Essen & TrinkenLeben

Die Suppe

Heilsame und stärkende natürliche Kraft-Brühen

Dass eine gute, selbst gekochte Hühnersuppe wohltuend wirkt, speziell bei Erkältungskrankheiten, und ein Mittel zur allgemeinen Stärkung ist, kennen Sie ganz sicher, aber es gibt noch viele andere schöne Rezepte aus der „Suppen-Apotheke“, die auf diverse Beschwerdebilder einwirken können und die dem Suppen-Kaspar aus dem Struwwelpeter-Buch sicher gut getan hätten.

Der Spruch „Meine Suppe ess ich nicht“ war keine wirklich gute Idee! Übrigens: Der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann schrieb dieses Buch 1844 für seinen eigenen Sohn zu Weihnachten, um ihm aufzuzeigen, was so alles passieren kann, wenn Kinder unvernüftig sind. Es gehört zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbüchern, obwohl ich es, ehrlich gesagt, immer etwas gruselig fand. Brühe als Heilmittel ist in allen Kulturen anerkannt und stellt weltweit einen wesentlichen Bestandteil der Küchentraditionen dar. Klar, eine gute Suppe zu kochen, schätzten die Menschen bereits seit der Zeit, als sie das Feuer zur Zubereitung warmer Mahlzeiten nutzen konnten, ging es damals hauptsächlich noch um die pure Nahrungsaufnahme, aber im Laufe der Jahrtausende fiel es dann doch auf, dass diese Brühen wohl noch mehr können, als nur den Bauch satt zu machen… Kennen Sie auch die Tradition eines „Suppenbrunzers“? Das ist kein Schimpfwort, sondern ein Dialektausdruck für Glaskugeln, die geschnitzte Gegenstände wie Heilig-Geist-Tauben oder Kreuze etc. enthalten und über dem Esstisch aufgehängt werden. Bei heißen Speisen, speziell bei Suppen steigt der Dampf auf und sammelt sich an der Kugel. Dieser kondensierte Wasserdampf tropft in der Folge wieder zurück in die Suppenschüssel. Im Volksglauben hat damit der Heilige Geist in die „Suppe gebrunzt“ und sie somit gesegnet.

Jetzt mal zu einigen Rezeptvorschlägen:
Die Heilige Hildegard von Bingen gibt uns folgenden Tipp bei Knorpel- und Knochenerkrankungen, Arthrose und Bindegewebsschwäche mit Hämorrhioden oder Bandscheiben-Problemen, hier das Original-Rezept:
„Wenn jemand in seinen Gliedern und in den Gelenkbeugen der Glieder eine stechende Verseuchung hat und dabei auch noch in seinem Magen-Darm-Trakt leidet, der koche die fettigen Teile der Füße von Rindern oder Kälbern und esse von ihnen oft und reichlich. Das behebt den stechenden Schmerz in den Gelenken der Glieder und das Leiden im Magen.“ Man weiß leider nicht ganz genau, was denn nun davon zu essen ist, aber erfahrene Hildegard-Kenner gehen davon aus, dass man alles zu sich nehmen sollte, sowohl die Suppe, als auch die hieraus entstehende Sülze und das abgeschabte Fleisch der Knochen. Wahrscheinlich spielt alles zusammen und könnte fast sogar als „Hyaluron-Therapie“ des Mittelalters bezeichnet werden. Leider enthalten diese altertümlichen Rezepte keine genauen Maßangaben, wie wir es heute gewohnt sind, aber ich denke, das ist auch nicht ganz so wichtig, schwieriger ist es oft, die Füße zu bekommen, aber bei einem guten Metzger kann man die sicher bestellen. Was aber das Allerwichtigste ist: diese gute Brühe enthält viel Gelatine, da diese voller gesunder Zutaten ist. Je mehr Kollagen die Zutaten enthalten, desto gelatinöser wird die Suppe. Wo ist besonders viel Kollagen drin? In Knorpeln, Bindegeweben und Knochen. Hierzu gehören Mark-und Sandknochen, insbesondere von Rind und Kalb, aber auch in Hühnerknochen, sowie die Haut von Schwein und Huhn und Schwanzknorpeln wie der berühmte Ochsenschwanz. Besonders viel Gelatine enthält man, wenn man eben die genannten Füße oder Klauen von Tieren mitkocht, z.B. von Hühnern, Kälbern oder Schweinen. Selbst Fischknorpel sind eine durchaus gute Quelle für Gelatine. Vitamin C ist sehr wichtig zum Aufbau des Kollagens, das wäre sicher eine gute Ergänzung, außerdem werden zur Kollagenstärkung diverse Nahrungsergänzungsmittel angeboten, die z.B. Glucosamin oder Chondroitin enthalten und die den Effekt verstärken. Davon halte ich persönlich sehr viel, allerdings müssen Sie wirklich Geduld haben, denn Ihre Beschwerden sind schließlich auch nicht von heute auf morgen entstanden… Aber es lohnt sich!

