Menschen

Ärzte unter uns

Dr. Patrick Loidl, Assistenzarzt in der Inneren Abteilung der Klinik Füssen

Füssen.    Gibt es von der Medizinischen Universität Innsbruck längst eine unsichtbare Brücke zur Klinik nach Füssen? Fast könnte man das vermuten, denn vor Dr. Patrick Loidl sind schon andere Assistenzärzte aus der Tiroler Metropole beruflich am Füssener Krankenhaus gestartet. Junge Ärzte aus Österreich tun den Patienten gut – und der medizinische Nachwuchs findet optimale Bedingungen zur Facharzt Weiterbildung vor. In Füssen fühlte sich der 31-jährige Österreicher von Anfang an wohl. Seine Spezialisierung erfolgt im jungen Team der „Inneren Abteilung“. Dabei hätte er auch die Hände, um Chirurg zu werden. 

Der künftige Internist erklärt: „Chirurgie, das macht meine Frau hier bei Chefarzt Dr. Scriba. Mich interessiert die Innere. Auch hier wird moderne Medizintechnik eingesetzt, aber als Arzt kommt man auf diesem weiten Gebiet nur mit Stethoskop und Reflexhammer auch schon sehr weit.“ Dass sie beide in Füssen arbeiten, war so nicht geplant, wie im Interview deutlich wird. Assistenzärztin Dr. Ana Loidl war 2008 sogar einen Tick schneller, als das Paar nach dem in Innsbruck abgeschlossenen Medizinstudium wie viele andere junge Ärztinnen und Ärzte voller Optimismus auf Stellensuche ging. Es sei nicht so leicht rund um Innsbruck Arbeit zu finden, erklärt der junge Arzt. Kolleginnen und Kollegen wollten ihre fachärztliche Weiterbildung auch in der Stadt machen, wo sie studiert haben. „Als gute Alternative wäre für uns noch Reutte in Frage gekommen. Außerdem haben wir überlegt, dass man es nur ein paar Kilometer weiter vielleicht mit Initiativbewerbungen versuchen könnte. So kamen wir ans Krankenhaus Füssen und stellten uns hier nacheinander vor.“

Dr. Ana Loidl wurde von der Chirurgie aufgrund ihrer Unterlagen mit Handkuss genommen. Bei Professor Dr. Kremer in der Inneren war gerade nichts frei, „doch als dann die nächste Assistenzarztstelle ausgeschrieben wurde, war ich ebenfalls an der Reihe.“ An der gleichen Klinik zu arbeiten, habe Vorteile, meint Dr. Patrick Loidl. „Man weiß ganz genau, wovon der andere spricht.“ Beide fühlten sich in der Region nach ihrem Blitzstart sofort wohl. Wie stark das Zugehörigkeitsgefühl jetzt schon ist, signalisieren Aktivitäten, die für viele Pärchen in ihrem Alter typisch sind. „Wir bauen in Pflach ein Haus.“

Sturm und Drang am Flügel

Das Ärztepaar ist sportlich, im Winter wie im Sommer. Inzwischen holte Dr. Patrick Loidl sogar das „Skigymnasium“ ein, das er am Heimatort Stams gar nicht besucht hatte.
 „Ich war als Gymnasiast bis zur Matura auf der Klosterschule“, schmunzelt er. „Während meine Schulkameraden auf der Schneepiste waren, saß ich täglich bis zu acht Stunden am Flügel.“ Musik bedeutete ihm – neben dem Lernen für möglichst gute Noten – „damals alles“. Mutter und Vater – Naturwissenschaftler – wurden wesentlich später „ein Vorbild für meine Berufswahl Arzt“. In den Jahren als Heranwachsender spielte Großvater Josef die klar beherrschende Rolle. „Er war als Musiklehrer mein Privatlehrer.“ Sein ganzes Leben kreiste um klassische Kompositionen. Selbstkritisch erkannte er noch bevor es zur künstlerischen Wagnis gekommen wäre: „Um Pianist zu werden, fehlte mir doch das Quäntchen an Talent, das es dafür braucht. Ich schrieb mich in Jura ein.“ Schnell erkannte er an der Uni allerdings auch, dass ein Studienfachwechsel nötig war. „Der Stoff ist zu trocken. Schon im ersten Semester ging die Faszination verloren, die im Lateinunterricht bei der Beschäftigung mit dem Römischen Recht entstanden war.“

Bauchweh ist nicht gleich Bauchweh

Den Anstoß zum Studienfachwechsel gab die Zeit als Zivildienstleistender: „bei der Rettung“. Von den Einsätzen mit dem Notarzt war es ein folgerichtiger Schritt zur Medizin. Im Studium der Humanmedizin mischten sich die Theorie und die Praxis, was ihm besonders auch im Arbeitsalltag gefällt. „Eine Diagnose stellen ist wie ein Rätsel lösen.“ Man brauche dafür medizinische und naturwissenschaftliche Kenntnisse – vor allem sollte man Patienten zuhören, wenn sie über ihre starken körperlichen Beschwerden sprechen. Denn Bauchweh ist nicht gleich Bauchweh.“

Text: Werner Hacker
Bilder: privat

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