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Thomas Klaus bietet Tierbestattungen an


Wenn das Tier stirbt …

Füssen.    Sie sind einfühlsam, klug und treue Wegbegleiter. Sie helfen uns unser Gleichgewicht zu halten oder auch wiederzuerhalten. Sie berühren unsere Seele auf ihre ganz eigene Art. Für viele Menschen ist das Haustier der Partner, das gewünschte Kind – einfach ein Familienmitglied. Umso schlimmer ist es dann, wenn man das geliebte Haustier verliert. Im Haus ist es dann plötzlich still. Kein Bellen, kein Miauzen, kein Zwitschern. Thomas Klaus, der seit kurzem auch Tierbestattungen in Füssen anbietet, kennt diese Trauer, der er immer wieder während seiner Arbeit begegnet. „Viele haben anfangs ein großes Problem, weil dann im weitesten Sinne der Ansprechpartner plötzlich nicht mehr da ist. Natürlich kann ein Tier nicht sprechen, aber es fühlt mit, spürt Freude und Trauer. Es ist in den seltensten Fällen ‚nur‘ ein Tier“, erzählt der Bestatter.

Deswegen ist es ganz und gar nicht ungewöhnlich, dass die Betroffenen sich dann auch die Frage stellen, wohin mit dem toten Tier? Eine Tierbeseitigungsanlage kommt für die meisten Tierbesitzer nicht in Frage. Denn dort werden die verendeten Tiere unter Druck (drei bar) und bei einer Temperatur von 133 Grad Celsius verarbeitet. Die daraus gewonnene Substanz dient zur Herstellung von Ölen, Schmierstoffen und Kosmetika. Für viele Tierfreunde eine grausame Vorstellung. Sie wollen einen würdevollen Abschied von ihrem geliebten Haustier haben. Sich von seinem Kameraden ehrfurchtsvoll zu verabschieden ist also keineswegs zu belächeln. Immerhin gab es schon vor 12.000 Jahren Tierbestattungen. In Ägypten wurden zum Beispiel die heilig geltenden Tiere nach ihrem Tod aufwendig einbalsamiert und rituell bestattet.
Noch gibt es in Füssen keinen Tierfriedhof – aber einen Tierbestatter, der die Tiere abholt und ins Tierkrematorium bringt. Füssen aktuell sprach mit Tierbestatter Thomas Klaus und Bettina Ziege.

Sie sind selbst Tierbesitzer?
Thomas Klaus: Ja, wir haben fünf Pferde, einen Hund und sieben Katzen.

Was bedeuten für Sie Tiere?
Bettina Ziege: Für mich sind Tiere treue und ehrliche Lebensgefährten. Kein Mensch ist so treu wie ein Tier.
Thomas Klaus: Ein Tier liebt den Menschen, es schaut nicht nach dem Äußeren. Ein Tier kann sich nicht verstellen, es zeigt sein wahres Gesicht und ein Tier kann auch nicht enttäuschen.

Das Bestattungsinstitut Klaus gibt es nun seit 35 Jahren mit Hauptstelle in Füssen und mittlerweile mit Außenstelle in Reutte (Tirol). Was hat sie dazu bewogen, nun auch Tierbestattungen anzubieten?
T. K.: Eigentlich der Gedanke, dass eines unserer Tiere womöglich auch in einer Tierkörperbeseitigungsanlage verarbeitet werden muss. Schon alleine diese Vorstellung ist meines Erachtens nach schlimm. In meinem Beruf ist vor allem der würdevolle Umgang mit Mensch und Tier einfach sehr wichtig.

Wie läuft eine Tierbestattung ab, ist sie anders als beim Menschen?

T. K.: Wir holen das verstorbene Tier in der Wohnung oder beim Tierarzt ab und überführen es ins Tierkrematorium. Danach wird es von uns persönlich in der Urne rückgeführt. Einmal in der Woche fahren wir ins Tierkrematorium. In der Zwischenzeit werden die Tiere bei uns in der Kühlung aufbewahrt.
B. Z.: Natürlich darf die Situation nicht vermenschlicht werden. Und dennoch ist es sehr wichtig, auch hier den nötigen Respekt zu haben und Würde zu zeigen. Eine Dame bedankte sich bei uns und meinte „Es ist so rührend. Danke, dass Sie nicht in Jeans gekommen sind“.
T. K.: Für uns ist es selbstverständlich, dass wir im Anzug kommen. Man darf nicht vergessen, es ist für diejenigen Personen ein Trauerfall – und das respektieren wir.

Kann man bei der Einäscherung dabei sein?
B. Z.: Ja, es gibt eine Möglichkeit dabei zu sein und sich dort zu verabschieden.

Was passiert dann mit der Asche des verstorbenen Tieres?
B. Z.: Die Asche kann man in einer Urne mit nach Hause nehmen, vorausgesetzt, das Tier ist einzeln eingeäschert worden. Bei einer Sammeleinäscherung werden die Tiere zusammen kremiert und dann später in einem Gemeinschaftsgrab des Tierkrematoriums beigesetzt.

Gibt es Tiere, die nicht feuerbestattet werden können oder dürfen?
T. K.: Jedes Tier, das eine Beziehung zu einem Menschen hatte, kann kremiert werden.

Wenn man einen Garten hat, ist es dann möglich das Tier dort zu begraben?
B. Z.: Grundsätzlich gilt, dass Tiere nur mit einer Genehmigung der zuständigen Behörde im Garten begraben werden dürfen. Das geht aus einer EU-Verordnung hervor, die ursprünglich für die Eindämmung von BSE und zur Seuchenvermeidung in Kraft gesetzt wurde. Sie besagt, dass der Besitzer einen formlosen Antrag auf Hausbestattung beim zuständigen Veterinäramt stellen muss. Außerdem darf der Garten nicht in einem Wasserschutzgebiet liegen, und zu öffentlichen Wegen und Plätzen muss ein Abstand von ein bis zwei Metern eingehalten werden. Das tote Tier sollte in ein leicht verrottendes Material – zum Beispiel eine Wolldecke – gewickelt und mit einer Erdschicht von 50 Zentimetern bedeckt werden. Aber am besten ist es, sich selber bei der Gemeinde zu erkundigen.

Noch bieten Sie „nur“ Einäscherung an. Wann wird es einen Tierfriedhof in Füssen geben?
T. K.: Ich hoffe, dass es Mitte 2012 soweit sein wird.
Wovon hängt das ab?
T. K.: Man muss noch die Bodenbeschaffenheit prüfen und auch Stellungnahmen von anderen Ämtern einholen. Das ist sehr wichtig. Es soll eine langfristige Sache werden. Wir sind dankbar für eine gute Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden und uns.

Vielen Dank für das Gespräch.
T. K.: Wir danken für das Interesse.

 

Interview · Bild: Sabina Riegger

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1 Kommentar

  1. Bei meinem Hund wurde Krebs festgestellt, daher muss ich mich auf die baldige Bestattung vorbereiten. Gut zu wissen, dass der Hund kremiert werden kann. Ich werde mich weiter danach erkundigen, vielen Dank für die Information.

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