Menschen

Junge Väter und ihre Kinder

Eine ungewisse Rolle des Elternseins

Typisches Kurzporträt: 17 bis 22 Jahre alt, Schüler, Auszubildender, Berufseinsteiger oder Student mit Hobbys wie Eishockey, Skaten, Fußball, Billard, Musik und Party machen. Besonderes Kennzeichen: gerade Vater geworden. Die jüngsten Papas, die sich erst seit kurzer Zeit rasieren müssen, stehen immer irgendwie im Schatten der jungen Mütter, denen die neue Rolle von allen Seiten – den Eltern und Freunden – ganz selbstverständlich zugetraut wird. Wie aber geht es dem jungen Mann, der bestimmt sehr gern ein guter Vater sein möchte, aber recht bald merkt, dass dies überhaupt kein Zuckerschlecken ist. Da kann das Baby noch so süß sein wie zum Beispiel Lea. Der heute 26-jährige Peter Kössel lässt in unserem Gespräch keine Zweifel aufkommen: Vor etwa vier Jahren war es richtig, „unser nicht geplantes Kind“ mit offenen Armen zu begrüßen.

Angst, überschwängliche Glücksgefühle, Überforderung und Begeisterung liegen bei jungen Männern, die Vater geworden sind, oft eng beieinander. Nur selten war ihr Vatersein geplant. Überraschend kam für viele aus dem Mund der Partnerin die Nachricht: Du wirst Vater, wir bekommen ein Kind. Sofort stellen sich Fragen, was die Zukunft bringt oder ob meine Pläne mit einem Schlag dahin sind? Ein erst 20-Jähriger wird sich auch fragen, ob er überhaupt Kinder möchte und das erste schon hier und heute und mit dieser ebenfalls noch blutjungen Frau?

Felix: Jetzt mit Kinderwagen auf Tour

„Taufen“ wir ihn in diesem Bericht Felix, den glücklichen 19-jährigen Füssener, der mit seiner Freundin und Kinderwagen am Hopfensee seit einigen Wochen spazieren geht. „Durch unser Kind ist mir ganz klar geworden, dass ich dafür Verantwortung übernehmen will und kann“, strahlt Felix. Seinem Söhnchen kauft er Spielzeug und versteht überhaupt nicht, dass die junge Mutter darauf nicht immer so begeistert reagiert, wie es Felix sich wünscht. Er erzählt: „Sie sagt wütend: Wenn man ein Baby hat, sollte man nicht mehr jeden Abend mit den Freunden auf Tour sein.“ Felix hat die Kritik geschluckt und sich vorgenommen, mit den Discobesuchen kürzer zu treten. Ob er das auch einhält?
Es dauert in der Regel eine ganze Weile, bis sich junge Eltern an den Gedanken gewöhnen, dass sie zu einem gewissen Teil einen aufregenden altersgemäßen Lebensstil nicht mehr pflegen können. Künftig gilt es den durch die Bedürfnisse des Kleinkindes bestimmten Alltag zu organisieren, mit Windelwechseln und Füttern, regelmäßig auch mitten in der Nacht.

Lea: Sie hat noch heute einen jungen Papa

 „Das funktioniert nur, wenn man sich gut miteinander abstimmt“, weiß Peter Kössel. Der heute 26-jährige Füssener ist mit 22 Vater geworden. „Wir konnten uns als Paar so organisieren, dass die Belastung nicht auf einer einzigen Schulter geruht hat und somit zur Überbelastung wurde.“ Peter Kössel und seine damals erst 19-Jahre alte Partnerin hatten Vorteile, die andere junge Eltern oft nicht haben. Sie waren als Paar schon länger zusammen, teilten sich eine Wohnung und der junge Vater hatte als Hotelfachmann ausgelernt – und vor allem auch Arbeit. „Wir hatten eine kleinere Beziehungspause vereinbart, als meine Freundin mir mitteilte, dass sie von mir schwanger ist. Wir haben uns auf das Kind gefreut. Meine Freunde freilich waren komplett geschockt. Doch als Lea da war und sie jetzt erleben, wie sie sich wunderbar entwickelt, sind sie gerne die Spielkameraden des kleinen Mädchens.“

Peter Kössel malt diese damals neue Welt mit Kind jedoch nicht nur rosarot. Für die Freundin bedeutete die Schwangerschaft, dass sie ihre pflegerische Ausbildung, die sie „engagiert begonnen hatte, nicht mit der Prüfung abschließen konnte“. Für ihn selbst galt sofort, was die Karriere betrifft, ein anderer als der gerade geplante Kurs. „Wie in der Gastronomie-Branche üblich, war es mein persönlicher Plan, für einige Zeit in einem Hotel im Ausland zu arbeiten.“ Als werdender Vater habe er davon natürlich Abstand genommen. Seit etwa zweieinhalb Jahren lebt das Paar nicht mehr zusammen. „Als sich das Baby angekündigt hat, haben wir nicht geheiratet“, so Peter Kössel. „Lea ist jetzt auch nicht der Grund dafür, dass wir getrennt sind.“ Lea habe weiterhin ihre junge Mama und ihren jungen Papa. „Das ist einfach schön, wenn sie mir entgegenläuft und sich freut, wenn ich sie abhole.“
Peter Kössel schmunzelt: „Eigentlich bin ich auch als 26-Jähriger noch ein junger Papa. Man sollte sich nicht auf einmal alt fühlen, nur weil durch ein eigenes Kind die Verantwortung im Leben gewachsen ist.“

 

 

Text: Werner Hacker · Bild: privat

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