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Mit Heilpilzen die Abwehrkräfte stärken – Teil 2

Das ist mir klar, nicht jeder wird immer meine monatlichen Artikel gelesen haben, deshalb werde ich Ihnen gerne noch einmal in ganz kurzer Form die Verwendung von bestimmten Pilzen in der Heilkunde erläutern.

Also, diese spezielle Art der Anwendung nennt sich Mykotherapie und ist tatsächlich wohl eines der ältesten und durchaus wirksamen Naturheilverfahren der Welt. Wie Menschen darauf gekommen sind, bestimmte Pilze zu Heilzwecken anzuwenden, ist in etwa genauso genial, wie Wölfe (Hunde) und Katzen als unsere „Partner“ und Freunde zu domestizieren!

Nur so am Rande: Ich war dieses Jahr in Istrien und die liebevoll gehaltenen Hunde auf einer Trüffelfarm haben so eine feine Nase, dass sie jede dieser edlen Knollen, ebenfalls Pilze, unter der Erde erschnüffeln können. Übrigens: Der Abdruck einer Hundenase ist genauso gut wie ein Fingerabdruck, so individuell ist er!

Aber davon mal abgesehen: Der Trüffel (Tuber magnatum), den es ja in weißer und schwarzer Form gibt und der sicherlich zu den teuersten Lebensmitteln der Welt gehört, hat aufgrund seiner vielen Inhaltsstoffe auch hervorragende gesundheitsfördernde Eigenschaften – darunter die Senkung des Cholesterinspiegels, Vorbeugung gegen vorzeitiges Altern, Verhinderung von Herzkrankheiten oder die Verringerung von Entzündungen und anderes mehr! Was ich nicht weiß ist, welche Mengen es dazu braucht – könnte auf den Geldbeutel gehen…

Der Ursprung der Mykotherapie liegt in der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz auch TCM genannt, und sie hat ihre Anwendung seit ca. 4000 Jahren. Vitalpilze, wie z.B. der Reishi, Shiitake oder Maitake, werden dort sowohl zur Gesundheitsvorsorge als auch bei der unterstützenden Behandlung von Krankheiten eingesetzt. Warum funktioniert das so gut?

Diese außergewöhnlichen Pilze sind ganz reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Spurenelementen, Mineralien, Enzymen und Aminosäuren. Aber das ist noch nicht alles: Die ebenfalls enthaltenen individuellen Wirkstoffe, die bei speziellen Beschwerden hilfreich sind, kommen ja noch dazu. Und davon hat jeder Pilz seine ganz eigene Zusammensetzung und kann so besonders gut tun.

Es gibt ein sehr breites Spektrum, wie man Heilpilze einsetzen kann, man darf auch gerne ohne Probleme mehrere Sorten kombinieren, falls es nötig ist. Wichtig ist, wenn man so etwas einnehmen möchte, wie ich letztens schon gesagt habe, ein Pulver aus dem ganzen Pilz, nicht nur aus dem oberirdischen Fruchtkörper, den man sieht, sondern auch aus dem unterirdischen Teil, dem sog. Mycel, denn dann ist alles komplett drin!

Ein wirklich ganz besonderes Exemplar ist der Hericium erinaceus – irgendwie schaut er aus wie ein zottiges Tier, z.B. wie ein Vertreter einer in China heimischen Affenart, weswegen er dort auch als „Affenkopfpilz“ bezeichnet wird. Denn sein wunderliches Aussehen, mit einem weißen bis cremefarbenen, mit weichen Stacheln bedeckten Fruchtkörper, hat ihm auch den Namen „Igelstachelbart“ oder „Löwenmähne“ eingebracht.

Nicht nur sein Erscheinungsbild ist eine Besonderheit, sondern auch sein Geschmack. In Asien gilt er als hervorragender Speisepilz, denn seine Inhaltsstoffe erzeugen einen zitrus- oder auch kokosähnlichen Geschmack, der sogar etwas an Meeresfrüchte erinnert. Angeblich soll er sogar bei uns im Herbst, meist an Laubbäumen z.B. Buchen, seine Fruchtkörper austreiben, ich persönlich habe ihn noch nie bewusst gesehen. Aber darum geht es ja nur indirekt, sondern eher um seine Heileigenschaften.

Da der Pilz auf die Psyche und das Wohlbefinden ausgleichend wirkt, wird er bei Belastungen und Stress und deren Auswirkungen auf das Immunsystem eingesetzt. Aber ebenso wurde ein positiver Einfluss auf den Magen-Darm-Trakt beobachtet sowie bei Entzündungen oder Geschwüren.

Besonders spannend sind Untersuchungen neueren Datums, die eine günstige Wirkung auf die Nervenzellen vermuten lassen. Bioaktive Inhaltsstoffe mit dem Namen „Erinacin(e)“ könnten die Regeneration und das Wachstum dieser Zellen begünstigen. Hier könnte man an eine Therapieergänzung bei Alzheimer, Parkinson oder multipler Sklerose denken.

