
Musicalschiff feiert Jubiläum
Vor zehn Jahren wagten Janet Chvatal und Marc Gremm ein Experiment: Musical auf dem Wasser. Was als „Schwanenprinz“ begann, hat sich zum erfolgreichen Musicalschiff entwickelt. Wir sprachen mit Marc Gremm über die Anfangszeiten.
Vor zehn Jahren haben Sie mit dem „Schwanenprinz“ Neuland betreten – das erste Musical auf einem Schiff mit Szenen an Land. Wenn Sie zurückblicken, was war die größte Herausforderung in dieser ersten Saison, und wie hat sich die Produktion über die Jahre entwickelt?“
Als wir die Idee hatten, auf dem Forggenseeschiff „MS Füssen“ König Ludwigs Sagenwelt erlebbar zu machen, sodass unser Publikum mitten im Geschehen dies hautnah spüren kann, hatten wir alle Gänsehaut und es entstand ein unerschöpflicher Pool kreativer Ideen. Gleichzeitig wurde uns bei der Umsetzung mehr und mehr bewusst, welch große Komplexität es mit sich brachte, ein Linienschiff in ein schwimmendes Theater zu verwandeln, Bühne und Plätze für das Publikum zu schaffen, eine Premium-Tonanlage und Theaterbeleuchtung zu installieren, Umzugsmöglichkeiten für die Darsteller zu schaffen – das alles auf sehr engem Raum. Dann gab es dazu parallel Szenen an Land, die das Schiff immer wieder ansteuerte und die das Publikum vom Schiff aus beobachten konnte. Die Landszenen mussten mit der Musik koordiniert werden, die die Gäste an Bord hörten – jedoch nicht die Darsteller an Land. Hierzu musste ein exakter Zeitplan eingehalten werden: Geschwindigkeit und Kurs des Schiffes sowie der Szenenablauf des Musicals an Bord. Diese Koordination war mit Sicherheit die größte Herausforderung. Janet hat diese als Produktionsleiterin Abend für Abend gemeistert, stand zudem noch als „Kaiserin Elisabeth“ auf der Bühne und hat zusammen mit den Kapitänen das Schiff auf Kurs gehalten.
Im Rückblick sich das alles noch einmal vor Augen zu führen, ist einfach unglaublich. Aber alle Beteiligten der Produktion und auch der Forggenseeschifffahrt haben voller Inspiration an einem Strang gezogen und damit den „Schwanenprinz“ zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht. In den folgenden Jahren wurden Abläufe und technische Einrichtungen optimiert – die Herausforderung der Koordination aller Elemente blieb jedoch bestehen.
Sie haben sicher viele besondere Momente erlebt – von magischen Sonnenuntergängen bis zu unerwarteten Wetterkapriolen. Welche Aufführung ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben und warum?“
Jede Aufführung ist – bedingt durch die Naturkulisse, in der wir uns auf dem See bewegen – einzigartig. Sicher haben ein wolkenloser Sonnenuntergang und spiegelglatter See einen ganz besonderen romantischen Zauber. Doch gerade Wolken und manchmal auch kurze Schauer geben der Abenddämmerung eine Projektionsfläche, die atemberaubende Naturphänomene auf Himmel und Wasser zaubert.
Wenn sich diese dann zufällig mit dem Musiktitel und dem Liedtext an Bord verbinden, entsteht echte Gänsehaut. Bei einer Vorstellung sang ich als König Ludwig die beliebte Königsarie „Kalte Sterne“ mit der Textstelle „… bau ein Schloss wie ein Traum …“, während das Schiff an Schloss Neuschwanstein vorbeifuhr, über dem sich ein doppelter Regenbogen spannte. Die Magie an Bord, die jeder in diesem Moment spürte, bleibt durch dieses gemeinsame Erlebnis unvergesslich.

Corona stoppte 2020 auch „Schwanenprinz“. Der Neustart 2022 erfolgte mit komplett neuem Konzept. Warum dieser Kurswechsel?
Corona hat unser aller Leben beeinflusst. Vor allem während, aber auch unmittelbar nach der Pandemie haben wir alle ein verändertes Gefühl von Nähe zu anderen Menschen entwickelt. Das war einer der Hauptgründe, warum wir uns für eine neue Konzeption entschieden haben. Die Gesamtanzahl an Gästen und die vielen Darsteller, die wir damals an Bord hatten, haben sich nicht mehr stimmig angefühlt. Zudem wurde die „MS Füssen“ in der Coronazeit renoviert. Wir wollten das neue Mobiliar nicht durch unsere aufwendigen Umbauten und Vorbereitungen, die für den „Schwanenprinz“ notwendig waren, beschädigen. So entstand das Musicalschiff.
Welche musikalischen Möglichkeiten haben sich für Sie mit dem Musicalschiff eröffnet und wie kam das neue Konzept beim Publikum an?
Beim „Schwanenprinz“ waren wir sehr eng an einen festgelegten Ablauf und ein räumliches Konzept gebunden. Eine Nutzung des Freidecks war damals nicht möglich. Das Musicalschiff bietet nun genau diese Freiräume: Das Publikum kann Darsteller und Programm auch unter freiem Himmel hautnah erleben. Die technischen Anforderungen und Vorbereitungen sind nach wie vor enorm, da nun zusätzlich auf dem Freideck eine Premium-Tonanlage installiert ist und das Schiff vor jeder Vorstellung technisch und organisatorisch eingerichtet und danach wieder in seinen Ursprungszustand zurückgebaut werden muss – da es am nächsten Tag wieder im Linienbetrieb fährt. Das Publikum genießt dieses hautnahe Musicalfeeling in einem schwimmenden Theater mit einzigartiger Naturkulisse sehr. Zudem kann während der Vorstellung auch das gastronomische Angebot an Bord genutzt werden – was zuvor nicht möglich war.
Dieses Jahr haben Sie Premiere auf dem Musicalschiff und dazu den Musicalstar Jan Ammann eingeladen.
Wir möchten dieses Jahr echtes Kreuzfahrt- und Gala-Feeling an Bord bringen. Das Musicalschiff wird sein Publikum unter anderem in einem „Traum in Weiß“ – mit weiß eingedeckten Tischen und Stühlen – empfangen. Nach wie vor bilden Musicalhits die Basis des Programms, ergänzt durch unter die Haut gehende Titel von Udo Jürgens und weiteren Ikonen der Musikgeschichte. Tanzeinlagen, die ebenfalls aus nächster Nähe erlebt werden können, sorgen für zusätzliche Gänsehautmomente. Die Gäste sollen an Bord des Musicalschiffes nicht nur eine Auszeit vom Alltag erleben, sondern einen echten „Kurzurlaub“ mit Kreuzfahrt-Feeling. Musicalstar Jan Ammann wird zudem das Premierenwochenende begleiten.
Text: Sabina Riegger · Fotos: Peter Samer



