Essen & TrinkenLeben

Steinzeiternährung oder Ketogene Diät

Nur eine neue Trend-Diät?

„Du bist, was Du isst“ – sagte bereits der mittelalterliche Arzt Paracelsus. Die Bedeutung der Ernährung für Gesundheit und Wohlbefinden war schon immer bekannt und findet auch in unseren Tagen zunehmend Beachtung. Ayurvedische Schriften, Hildegard von Bingen, Paracelsus oder die Weltgesundheitsorganisation WHO wissen um den Einfluss der Ernährung, auch wenn ihre Ansätze sehr unterschiedlich sind.

Angesichts des rasanten Anstiegs chronischer Erkrankungen und Allergien geraten unsere Essgewohnheiten in Verdacht. Es ist naheliegend, dass die Zunahme der Allergiker in Deutschland von ca. 300.000 in den 50er Jahren auf über 30 Millionen damit in Zusammenhang steht. Derzeit erfährt eine neue-alte Ernährungsempfehlung immer mehr Aufmerksamkeit, die Steinzeiternährung oder Ketogene Diät. Ein Speiseplan, wie es ihn bei den Neandertalern gegeben haben mag, kombiniert mit der entsprechenden Lebensweise. Rhythmisch, mit  Zeiten  großer Kraftanstrengung  und viel Bewegung bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln, mit Hungerphasen ebenso wie tiefer Ruhe gerade in den Wintermonaten. Anhänger dieser Lebensweise berichten über erstaunliche Effekte bei chronischen Erkrankungen, beim klassischen Abnehmen, bei Alzheimer-Demenz, Diabetes, Allergien und einigem mehr.

Zu essen gab es bei unseren noch nicht sesshaft gewordenen Vorfahren vor allem Fleisch, also Proteine und Fette und wenig Kohlehydrate. Vielmehr Bitterstoffe  und so gut wie keinen Zucker in irgendeiner Form. Ganz im Gegensatz zu unserem heutigen Essverhalten, wo ein Bundesbürger im Schnitt ca. 35 kg Zucker pro Jahr zu sich nimmt. Noch am Anfang des 19.Jahrhunderts waren dies nur ca. 2 kg pro Person und Jahr. Ein deutlicher Unterschied. Die schädigenden Auswirkungen des hohen Anteils an Zucker in unserem Essen sind erschreckend. Immer mehr gerade auch junge Menschen leiden an Allergien, chronischen Erkrankungen, Übergewicht mit all seinen Folgen und leider auch zunehmend an neurologischen Erkrankungen. Lebensmittelzusätze, Umweltgifte, emotionaler Stress und vielen Warnungen gegen Mobilfunkbelastung und Bewegungsmangel machen uns krank.

Einiges könnten wir einfach ändern. Zum Beispiel unsere Ernährung und unser Bewegungsverhalten. Bei zahlreichen Untersuchungen wird klar, dass es entscheidend ist, was wir essen. Die Qualität der Nahrung genauso wie die Verteilung der drei Nährstoffanteile Proteine, Fette und Kohlehydrate. Für ein gesundes Leben sind möglichst natürliche Produkte, frei von Pestiziden und höchst verdächtigen Substanzen wie Glyphosphat, eine Grundvoraussetzung.

Bei den Empfehlungen für die Anteile an den drei Nährstoffgruppen stellen die Befürworter einer Ketogenen Diät alles bisher Gehörte und Gelesene auf den Kopf. Von entscheidender Bedeutung sind demnach die Eiweiße, die Proteine, die Stoffe, die nach dem Griechischen „Proteus“ nicht ohne Grund „am Anfang stehen.“ Sie sind wichtige Bausteine in unserem Körper und nicht alle von ihnen, acht sogenannte Aminosäuren,  kann unser Körper selbst herstellen. Also müssen sie mit der Nahrung zugeführt werden. Dies ist vor allem bei der immer beliebter werdenden vegetarischen oder auch veganen Lebensweise ohne tierisches Eiweiß von Bedeutung.

Dann zum nächsten Anteil, den umstrittenen Fetten. Die Ketogene Diät empfiehlt vor allem den Verzehr von leicht verdaulichen mittelkettigen Fettsäuren wie sie in Butter, Schmalz, fettem Fleisch und Fisch, Ghee, Kokosöl und Avokado enthalten sind. Auf gar keinen Fall Margarine, Distelöle oder überhaupt Öle mit einem so oft empfohlenen hohen Anteil an sogenannten ungesättigten Omega-3-Fettsäuren. Aha. Was dazu wohl mein Kardiologe sagen wird, mag sich der ein oder andere jetzt fragen.  Ja, das ist entscheidend. In jedem Fall sollte eine ketogene Kur nur in Begleitung eines Therapeuten erfolgen.

Beim dritten Anteil unseres Essens sind sich aber alle erstaunlich einig. Unser Zuckerkonsum ist viel zu hoch. Zu den Zuckern zählen alle Kohlenhydrate, dabei vor allem die schnell verfügbaren, kurzkettigen Kohlehydrate wie in Weißbrot, und alle Milch- und Fruchtzucker. Zucker ist unglaublich billig und versteckt fast überall mit dabei, in einer Currywurst sind es zum Beispiel 30 Gramm. Zucker, vor allem verzehrt in der Kombination mit Fetten und Bewegungsmangel, führt zu Übergewicht mit all seinen Begleit- und Folgeerscheinungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes usw. Er birgt ein erhöhtes Risiko für chronische Entzündungen und Autoimmunprobleme,  Allergien und Gelenkskrankheiten. Viel diskutiert ist Zucker im Zusammenhang mit Krebserkrankungen, ebenso wie mit den auffallend ansteigenden neurologischen Erkrankungen, allen voran die Demenzen. Zudem ernähren sich die häufig in unserem Darm lebenden Pilze von Zucker und bringen uns dazu, ein fast unwiderstehliches Verlangen zu entwickeln. Pilze helfen unserem Körper zu entgiften, was er alleine nicht schafft. Sinnvoll ist allerdings, dass ein gesunder Stoffwechsel seine Schlacken ohne schädliche Pilze ausscheiden kann. „Der Tod sitzt im Darm.“ Auch dies ist altbekannt.  Er ist an allen unseren chronischen- und Wohlstandserkrankungen beteiligt. Ihm sollten wir größte Beachtung schenken, gerade im Zusammenhang mit Allergien, chronischen Entzündungen und den neurologischen Erkrankungen. Häufig empfiehlt es sich zusätzlich, die Leberfunktion und den Gallefluss anzuregen.

Am allerwichtigsten jedoch ist genug zu trinken. Für jeden. Und zwar mindestens zwei Liter möglichst reines, energiereiches Wasser. Auf Ihre Gesundheit! „Du bist, was Du isst.“

Text: Ärztin Judith Schwarzenbach

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