Menschen

Integrationskurs der VHS Füssen bringt viele Kulturen zusammen

Sie alle haben das gemeinsame Ziel: sie wollen „deutsch werden“

Egal aus welchen entfernten Teilen der Welt die Menschen auch kommen, sie alle treffen sich regelmäßig, weil sie ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Sie wollen integriert werden. Denn kommt man in ein fremdes Land, ist vieles anders, als man es von zuhause gewohnt ist. Andere Regeln, nie dagewesene Eindrücke, neue Mentalitäten und Gesellschaftsformen oder Bräuche und Gepflogenheiten. In all das müssen sich Menschen tief einarbeiten, wenn sie sich entschlossen haben, ihr Leben längere Zeit oder auch für immer in Deutschland zu verbringen. Dabei helfen die sogenannten Integrationskurse, die auch in der Füssener Volkshochschule angeboten werden. Jeweils donnerstags herrscht internationale und multikulturelle Atmosphäre in den Klassen, wenn die Schüler aus Italien, Syrien, Irland, dem Iran, Brasilien, Pakistan oder Afghanistan zusammenkommen, um mehr über das Leben und die Menschen in Deutschland zu erfahren. Ein bunt gewürfelter Haufen von Persönlichkeiten aus aller Welt, die alle etwas gemeinsam haben, sie alle wollen „deutsch“ werden.

Ziel der Integrationskurse ist, Ausländern die Sprache, Rechtsordnung, Kultur und vor allem auch die Geschichte in Deutschland erfolgreich zu vermitteln. Sie sollen dadurch mit den Lebensverhältnissen im Bundesgebiet so weit vertraut werden, dass sie ohne die Hilfe oder Vermittlung Dritter in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens selbstständig handeln können. Dabei wird der Integrationskurs in zwei Teilen durchgeführt, einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs, allein der Sprachkurs umfasst in der Regel 600 Unterrichtsstunden. Denn schließlich sind ausreichende Sprachkenntnisse der Schlüssel, um die Integration von Migranten im Sinne von gesellschaftlicher Chancengleichheit zu gewährleisten.

Ludmila Rüger unterrichtet bereits seit über 30 Jahren in der Füssener Volkshochschule, seit einem Jahr gibt sie dort Integrationskurse. Da sie selbst vor langer Zeit aus Russland nach Deutschland kam und somit ebenfalls einen Migrationshintergrund hat, kann sie den Schülerinnen und Schülern wesentlich mehr Verständnis entgegen bringen. „Ich kann sehr gut nachvollziehen, was die Menschen denken und wie schwer es für sie ist, deutsch zu lernen. Die Schüler sind sehr dankbar für alles, was wir für sie tun, das erlebe ich fast jeden Tag. Wenn sie dann einmal soweit sind, dass sie sprechen und sich verständigen können, dann ist das ein richtiges Glücksgefühl für mich.“

Schüler lernen vor allem voneinander
Das Ehepaar Maan und Ebdesam Almansur aus Syrien ist mit seinen sechs Kindern vor einigen Monaten nach Füssen gekommen. Im Integrationskurs konnten die Beiden ihre Sprachkenntnisse bereits sehr stark verbessern. „Das Leben hier in Deutschland ist sehr schön und die Menschen sind sehr nett. Wir verstehen auch schon fast alles, wir wollen es aber perfekt können. Der Kurs hilft uns dabei sehr.“ Das bestätigt auch Khaled aus Afghanistan, der nun bereits seit neun Monaten deutsch lernt. „Ich lerne lesen, schreiben und hören und die deutsche Kultur“, lacht er. „Ich bin glücklich, dass ich hier leben darf. Ich würde hier gerne als Fassadenverkleider und Schweißer arbeiten. Ich warte schon darauf, dass ich eine Genehmigung bekomme. Im Kurs lerne ich nicht nur vom Lehrer, wir lernen und helfen uns auch gegenseitig.“

„Die Sprache ist wichtig für das Leben hier“, weiß auch Carla, die ihre Heimat in Fortaleza im Nordosten Brasiliens erst vor Kurzem verlassen hat, um ihrem neuangetrauten Ehemann ins Allgäu zu folgen. „Wir müssen verstehen, dass wir jetzt hier sind und dass wir lernen müssen, weil wir arbeiten und sprechen wollen.“ „Wir lernen von allen anderen Kulturen hier“, sagt Mohammed aus Syrien, „das sind sehr gute und wichtige Erfahrungen, die wir machen.“ „Ja, und die arabische Kultur ist etwas ganz anderes für mich“, fügt Carla hinzu. „Früher hatte ich sogar Angst, aber jetzt nicht mehr, das sind alles sehr nette Menschen.“ „Es war auch für mich das erste Mal, dass ich jemanden aus Südamerika getroffen habe“, bestätigt Mohammed, „ich wusste nur, dass Brasilien gut Fussball spielen kann.“

„Wir müssen verstehen, dass wir jetzt hier sind und dass wir lernen müssen, weil wir arbeiten und sprechen wollen.“

Aller Anfang war allerdings auch nicht ganz einfach. Zu Beginn der Integrationskurse an der Füssener Volkshochschule lag die Verständigungsbarriere dementsprechend hoch. Denn alle Schüler, egal woher sie gekommen waren, hatten mit den gleichen sprachlichen Vorkenntnissen zu kämpfen. „Die meisten sprechen ein wenig englisch“, erklärt Lehrerin Eve Maria Förschl. „Das hat für den Anfang gereicht, wir kämpfen uns dann Schritt für Schritt weiter. Dabei haben uns auch Handys sehr geholfen, um einzelne Wörter übersetzen zu können, die brauchen wir jetzt schon gar nicht mehr.“

Mit gut 25 Schülern wurde der erste Kurs im letzten Herbst gestartet, insgesamt werden derzeit rund 100 Schülerinnen und Schüler an der VHS unterrichtet. „Anfangs gab es auch ein paar Konflikte“, so VHS Leiterin Petra Schwartz, „als Syrer und Eriträer aufeinander getroffen sind. Ich finde es aber toll, dass wir als Deutsche zwischen diesen Kulturen vermitteln und den Menschen ganz neue Ansichten aufzeigen können. Ohne unsere Hilfe würden sie sich im richtigen Leben aus dem Weg gehen. Mittlerweile sitzen Syrer und Eriträer gemeinsam auf einer Bank in der Sonne und unterhalten sich auf Deutsch über das Leben und die Zukunft. Das ist ein Stück weit auch eine Friedensarbeit, die wir hier machen.“ Hier passiert also viel mehr, als nur die Integration.

Text · Bild: Lars Peter Schwarz

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1 Kommentar

  1. Es freut mich, so einen positiven Bericht zu lesen. Von dem was Sie schreiben, versteht man wie wichtig Integrationskurse sind. Nicht nur um die deutsche Sprache und Kultur zu lernen, sondern auch als Treffpunkt für Leute aus verschiedenen Länder, die sonst nie die Möglichkeit gehabt hätten, in Kontakt miteinander zu kommen. Das ist ein tolles Beispiel dafür.

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