Menschen

Ein kulinarisches Seniorenheim

Neue Ideen mit Norbert Vogtland

Füssen.    Wer mag es nicht, kulinarisch verwöhnt zu werden. Ein schön angerichteter Teller erfreut nicht nur das Auge, sondern regt auch den Appetit an. In guten Restaurants erwartet das der Gast. Er möchte bekocht werden und er erwartet Qualität. Norbert Vogtland kennt diese Erwartungen und erfüllte sie seinen Gästen auf Sylt, Österreich, der Schweiz und zuletzt auch als Chefkoch im Festspielhaus Füssen. Die „normale“ Gastronomie hat der gelernte Koch verlassen. Seit dem 1. November kocht der 45-jährige Sauerländer für „seine“ Senioren im St. Michael, Heilig-Geist Bürgerspital und dem St. Martin.

„Ich möchte etwas bewegen und kulinarischen Pepp auf die Teller unserer Bewohner bringen. Ich will, dass die Augen mitessen“, erklärt Vogtland, der seit über 20 Jahren im Allgäu lebt. Mit verschränkten Armen und einem Blick, der keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Aussagen lässt, sitzt er im Zimmer seines Chefs, Matthias Stroeher.

Anspruchsvolle Herausforderung

Für Norbert Vogtland ist die Küche eines Seniorenheims ein Neuland. „Es ist eine Herausforderung, und die habe ich immer schon gebraucht“, so der Familienvater. Die 250 Senioren, die Vogtland einige Male am Tag bekocht, haben den „Neuen“ schon wohlwollend aufgenommen. „Es schmeckt lecker und sieht toll aus“, kichern zwei Damen und gehen sogleich zu der großen Tafel im Gang, um zu sehen was ihnen Vogtland zum Mittagessen servieren wird. Es gibt Ratatouille, etwas, was die beiden noch nicht kennen. Doch das tut der guten Laune keinen Abbruch, im Gegenteil, sie können schließlich jeden Tag zwischen zwei Menüs wählen.

Norbert Vogtland weiß, dass die Küche im Seniorenheim um einiges anspruchsvoller ist als in einer normalen „Gastronomie“. „Es gibt sehr vieles, worauf man achten muss. Einige dürfen nur Schon- oder Diätkost essen, andere haben wiederum eine Lebensmittelallergie. Zusätzlich versorgen wir auch noch einige Kindergärten mit Mittagessen.“ Eine immense logistische Aufgabe, die dem Pfrontener-Sauerländer sichtlich Spaß bereitet. Dass er trotz der großen und neuen Aufgabe noch genügend Zeit findet, sich seinem Hobby, der Landwirtschaft, zu widmen, ist bemerkenswert. „Für mich ist das Entspannung. Raus in die Natur und Reiten, das ist einfach nur noch schön.“ Vier Pferde, 16 Schafe und sechs Hektar Land – hört sich nach viel Arbeit an, nicht so für Norbert Vogtland, für ihn ist das Luftholen.

Ein Highlight des Tages

Um nicht in Routine zu verfallen, stellt Vogtland große Ansprüche an sich. „Ich will über den Tellerrand schauen, mir neue Anregungen holen. Das Essen soll ein Highlight des Tages werden. Das will ich mit meinen Leuten erreichen.“ Dass es vielleicht nicht klappen könnte, daran denkt Vogtland nicht. Er weiß, was er will und das ist für „seine“ Senioren ein Glück.

Buffet mit Gästen

Bislang wurde im Seniorenheim St. Michael in Füssen viel bewegt. Matthias Stroeher, Geschäftsleiter der beiden Seniorenheime St. Michael und Heilig-Geist Bürgerspital, hat sich an ein neues Konzept gewagt. Für das Ostallgäu eine beispielhafte Projektion dessen, wie Senioren mit Selbstbestimmung und Eigenverantwortung umgehen, wenn man sie lässt. „Natürlich ist das nicht auf alle übertragbar. Aber doch auf die meisten unserer Bewohner. Ein Seniorenheim sollte heutzutage kein Abstellgleis mehr sein, sondern ein neues Zuhause, in dem man sich wohlfühlt. Dazu gehören Aktivitäten, Freundschaften und selbstverständlich auch gutes Essen.“ Norbert Vogtland nickt zu den Ausführungen seines Chefs ohne viel Worte. Es ist das gesagt, was er selber realisieren will. Für seinen Bereich hat er auch schon einige gute Ideen. „Wir denken dabei an Themenabende mit einem Buffet, zu dem wir auch Gäste einladen. Gemeinsames Essen verbindet und regt zu Gesprächen an“, ist sich Vogtland sicher. Auf diese „leckeren Abende“ kann man jetzt schon gespannt sein.

 

Text · Bild: Sabina Riegger

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