Wodurch entstehen eigentlich diese unangenehmen Gelenkschmerzen im Alter, die leider uns Frauen häufiger als die Männer befallen, warum auch immer? Bei zu geringer Flüssigkeitsversorgung verlieren unsere Knorpel ihre Elastizität, was u.a. die Arthrose nach sich zieht. Ein trockener Knorpel wird dünn und rissig, kann sich entzünden, die Knochen reiben aufeinander, die Gelenke schwellen an, werden steif und schmerzen bei jeder Bewegung. Um den Knorpel gesund zu erhalten, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr die Hauptvoraussetzung. Die wertvollste Flüssigkeit ist Brühe, denn sie beinhaltet alles, was der Körper zur Herstellung des Knorpels benötigt: neben Wasser vor allem Aminosäuren und Kollagen. Eine sehr schöne Variation der Knochenbrühe ist auch eine Variante aus dem Elsass, nämlich die mit Sauerkraut für einen gesunden Darm. Sauerkraut ist wegen seiner Fermentation eines der wertvollsten Darmlebensmittel überhaupt, und wird ebenfalls in einer schützenden Fleischbrühe gegart, diesmal aber nicht unbedingt mit den Kalbsfüßen, das ist zwar auch nicht schlecht, sondern u.a. mit Markknochen oder einer schönen Beinscheibe. Ich glaube schon, dass Ihr Magen vielleicht erst mal leicht rebelliert, weil er es nicht so gewöhnt ist, da sind Blähungen erst mal vorprogrammiert, aber regelmäßig verzehrt, bringt diese Suppe jeden aus dem Gleichgewicht geratenen Bauch wieder in Ordnung. Also, deshalb langsam anfangen, um den Körper daran zu gewöhnen. Natürlich sollte Ihre Suppe nicht langweilig schmecken, deshalb geben Sie ganz nach Belieben schönes Gemüse hinzu, seien es Zwiebeln, gelbe Rüben, Sellerie, Lauch oder Petersilienwurzel – mein Favorit ist Rosenkohl! Und nicht zu vergessen: gute Gewürze wie Petersilie, Thymian, Lorbeerblätter, Pimentkörner, Wacholderbeeren, Pfeffer, Salz, ganz wie Sie möchten. Wichtig ist bei allen Suppen nur: schön langsam köcheln lassen, am besten ruhig über 4 Stunden, je nach Dicke des Fleisches oder der Knochen.

Waren Sie jetzt auch mal längere Zeit krank, wie es vielen von uns ging, nicht unbedingt mal mit Corona? Auch andere Beschwerden wie Bronchitis, Nebenhöhlenentzündungen o.Ä. haben diesmal wirklich eine lange „Laufzeit“, so wie ich das persönlich empfinde und mir auch etliche meiner Kunden bestätigt haben.
Hier könnte ich die „Fünf- Elemente-Suppe“ aus der chinesischen Ernährungslehre empfehlen, die der Stärkung bei Erschöpfung, Schwäche und nach Krankheiten aller Art dient und Sie wieder fit macht. Sie stimmt verschiedene Körpersysteme mit der Zusammensetzung der Ernährung ab. Das Ziel ist es, Yin und Yang, die 2 Gegenpole im asiatische Glauben, ideal auszugleichen und die geistige und körperliche Harmonie wiederherzustellen. Diesmal gibt es eine ganz konkrete Rezeptur, die wie folgt lautet: 1 Hähnchen, küchenfertig vorbereitet, 2 Zwiebeln, 2 Bund Suppengemüse (Gelbe Rüben, Lauch, Petersilienwurzeln, Sellerie und Petersilie als Kraut), Curcumapulver, 2 dünne Scheiben Ingwer, dazu etwa 3L Wasser. Und, nach Belieben, Soja-Sauce, vielleicht am Anfang nicht zu viel, da sie ja doch relativ salzig ist. Lieber später noch einmal nachwürzen. Und: gut köcheln lassen, Minimum 3 Stunden!
Diese Menge reicht übrigens für etwa 6-8 Portionen.

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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