilian-Platz zählen im Rahmen der Neuausrichtung zum Kommunalunternehmen auch die Parkplätze am Bootshafen an unserer Anlegestelle dazu.“
Die Stadtwerke übernehmen ab 2027 die Bewirtschaftung des Morisse-Parkplatzes und die Einrichtung am Festspielhaus von APCOA. Welche Gründe gibt es für diesen Schritt? Spielt die finanzielle Unabhängigkeit als Kommunalunternehmen dabei eine Rolle?
„Die Übernahme des Morisse-Parkplatzes – ebenso wie die bereits geplante Bewirtschaftung des Parkplatzes am Festspielhaus/An der Achmühle ab 2027 – ist ein logischer Schritt. Die Parkraumbewirtschaftung gehört zu unseren Kernaufgaben, und durch die kommunale Steuerung können wir Qualität, Service und Wirtschaftlichkeit besser bündeln. Unsere rechtliche und finanzielle Selbstständigkeit als Kommunalunternehmen gibt uns dabei den nötigen Handlungsspielraum, solche Aufgaben langfristig und effizient zu übernehmen.“
Text: Sabina Riegger · Foto: Stadtwerke Füssen



