Menschen

„Noch als Physikstudent konnte ich kein Blut sehen“

Dr. Heiko Hübner, Oberarzt der Zentralen Anästhesieabteilung der Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu

Füssen.    Dr. Heiko Hübner ist Anästhesist. Er ist in Mainz, Reinland-Pfalz, geboren und wurde nach einigen beruflichen Stationen von Dr. Joachim Klasen nach Kaufbeuren gelotst. Das war 2006. Als neuer Oberarzt wird sein Tätigkeitsschwerpunkt künftig im Füssener OP liegen. Der Facharzt für Anästhesie lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Osterzell. Obwohl sein Vater Anästhesist sei, „hatte ich zunächst völlig andere Berufspläne als Abiturient in Bad Nauheim“, erzählt Dr. Heiko Hübner. Er kam erst in die medizinische Schiene als sich im Wunschfach Physik spätestens im dritten Semester herauskristallisierte: mit diesem Studiengang würde er „keinesfalls“ glücklich werden. Die Konsequenz war sein Studienfachwechsel an der Universität in Mainz.

Über den Tag, als er seine überraschende Zulassung zum Medizinstudium in Mainz bekam, kann sich Dr. Heiko Hübner auch noch heute so freuen wie 1993: „Es war einfach unglaublich. Normalerweise hätte ich nach meinem Physik-Studienabbruch und dem Abschneiden im obligatorischen Medizinertest sieben Semester Wartezeit auf diesen zweiten Studienstart und einen Studienplatz – egal an welcher Universität – in Kauf nehmen müssen. Doch alles ist glücklicherweise anders gekommen.“ Das offizielle Losverfahren bescherte ihm den „gewünschten Platz und den sogar in Mainz. Davon konnte ich überhaupt nicht ausgehen und dachte schon darüber nach, ob ich die dreieinhalb Jahre Wartezeit bis zum Studienstart mit einer Krankenpflege-Ausbildung überbrücken sollte.“

Vertieft in die „Chronik  der Technik“

Wenn er sich noch weitere Jahre und ganz konkret an seine Schülerzeit erinnert, muss er schmunzeln: „Arzt werden, das kam für mich überhaupt nicht in Frage.“ Warum? Die einleuchtende Antwort: „Ich konnte kein Blut sehen.“ Dafür war er neugierig, was  die Naturwissenschaften zu bieten hatten. „Ich las jugendgerechte Sachbücher, es war mir ein Bedürfnis Bücher über Physik, Astronomie und Chemie zu verschlingen.“ Selbst bei „Jugend forscht“ war er dabei. Dann erläutert er: Er sei allerdings immer ein Schüler gewesen, der seinen Aufwand beim Lernen „bewusst danach ausrichtet, dass ein kleineres Pensum den maximalen Ertrag bringt“.  In allen Schuljahren kam er gut durch. Er hatte auch noch Zeit für den Kampfsport als Kickboxer oder Handball. „Ich spielte  im Dorfverein. Wir lebten in Ober-Mörlen auf dem Land.“ Als er sich Verletzungen zugezogen hatte, gab er seine sportlichen Aktivitäten auch schnell wieder auf. Die Welt verstehen wollte er durch Erfahrungen bei seinen vielen Reisen. Die Familiengründung mit inzwischen sieben- und fünfjährigem Nachwuchs hat bei den Hübners auch das Freizeitverhalten verändert. Jetzt ist man in der Wahlheimat mit Kinderwagen oder Radl unterwegs.

„Mit meiner Frau hatte ich im Tannheimer Tal 2003 einen schönen Urlaub, den wir zwei Jahre später wiederholt haben. Dabei haben wir auch Füssen kennen gelernt. Als das Stellenangebot der Kreiskliniken kam, waren wir ohne Diskussion zum Umziehen bereit. Wir würden genau in der Region leben und arbeiten können, in die wir so gern gereist sind.“ Bleibt noch die Frage offen, wie jemand, der erzählt, dass er kein Blut sehen kann, einen Arztberuf ausüben kann. „Während  meines Studiums hatte ich viele Jobs. So arbeitete ich auch in der Haustechnik in einer Klinik.“ Irgendwann sei er hier der Einladung eines Arztes zum Zuschauen bei einer Operation gefolgt. „Das, was sich hier abspielt, ist ja gar nicht so wirklich hochdramatisch, wie ich früher dachte“, so sein Eindruck bei diesem beobachteten ärztlichen Eingriff.

„Gleich lasse ich Sie ein bisschen schlafen. Wenn Sie einverstanden sind?“

Der erfahrene Anästhesist hat noch nie im OP erlebt, dass ein Mensch gestorben ist. „Die Entwicklung in der Medizin hat sehr gute Fortschritte gemacht“, betont er und lässt dabei durchblicken, dass ihn Technik auch heute noch überaus stark interessiert.

 

Text: Werner Hacker, Bild: privat

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