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Integra Mensch hilft Menschen wieder Fuß zu fassen

Projekt der Wertachtal-Werkstätten bringt viele Erfolge mit sich

Die Natur gibt einem Menschen die Fähigkeiten, und das Glück bringt sie zur Wirkung – sagte einst der französische Schriftsteller François VI. Duc de La Rochefoucauld. Nur manchmal muss man diesem Glück auch etwas auf die Sprünge helfen, genau das versucht die Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren-Marktoberdorf mit ihrem Projekt „Integra Mensch“. Denn man sieht es den Menschen nicht immer gleich an, dass sie tiefere Probleme haben, die es ihnen nicht immer ermöglichen, einen für uns normalen Arbeitstag zu absolvieren. In den Füssener Wertachtal-Werkstätten werden diese Menschen genau nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten eingesetzt und können so einem normalen Alltag nachgehen.

Die Einrichtung finanziert sich dabei völlig selbstständig, erklärt Leiterin Dagmar Rothemund gegenüber Füssen aktuell. „Für unsere Kunden und Abnehmer leisten wir die unterschiedlichsten Dienste. So kümmern sich die Mitarbeiter beispielsweise um das Kuvertieren von Briefen. Wir arbeiten aber auch für den Schraubenhersteller Wirth, der wöchentlich zwei Sattelschlepper an Schrauben an uns liefert, die wir dann abwiegen und verpacken. Natürlich werden die Mitarbeiter für diese Tätigkeiten auch bezahlt, die Löhne liegen dabei zwischen 75 und 400 Euro im Monat. Diese Lohnkosten müssen wir durch unsere Produkte erwirtschaften, dabei bekommen wir keinerlei Unterstützungen, wir tragen uns also selbst.“ Hier leisten die Kunden Hilfe zur Selbsthilfe und sparen dabei etwa 50 Prozent an Kosten ein.

Derzeit sind die Werkstätten mit etwa 30 Mitarbeitern leicht überbelegt, davon stehen elf in der beruflichen Bildung, die anderen im Arbeitsbereich. Dagmar Rothemund versucht dennoch, jeden Menschen mit einem Bedarf aufzunehmen, schließlich habe jeder auch ein Grundrecht auf Arbeit. In erster Linie geht es aber darum, ein geregeltes Leben führen zu können, soziale Kontakte zu knüpfen und dauerhafte Freundschaften einzugehen. Der Verdienst ist sozusagen nur Nebensache. Die Akzeptanz von „Integra Mensch“ in der Region ist insgesamt gut, könnte aber auch besser sein, bestätigt Dagmar Rothemund. Viele würden einen Arbeitsplatz sehr gerne auch einem behinderten Menschen zur Verfügung stellen, es fehle oft einfach nur an den Möglichkeiten. „In einigen Betrieben haben wir sogenannte Paten, die sich direkt vor Ort um die Integration kümmern, das kostet natürlich Zeit und Kapazitäten, die nicht jedem Arbeitgeber zur Verfügung stehen. Wir versuchen auch, bestimmte Fähigkeiten einiger Mitarbeiter bei den passenden Arbeitgebern anzubieten.“ Bis dahin ist es aber oft ein längerer Weg. Glückt diese Form der Eingliederung und schafft der Beschäftigte das Pensum der Arbeitsstunden, so steht einem Arbeitsvertrag zwischen dem Arbeitgeber und den Wertachtal-Werkstätten, die als Betreuer des Beschäftigten auftreten, nichts im Wege. Hier tritt der Mindestlohn ausser Kraft. Allerdings nur solange, bis sich der Beschäftigte tatsächlich eingearbeitet hat. „Wird der Angestellte vom jeweiligen Betrieb übernommen, ist er wieder vollständig im Arbeitsmarkt integriert“, erklärt Rothemund. So konnten in den letzten Jahren schon einige Menschen in die unterschiedlichsten Bereiche vermittelt werden, von der Gastronomie über das Handwerk bis hin zu Büro- oder sonstigen Tätigkeiten.

Unterstützung kommt aus allen Richtungen
So wie in dem Fall eines Mannes im mittleren Alter, der vor vielen Jahren vor seiner psychischen Erkrankung für die Bundeswehr gearbeitet hatte. Um ihn wieder in den beruflichen Alltag zurückzuführen, konnte ihm im vergangenen Jahr eine Stelle in der Füssener Kaserne vermittelt werden. Dort kümmerte sich der Mann um Garten- und Hausmeistertätigkeiten. Die geleistete Arbeit stieß bei allen Beteiligten auf sehr gute Resonanz, musste dann allerdings aufgrund einer dienstlichen Vorschrift wieder beendet werden. Durch die Mithilfe des Bundestagsabgeordneten Stefan Stracke sowie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen konnte für ihn nun eine Dauerstelle eingerichtet werden.
Die Möglichkeiten, die den Wertachtal-Werkstätten zur Verfügung stehen, sollen nun bald vergrößert werden, freut sich Dagmar Rothemund schon. „Das Gelände bietet noch viel Platz, wir planen nun einen Anbau, der weitere Werkstatt- oder Arbeitsflächen bieten wird, dazu eine enorme Vergrößerung der Lagerflächen. Insgesamt stehen uns dann rund 1.500 Quadratmeter zur Verfügung.“

Text: Lars Schwarz· Bild: Sabina Riegger

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