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Teuflisch wilde Herausforderung

Vorbereitungen für das Schalenggen-Rennen sind angelaufen

Das Kappeler Schalenggen-Rennen ist ein verrücktes Wettrennen, bei dem die Teilnehmer versuchen, mit einem hölzernen Schlitten so schnell wie möglich eine etwa 1000 Meter lange Strecke im Pfrontener Ortsteil Kappel zu bewältigen. Rund 200 Frauen und Männer stürzen sich in Zweierteams den Berg hinunter. Halsbrecherisches Tempo, infernaler Konkurrenzkampf und eine Riesengaudi erwarten die Zuschauer und Teilnehmer am Samstag, 10. Februar, ab 12 Uhr.

Es ist wie eine Mischung aus einem Hindernisparcours und einer Comedy-Show, bei der die Teilnehmer mit teilweise ungewollt komischer Akrobatik aufwarten, während sie auf der Piste um Ruhm und Ehre, vor allem aber um den Sieg kämpfen. Amüsant sind schon die Namen der startenden Paare (bestehend aus einem Fahrer und seinem Helfer).

Im vergangenen Jahr waren zum Beispiel gemeldet – um nur einige wenige zu nennen – der „Dichter und Lenker“, die „Bergaufbremsar“ oder „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“. Auch der „Tussiexpress“, die „SOKO Bierschutz“ oder ein „Döner mit alles, bissle scharf“ sowie ein „Fallera und Holldriöööö“. Leider konnten sie nicht an den Start gehen. Es mangelte an einem für Schlittenfahrten unabdingbaren Element: Schnee. Im vergangenen Jahr musste wegen des Tauwetters, die beiden Jahre davor wegen Corona abgesagt werden.

Die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer melden sich erst in der letzten Woche vor dem Rennen an. „Am Montag vor dem Rennen ist die Startnummernauslosung. Wer sich aber danach noch meldet, wird auf der Liste einfach hinten angefügt.“ Bisher seien es immer zwischen 150 bis 250 Anmeldungen gewesen. Damit rechnen die Organisatoren heuer auch wieder. Erwähnung finden auch immer besondere Teilnehmerpaare. Dazu gehören, wer die weiteste Anreise hatte, oder welches Paar bisher die meisten Rennen mitgemacht hat.

„Wir haben zum Beispiel zwei Mitfahrer aus Nesselwang, der Möst Hans und der Funke Herbert, die fahren schon mit seit es die Schalenggen-Rennen gibt. Also über 40 Jahre“, erzählt Bergmiller. Aus Kanada sei bereits ein Team mitgefahren, aus Norddeutschland und dem Stuttgarter Raum. Allein die zahlreichen Teilnehmer aus dem benachbarten Tirol machen das Event regelrecht zu einem internationalen Wettkampf.

Von Beginn an findet das Gaudirennen in der Faschingszeit statt. Den Sieg zu erringen, ist allerdings eine bierernste Angelegenheit. Gemogelt werden kann schwerlich. Für einen fairen Ablauf sorgen ein Wettkampfleiter, ein Schiedsrichter, es gibt einen Streckenchef, einen Start- und Zielrichter sowie den Chef der Zeitnahme. Immerhin geht das Spektakel auf einen überlebenswichtigen Brauch zurück: Die Schalengge, oder auf Hochdeutsch Hornschlitten, waren früher in der Berglandwirtschaft unabdingbar. Sie dienten zum Transport von Heu und Holz. Nur mit viel Kraft und Körpereinsatz brachten die Männer damals das im Sommer vorbereitete Futter- und Heizmittel die steilen Berghänge hinab.

Heute kümmert sich der Kappeler Schalengger Verein um das Fortbestehen der Tradition und die Organisation der Rennen. Bereits im Jahr 1976, aus einer Stammtischlaune heraus, fand in der Faschingswoche eine erste Abfahrt mit den alten Schlitten statt. Die Pfrontener hatten solchen Spaß dabei, dass die Aktion wiederholt wurde, um ihr obendrein einen Wettkampfcharakter zu verleihen. 1982 schließlich wurde der Verein gegründet.

Bis heute sind immer noch nur echte Schalenggen für eine Teilnahme erlaubt. Hilfsmittel wie Bremsen oder Lenkhilfen sind nicht gestattet. Den Vereinsmitgliedern ist es bei all dem Spaß doch wichtig, dass die alte Tradition nicht in Vergessenheit gerät. Es fahren jedes Jahr einige Schlitten mit, die wie anno dazumal mit Heu und Brennholz beladen sind. Sozusagen zu Show-Zwecken, erklärt der Vereinsvorsitzende Wolfgang Bergmiller. „Die fahren dann auf der Strecke nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf herkömmliche Weise herunter. Damit die Zuschauer auch sehen, wie das früher war und dass man damals hart arbeiten musste.“

Ein zehnköpfiges Team trifft sich seit Weihnachten wöchentlich, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Es wird auch am Mittwoch vor dem gesetzten Termin entscheiden, ob das 33. Schalenggen-Rennen stattfinden kann, erklärt Bergmiller. Vor allem um die Sicherheit geht es bei diesem Beschluss. „Wir wollen das nicht auf Biegen und Brechen durchführen.“ Die Strecke mit Schnee zu präparieren wäre unter Umständen möglich. Das Problem aber seien die fehlenden Sturzräume. „Das heißt, wenn es einen überschlägt, dann fällt er nicht in weichen Schnee, sondern schlägt irgendwo auf.“ Bisher habe es noch keine schweren Unfälle gegeben, das solle auch so bleiben. „Es gäbe nichts Schlimmeres, als wenn sich jemand schwer verletzt oder gar tödlich verunglückt.“

Nun bleibe zu hoffen, dass es noch etwas schneit und vor allem, dass der Schnee nicht wegtaut. An die 4000 Zuschauer erwarten Bergmiller und seine Mitorganisatoren. „Wenn es stattfindet, ist es ein richtiges Spektakel. Wir haben auch ein Partyzelt und gute Verpflegung da draußen. Man muss schon sagen, das ist ein richtig toller Tag.“ Bergmiller ist schon seit über 20 Jahren an den Vorbereitungen des Rennens beteiligt und Mitglied des Vereins.

Übrigens gibt es nur ein „eingeschränktes Parkplatzvolumen“, erwähnt er noch. Die Gemeinde Pfronten reagierte darauf: Ein kostenloser Shuttlebus fährt aus allen Pfrontener Ortsteilen zur Rennstrecke. Gäste, die mit der Bahn aus Richtung Kempten anreisen, können den Bus ab Bahnhof Pfronten-Ried benutzen, der dann um 10.40 Uhr und um 11.25 Uhr nach Kappel startet. Retour geht es jeweils zur vollen Stunde, um 15, 16 und 17 Uhr. Weitere Informationen zu den sonstigen Haltestellen und Abfahrtszeiten gibt es online unter www.pfronten.de/veranstaltungen/veranstaltungshoehepunkte/schalengge-rennen/

Info:
Das Schalenggar-Rennen findet am 10. Februar um 12 Uhr in Pfronten-Kappel statt. Die Siegerehrung ist um circa 16 Uhr. Anschließend ist eine große Fete im Partyzelt angesagt. Anmeldeformulare gibt es unter www.kappelar-schalenggar.de.

Text: Selma Hegenbarth · Fotos: Hubert Riegger

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