
Berührendes Zeitzeugnis kehrt auf die Lechtaler Bühne zurück
Es ist eine Geschichte von Armut, Trennung und Überlebenswillen, die tief in der Seele des Lechtals verwurzelt ist. Nun kehrt das Theaterstück „Schwabenkinder“ von Claudia Lang-Forcher nach neun Jahren auf die Geierwally Freilichtbühne zurück – und für Bühnenleiter Bernhard Wolf wird es zu einer ganz besonderen Zeitreise. 1996 stand der damals elfjährige Bernhard Wolf erstmals als Schwabenkind auf der Bühne – in der Hauptrolle. „Das war mein erstes Stück“, erinnert er sich. Drei Jahrzehnte später kehrt er zum selben Stück zurück, doch die Perspektive hat sich grundlegend gewandelt: „Für mich ist es dieses Mal noch etwas ganz Besonderes – ich spiele den Lehrer.“ Ein symbolischer Rollenwechsel, der auch seine eigene Entwicklung widerspiegelt.
Seit 2011 leitet Wolf die Geierwally Freilichtbühne, in diesem Jahr feiert er sein 15-jähriges Jubiläum als künstlerischer Leiter. Zwölf Inszenierungen hat er in dieser Zeit realisiert, doch die „Schwabenkinder“ bleiben etwas Besonderes – nicht nur für ihn persönlich.
Ein dunkles Kapitel wird lebendig
Das Stück erzählt von einer bitteren Realität, die bis in die 1950er Jahre den Alltag vieler Lechtaler Familien prägte. Die karge Landwirtschaft im Tal ernährte die oft kinderreichen Familien kaum. Die verzweifelte Lösung: Kinder und Männer verließen ihre Heimat, um im „Schwabenland“ unter härtesten Bedingungen zu arbeiten. Mit ihrem kargen Lohn hielten sie die daheimgebliebenen Familien über Wasser.
Autorin Claudia Lang-Forcher hat dieses schmerzhafte Kapitel Tiroler Geschichte akribisch aufgearbeitet. Sie durchforstete historische Quellen und sammelte mündliche Berichte der letzten noch lebenden Zeitzeugen. Heraus kam ein Theaterstück, das historische Genauigkeit mit emotionaler Tiefe verbindet und das Schicksal eines Schwabenkindes und seiner Familie eindringlich nachzeichnet.
Für die Neuinszenierung hat Wolf das Stück behutsam überarbeitet. „Wir haben die Eröffnung und einige Besetzungsdetails angepasst – kleine, feine Einstellungen“, erklärt er. Die Änderungen erfolgten in enger Abstimmung mit Lang-Forcher: „Ich habe ihr meine Bearbeitung geschickt. Sie hat mit dem Regisseur gesprochen, und es ist ganz in ihrem Sinne.“
Die Regie übernimmt Roland Silbernagl, der erstmals auf der Geierwally Freilichtbühne inszeniert. „Er ist ein talentierter Bühnenmensch, ein feiner und einfühlsamer Mensch – genau der Richtige für dieses Stück“, schwärmt Wolf. Für die musikalische Gestaltung konnte erneut Komponist Kammerlander gewonnen werden.
Überraschender Ansturm junger Talente
Die Suche nach Darstellern gestaltete sich unerwartet einfach. „Normalerweise ist es schwer, Kinder fürs Theater zu bekommen“, gibt Wolf zu. Doch diesmal war es anders: 24 Kinder kamen zum Casting, 22 wurden genommen. Dazu kommen zwölf erwachsene Darsteller – insgesamt 34 Spieler.
Eine Besonderheit der aktuellen Produktion: Alle Kinderrollen sind doppelt besetzt. „Früher haben wir das nicht so gemacht, aber die rechtliche Lage erfordert das. Außerdem wollen wir die Kinder nicht überlasten“, erklärt Wolf. „So können sie am Wochenende auch mal freihaben oder im Sommer mit den Eltern verreisen.“ Der jüngste Darsteller, Jakob, ist neun Jahre alt.
Intensive Probenarbeit läuft bereits
Gemeinsam lesen die Darsteller das Stück und arbeiten sich in ihre Rollen ein. 35 bis 40 Proben sind bis zur Premiere geplant – ein beträchtlicher Aufwand, der sich über die gesamte Produktionszeit erstreckt. Die „Schwabenkinder“ wurden bereits 1996 und 1997 gespielt, dann 2003 und 2004 sowie zuletzt 2017. Das Stück ist ein Denkmal für jene Generation, die das Lechtal unter größten Entbehrungen am Leben hielt. Ein Stück Erinnerungskultur, das auch heute noch berührt und mahnt.
TERMINE
PREMIERE SA, 4. JULI 2026
JULI FR., 10. | SA., 11. | FR., 17. | SA., 18. | FR., 24. | SA., 25. | FR., 31.
AUGUSTSA., 1. | SO., 2. | FR., 7. | SA., 8. | SO., 9. | FR., 14. |
SA., 15. | FR., 21. | SA., 22.
Kartenverkauf:
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Text: FA/rie · Foto: privat



