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Nicht zu bremsen

Maria Elisa Legelli hat einen Lauf – im wahrsten Sinne des Wortes. Diese zierliche, keine 1,70 Meter große Person mit dunkelbraunem, schulterlangem Haar und einem strahlenden Lächeln gewinnt Laufevents in einer Tour. Zwar startet sie auch mal auf kürzeren Distanzen, „ihr Ding“ aber, das sind 42,195 Kilometer. – Exakt: Legelli ist Marathonläuferin. Seit dem 21. Mai ist sie sogar amtierende Bayerische Meisterin.

Den Titel holte die Füssenerin in Regensburg (2:50:08 Stunden) mit einem Aufsehen erregenden Start-Ziel-Sieg: 39:17 Minuten auf zehn Kilometer, 1:23:28 Stunden nach der Hälfte der Distanz, und am Ende waren es mehr als 20 Minuten Vorsprung vor den Konkurrentinnen. Bemerkenswert ist diese Leistung zudem, da Legelli erst zwei Wochen zuvor beim Oberelbe-Marathon von Königstein nach Dresden teilnehm und auf den ersten Platz rannte (2:51:45 Stunden).

Das Jahr begann für Legelli bereits mit einem neunten Platz. Ende Januar lief die Ausnahme-Athletin den Marathon in Marrakesch (Marokko) in 2:54:19 Stunden. „Ich habe jetzt schon alle Ziele erreicht, die ich mir für dieses Jahr gesetzt hatte. Das ist echt der Wahnsinn.“

Wer nun denkt, dahinter stecke ein strenger Ernährungsplan und professionelles Coaching, hat weit gefehlt. Maria Legelli hat sich alles selbst erarbeitet. Als Teenager habe sie damit angefangen. „Ich war schon immer sehr aktiv. Ich mache jeden Tag Sport, schon immer, weil ich viel Energie habe und es mir gut tut.“ Mit 16 lief Legelli bereits ihren ersten Halb-Marathon (21,0975 Kilometer). Auf dieser Distanz lag lange Zeit ihr Fokus. „Ich war immer gut dabei, wurde auch besser und besser.“ 2019 reifte der Gedanke: „Vor meinem 30. Geburtstag noch, möchte ich einen Marathon laufen.“ Gedacht, getan. „Ich habe mir dann tatsächlich zum ersten Mal einen Trainingsplan gekauft.“ Erst mit den Marathons kaufte sich Legelli auch einen Fitness Tracker. „Ich bin eigentlich ein Gefühlsläufer. Es fällt mir zudem leicht konstant zu laufen.“

Fünf Lauftage zählt ihre Woche, ansonsten schwimmt sie gerne – dann aber fünf bis sechs Kilometer – und im Winter geht es bei Möglichkeit auf die Loipe oder die Piste. „Freunde würden mich als sehr organisiert und strukturiert bezeichnen“, sagt Legelli. Erst seit dem vergangenen Jahr ist sie in einem Verein, der Laufarena Allgäu in Nesselwang und seit einigen Monaten gehört sie zum Team der „Laufsport Saukel b_faster“-Athleten.

Es war dann am 3. Oktober 2021, als die Sportlerin an ihrem ersten Marathon teilnahm. Dafür wählte sie den Loch Ness Marathon in Schottland. „Da hat es mich gepackt.“ Selbst die Vorbereitung habe sie genossen und gemerkt, dass sie auch auf der Halbmarathonstrecke deutlich besser wurde. Legelli ist darum bemüht, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Realistische Ziele stecke sie sich. Für dieses Jahr war es, die 42 Kilometer in unter drei Stunden und eine Meisterschaft mit zu laufen.

Aufgewachsen ist die junge Frau im oberbayerischen Böbing, in Weilheim besuchte sie das Gymnasium. Ihren Mann kennen und lieben gelernt hat Legelli, als sie in Hohenschwangau als studentische Aushilfe arbeitete. Er begleitet die Läuferin auch zu den Wettkämpfen. Im Leben abseits der Laufstrecke arbeitet Legelli als IT-Projektmanagerin. Damit sie auch Zeit für Freunde und die Familie hat, wird in der Früh trainiert. Bei ihrer Ernährung schränkt sie sich kaum ein. Bereits im Jugendalter begann sie auf Fleisch zu verzichten, bei Fisch macht sie eine Ausnahme. Neu auf dem Speiseplan ist ein veganes Proteinpulver und Leinsaatöl.

„Ich mag Brot und bin ein absoluter Semmel- und Brezen-Fan,“ lacht Legelli. An einem schönen Abend, gerade jetzt im Sommer, genießt sie auch gerne mal ein Glas Wein. „Nur vor einem Marathon herrscht Alkoholverbot. Ansonsten bin ich da nicht so streng.“ Ihre zierliche Statur und ihr unaufgeregtes Wesen kommen Legelli zu Gute. Zum einen, was das Laufen betrifft, zum anderen, da sie bisher nicht als Konkurrenz betrachtet wurde.

„Ich werde immer unterschätzt,“ sagt sie lachend. „Es ist aber gar gut, wenn man unter dem Radar läuft. Da kann ich das ganze entspannter angehen.“ Ohne den absoluten Willen, einen Marathon zu laufen und dabei noch so schnell, gehe gar nichts. „Wenn ich ein Ziel habe, bin ich sehr diszipliniert und zielstrebig.“ Manchmal kann Legelli selbst kaum fassen, was sie schon alles erreicht hat. Ihr nächster Marathon findet am 22. Juli in Berlin statt. Wir drücken Maria Elisa Legelli dann fest die Daumen.

Text: Selma Hegenbarth · Fotos: Patrick Korb, getpica.com

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