Menschen

Der König kommt wieder

Im Gespräch mit Gerd Fischer

Kempten.    Er war der Märchenkönig, seinerzeit ein großer Visionär, dessen Leben oft kompliziert war. Viele haben über ihn, den bayerischen Märchenkönig König Ludwig II., geschrieben, sein Leben vertont und letztendlich spielerisch dargestellt. Auch in Füssen wurde ihm ein Denkmal gesetzt, und zwar mit einem Musical, pardon, mit zwei Musicals, die leider eingestellt werden mussten. Die Betreiber meldeten Insolvenz an. Ludwig ist keine leichte Kost, erst recht nicht, wenn man damit Geld verdienen möchte. Gerd Fischer, Produzent des zweiten Musicals will es nun abermals versuchen. Nach vier Jahren können die Besucher auf die „Kemptener Fassung“ gespannt sein. Viele alte Gesichter sind auch im neuen Musical zu sehen, unter anderem Nils Holger Bock. Die Musik ist von Konstantin Wecker, Christopher Franke und Nic Raine. Füssen aktuell sprach mit Gerd Fischer über die Füssener, die Markenrechte und natürlich auch darüber, warum das Stück in Kempten und nicht in Füssen aufgeführt wird.

Herr Fischer, wann startet das Musical in Kempten? Am 7. Juli.

Haben Sie die Befürchtung, das Musical könnte nicht gut ankommen weil das Ambiente nicht das ist, was es im Festspielhaus Füssen ist?
Nein, die Befürchtung habe ich nicht. Weil ich in meinem Leben in so vielen Theatern war, die nicht schön aber sehr gut waren. Und sie hatten Magie. Es kommt auf das Theaterstück an. Füssen ist mit seinem Festspielhaus unschlagbar, darüber müssen wir nicht reden, aber nur ein schönes Theater alleine ist eben nicht genug. Wenn das Licht erlischt und die Musik erklingt entscheidet die Qualität des Stückes. Man muss mit großer Leidenschaft Theater machen, dann ist der Ort nicht relevant.  

War Füssen eine Option für Sie? Meine Wahl ist immer Füssen gewesen. Kempten hat sich uns ausgesucht und angefragt. Meine Skepsis war am Anfang da, nach Kempten in die bigBox zu gehen. Doch wir haben uns vorsichtig, sehr behutsam angenähert und uns dann schnell geeinigt. Ich glaube, in Kempten wird so manch einer überrascht das Theater verlassen. Die Änderungen sind wirklich gelungen und das Stück findet eine große Akzeptanz bei den Reiseveranstaltern und Hotels.

Wie heißt das Stück? Ludwig – der König kommt zurück.

Warum gerade dieser Titel?  Nun, weil er zurückkommt und wir keine markenrechtliche Probleme haben wollen.

Sie meinen markenrechtliche Probleme mit Prinz Luitpold? Prinz Luitpold hat Markenrechte für allerlei Waren. Diese Markenrechte von, zum Beispiel König Ludwig Bier/Schinken will er schützen. Das ist korrekt und in Ordnung. Dass er natürlich gerne von jedem „König Ludwig Salat“ einen Anteil hätte, kann man verstehen. In unserem Schriftverkehr mit dem Haus Kaltenberg haben wir ausdrücklich darum gebeten, uns die Marken zu nennen, welche angeblich verletzt werden. Bis jetzt gibt es hierzu keine Antwort. König Ludwig ist eine Person des öffentlichen Lebens und der Zeitgeschichte. Es gibt kein exclusives Nutzungsrecht für alle Klassen sondern jedes einzelne muss angemeldet, begründet und auch genutzt werden. Automatische Exklusiv-/Persönlichkeitsrechte an einer historischen Person gibt es nicht.  Natürlich sind wir an keinerlei Auseinandersetzung mit dem Unternehmen Kaltenberg und Prinz Luitpold interessiert. Deshalb haben wir alle möglichen und zu konstruierenden Konflikte und Kollisionen, die auftauchen könnten, bereits bei der Planung gut überlegt und auf alles verzichtet, was uns in die Nähe einer Rechteverletzung bringt.  

Was ist mit dem Drehbuch? Nichts. Stellen Sie sich vor, wir schreiben ein Theaterstück über den Papst und dann kommt jemand aus dem Vatikan der sagt, ich will es aber vorher lesen, sonst werde ich eine Veröffentlichung verhindern. Wie eigenartig wäre das denn? Es geht hier letztendlich ums Geld und das ist nicht schwer zu verstehen. Die Äußerung von Prinz Luitpold, dass wir eventuell nicht von ihm lizenziert sind oder werden ist Unfug. Darüberhinaus stellt es ein Risiko für ihn dar, weil uns – aufgrund seiner Behauptungen – ein Schaden entstehen kann. Einfach etwas nur zu behaupten und heftig zu wünschen ist nicht genug. Wir warten immer noch auf eine konkrete Antwort des Hauses Kaltenberg, welches Markenrecht wir angeblich verletzt haben.

Was meinen Sie, werden die Füssener nach Kempten kommen, um sich das Stück anzusehen? Nein, natürlich nicht. Die meisten der Füssener sind nicht ins Festspielhaus  gegangen als das Stück dort lief. Es ist eine eigenartige Beziehung zwischen den Füssenern und dem Festspielhaus. Also erwarte ich es nicht, dass sie nach Kempten kommen. Natürlich werde ich mich auf die paar Wenige freuen, die zur Premiere kommen. Wissen Sie, den Füssener Theaterbesucher gibt es nicht wirklich.

Wie viele Besucher erwarten Sie? So viel wie möglich. Bislang ist es optimistisch. Kempten ist nicht viel anders als Füssen. Das eigentliche Geschäft wird über den Tourismus generiert. Es wird sich zeigen, wie es uns gelingen wird, die Menschen aus der Umgebung herzubringen. Mein Eindruck ist, dass die bigBox als Veranstaltungsort einen sehr guten Ruf hat.

Werden Sie Füssens Bürgermeister, den Landrat oder die Familie Döbler einladen? Natürlich werden wir Herrn Fleschhut einladen. Mit ihm haben wir bis zuletzt darum gerungen, das Stück doch noch nach Füssen zu bringen. Ob er kommt, weiß ich nicht, hoffe es aber, da auch seine Frau, soweit ich weiß, das Musical sehr mag. Herrn Bürgermeister I  acob kenne ich persönlich nicht, aber selbstverständlich laden wir ihn ein. Auch die Familie Döbler, Ute und Günter Döbler sind herzlich eingeladen und wir freuen uns, wenn sie kommen. Nicht zu verge-reunde.

 

Interview: Sabina Riegger · Bild: Privat

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