Ganz aktuell ist eine Studie der University of Queensland mit dem sog. „Hericen A“ zum Nervenwachstum und zur Verbesserung des Gedächtnisses, speziell im Bereich der Wiedererkennung. Hört sich spannend an, ist aber sicher noch Zukunftsmusik, aber die Effekte im Magen-Darm-Bereich und für das Immunsystem sind schon auf jeden Fall erwiesen.

Ein weiterer, sehr interessanter Pilz, den Sie vermutlich alle schon einmal gegessen haben, als Sie in einem asiatischen Restaurant waren, ist: Auricularia polytricha – Judasohr, ein Pilz mit biblischer Legende. Bei uns ist er eher bekannt als „Mu -Err“ oder „chinesische Morchel“.

Er gilt als einer der ältesten Speisepilze. Seinen für unseren Gaumen eher faden Geschmack, viele sagen ja etwas verächtlich dazu „Schlabberpilz“, fanden die Chinesen schon vor mehr als 1000 Jahren sehr gut. Was dazu führte, dass das „Judasohr“ bereits damals dort gezüchtet, in der Küche verwendet und sehr geschätzt wurde. Inzwischen wird es aber genauso in Europa kultiviert.

Seinen Namen hat der Pilz mit den ohrmuschelartigen Fruchtkörpern der Legende nach vom Holunderbaum, an dem sich Judas Ischariot nach dem Verrat an Jesus erhängte. Am Stamm dieses Baumes nämlich wuchsen genau diese Pilze mit dem auffälligen Aussehen. Aber nicht nur wegen ihrer Optik, sondern eben auch durch ihre Heilwirkung fielen sie schon seit Jahrhunderten in der traditionellen Volksheilkunde auf.

Im Bezug auf das Immunsystem stärkt der Auricularia die Schleimhäute durch seine befeuchtende und entzündungslindernde Wirkung. Somit ist er sehr hilfreich bei trockenem Husten, Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen sowie Blasenentzündung. Sogar Verstopfung kann man hier durchaus in Betracht ziehen.

Sehr viele Spurenelemente, Mineralstoffe, Enzyme und weitere Biovitalstoffe sowie sein Gehalt an Adenosin machen ihn zusätzlich besonders wertvoll. Denn was dieser speziellen Sorte in hohem Maße zugeschrieben wird, ist folgende Wirkung: Die Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes! Hier kann man an einiges denken, wie etwa die Verhinderung von Blutgerinnseln, Förderung der Durchblutung, hier denke ich auch an die sog. „Schaufensterkrankheit“, Unterstützung bei Thrombosen und Krampfadern sowie blutende Hämorrhoiden.

Vielleicht noch einmal ganz kurz: Was ist denn diese „Schaufensterkrankheit“? Bei diesem Leiden kommt es eben durch mangelnde Durchblutung unter Belastung zu starken Schmerzen in den Beinen, vor allem beim Gehen, deshalb muss der Betroffene alle paar Meter, sprich, vor jedem Schaufenster stehen bleiben. Hier werden die Gefäße extra gestärkt.

Als großen Pluspunkt kann man zusätzlich ansehen, dass das Kollagen der Adern nicht angegriffen wird und somit die Gefahr von inneren Blutungen gebannt wird. Durch die Regulation der Durchblutung kann der Auricularia sich auch durchaus positiv auf Migräne und Tinnitus auswirken.

Es gibt noch einige Pilze, die das Immunsystem und den Körper stärken, toll ist auch der Chaga (Schwarzer Schieferporling), der hauptsächlich auf Birken wächst und daher hauptsächlich in den nördlichen Gefilden zu finden ist. Temperaturen bis zu -40 Grad kann er locker tolerieren. Sein kohleartiges „Sklerotium“, die Dauerform ist schon sehr eigenartig, sieht aus wie ein Geschwür aus Kohle und im Inneren befindet sich dann noch das rostrote Mycel.

In Russland wird er traditionell als Tee getrunken, allerdings ist die Pulverform intensiver. Geerntet werden kann der Chaga erst nach mindestens 5 Jahren, und, was auch sehr interessant ist: Sogar die positiven Wirkstoffe der Birke sind mit enthalten! Die „Perle des Nordens“ gilt in diesen Gebieten traditionell als wunderbares Stärkungsmittel. Nur bei Nierenbeschwerden sollte man sie aufgrund der enthaltenen Oxalsäure, wie auch im Rhabarber enthalten, nur moderat anwenden. Aber gegen Kapseln in entsprechender Dosis ist nichts einzuwenden.

Es gibt noch viele erwähnenswerte Pilze.

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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