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Füssens neue Kulturamtsleiterin

Qualität steht im Vordergrund

Ab 1. Juli ist sie die Chefin des Kulturamtes. Karina Hager, 49 Jahre und Füssenerin. Dass sie in Marktoberdorf geboren ist, sagt sie nur beiläufig. Ist ja auch unwichtig. Es gibt die wichtigeren Dinge, wie zum Beispiel das Festival vielsaitig und die Kaisersaalkonzerte. Sie kennt ihr Kulturamt so gut wie kaum jemand anders. Ihre Lehre zur Verwaltungsfachangestellten wollte sie nur in Füssen machen und danach die große Welt sehen, zumindest in eine große Stadt ziehen. Und dann kam alles Anderes. Eine ‚Kollegin wurde krank und sie übernahm im dritten Lehrjahr die Vertretung. Es war das Kulturamt. Jetzt ist sie seit 26 Jahren dabei und bereut hat sie es noch keine einzige Minute.

„Es war eine Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe, und es war nie langweilig, die Arbeit war ständig im Wandel. Es gab laufend neue Herausforderungen und es ging los mit der völlig neuen Aufstellung vom Museum. Ein Meilenstein war die Jubiläumsfeier von der Stadt Füssen“, blickt sie zurück. So kam eines nach dem anderen, auch die Idee für das Festival vielsaitig. Mit dieser Veranstaltung wollte man die Bedeutung Füssens als Geigen- und Lautenmacherstadt den Besuchern noch intensiver vermitteln. 2003 begann das Festival  kammermusikalisch, heute wird es mit Musik aus anderen Sparten erweitert. Für Karina Hager ist eines ganz wichtig: Kulturarbeit darf nie in einem Stillstand verharren, sie muss sich immer weiter entwickeln und sich nicht an Modetrends anpassen. Und dennoch bedeutet für sie die Auswahl der Künstler immer eine Gratwanderung, Stars einzuladen, ohne in die kommerzielle Schiene zu fallen. „Qualität steht im Vordergrund, und nicht Abklatsch oder noch mal etwas zu reproduzieren, was in allen Medien läuft“, bringt sie es auf den Punkt. Schließlich müsse man sich immer wieder die Frage stellen, was die Stadt Füssen nach außen kommunizieren will, erklärt die 49-Jährige. „Und da gibt es nur eine Antwort. Unsere Stadt will sich auf einer qualitätvollen Ebene zeigen. Da zählt nicht der eigene Musikgeschmack, sondern das Gesamtprogramm.“

Als knallharte Verhandlungspartnerin gegenüber den Künstlern sieht sich Karina Hager nicht. „Es kommt darauf an, was der Künstler oder die Künstlerin verlangt und selbstverständlich muss es zur Relation stehen. Ich kenne aber auch die künstlerische Seite und da ist es mir ganz wichtig zu sagen, dass man wenn man die Kultur ständig mit Dumpingpreisen einzukaufen versucht, damit auch die Kulturarbeit zerstört wird und das zieht sich durch alle Kunstsparten.“ Für die Füssenerin ist ein Leben ohne Musik unvorstellbar und dennoch gibt es Tage, wo die Stille überwiegt. Keine Musik, keine Telefonate, nichts reden und nur einfach die Stille genießen. Die meisten Menschen, die mit Künstlern zusammenarbeiten, sind intuitiv, gefühlsbetont und trotzdem konsequent. So wie Karina Hager. Solche Menschen wie sie nennt man Förderer und Finanzjongleur, Zuhörer und Anweiser, Freund und Geschäftspartner. „Und trotzdem gibt es manchmal Situationen, in denen man mich überzeigen muss und die ich so nicht erwartet habe. Dann bin ich angenehm überrascht.“

Und wie ist Karina Hager privat? „Ich mag mediterranes Essen, Italien, ich lese sehr gerne Biografien, ich mag ruhige Filme aber auch James Bond und ich sehe mich als Europäerin. Natürlich stellt sich die Frage, wie definiert sich Europa und wie definiert sich ein Europäer? Aber den Grundgedanken eines vereinten Europas finde ich wichtig und da stehe ich auch hinter. Ich finde es wichtig, dass man neben Englisch noch eine andere europäische Sprache lernen sollte, um Verständnis zu bekommen für die Kultur und Entwicklung anderer. Durch das Erlernen einer Fremdsprache lernt man viel über die Kultur eines Landes.“ Da passt auch das Thema des diesjährigen vielsaitig Festivals wunderbar zum europäischen Gedanken. Zwischenräume heißt es 2016. Es ist ein weiter Begriff, der vielseitig interpretiert werden kann. Es ist die Vermittlung von einem Menschen zum Anderen, des Brückenbauens und Lücken füllens. Für Karina Hager ist Hille Perl mit ihrem Ensemble das persönliche Highlight an diesem Festival. „Es ist ein Brückenschlag von der alten Musik zu neuen, das auf eine sensible Art umgesetzt wird.“

Text · Bild:  Sabina Riegger

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