Menschen

„Man muss die Menschen lieben, um Politik machen zu können“

Im Gespräch mit Günter Keller, Bürgermeister der Gemeinde Vils

Vils.    Seit einem Jahr ist Günter Keller Bürgermeister der kleinsten Stadt Tirols. Jahrelang engagierte sich Keller in der Kommunalpolitik. Erst als Gemeinderat, dann als 2. Bürgermeister. Jetzt leitet er die Geschicke von Vils. Sein Amt ist für den 51-jährigen keine Bürde sondern vielmehr ein Geschenk. Füssen aktuell traf sich mit dem sympathischen Gemeindechef zu einem Interview.

Sie sind seit einem Jahr Bürgermeister in Vils. Wie geht es Ihnen dabei? Ich habe diesen Posten wirklich angestrebt, weil ich etwas bewirken, die Menschen erreichen will. Dafür muss man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Bis jetzt bereue ich nichts. Seit 18 Jahren engagiere ich mich in der Kommunalpolitik.


Als Bürgermeister ist man Kritiken  ausgesetzt. Wie gehen Sie damit um?
Ich liebe es, wenn Menschen mich kritisieren. Es ist sicher nicht alles richtig, was ich mache. Ich verkünde auch nicht das Evangelium. Aber ich möchte mich persönlich weiter entwickeln. Dafür ist Kritik sehr wichtig.

Andere jammern, Sie packen die Probleme an, wie kürzlich das Thema einer Kindertagesstätte. Wie reagieren die Bürger darauf? Primär habe ich natürlich nach einer preiswerten Lösung gesucht. In diesem Fall sah ich es als notwendig an, dass die Menschen lernen, sich selbst helfen zu können. Dabei war mir die Zusammenarbeit im Ort und die freiwillige Mitarbeit wichtig. Also wurde der Verein „Vils betreut“ gegründet, der ab September 2010 seine Arbeit aufnehmen wird. Die Organisation des Vereins übernimmt der Elternverein. Er wird gefördert vom Land Tirol. Die Gemeinde Vils stellt die Räumlichkeiten und die Infrastruktur zur Verfügung. Und die Eltern entrichten Beiträge. Damit werden sie nicht aus der Gesamtverantwortung entlassen. Betreut werden die Kinder dann durch eine ausgebildete Pädagogin. Ich denke, das war der richtige Weg für eine kleine Gemeinde wie die unsere. Und am Ende konnten wir 60 Prozent der Kosten für eine herkömmliche Kindertagesstätte einsparen. Letztlich muss man sich auch mal was trauen.

Von wem kam der Vorschlag zur Kindertagesstätte?
Durch einen altersbedingten Wechsel haben wir im vergangenen Jahr unseren Gemeinderat neu aufstellen müssen. Dort herrscht nun ein Altersdurchschnitt von 39 Jahren mit drei Gemeinderätinnen. Diese haben den Vorschlag eingebracht.

Sie erwähnten, dass Sie jungen Menschen auch in der Politik sehr aufgeschlossen gegenüber stehen. Warum? 
Ja, das bin ich durchaus.  Eine Kandidatin zum Gemeinderat war 19 Jahre alt, leider hat sie es nicht geschafft gewählt zu werden.  Wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, dann gab es diese Möglichkeiten nicht, um sich in der Politik zu engagieren. Heute ist das anders. Man muss auch weiter denken. In zehn Jahren müssen diese jungen Leute an unsere Stelle treten, und wir haben zum Glück viele junge engagierte Menschen im Ort.

Sie sind ein Bürgermeister zum Anfassen. Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zu Ihren Mitbürgern?
Ich bin ein Vilser. Darum will ich mit allen im Gespräch bleiben. Deswegen kann mich wirklich jeder 20 Stunden am Tag erreichen, auch an den Wochenenden. Man trifft mich auf fast allen Veranstaltungen. Der Kontakt zu den Bürgern ist in meinem Job einfach sehr wichtig.

Wie sehen Sie die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit Pfronten und Füssen? Nun ja, sagen wir, sie ist durchaus verbesserungswürdig. Wir arbeiten ja bereits mit dem Abwasserverband Vils, Reutte und Umgebung zusammen. Wir haben jedenfalls keine Berührungsängste und sind allen Menschen gegenüber aufgeschlossen, egal ob sie aus Deutschland oder Österreich kommen.

Was ist Ihr primäres Augenmerk für Vils?
Offensive Entwicklung. Das bedeutet das Gewerbegebiet in Vils erweitern und somit auch neue Unternehmen zu holen. Für Vils würde das mehr Arbeitsplätze bringen. Denn Arbeitsplätze bedeuten Leben. Wenn wir wie geplant unser Gewerbegebiet erweitern, dann sind alle Menschen willkommen, dort ein Geschäft zu eröffnen, egal welcher Nationalität sie angehören. Neue Geschäfte bringen neue Bürger. Das ist gut für Vils.
 
Warum sollte Ihrer Meinung nach Vils für Unternehmen interessant sein?
Vils liegt sehr zentral. Auf der einen Seite haben wir den Tourismusstandort Füssen, auf der anderen Seite die Wirtschaftsgebiete Reutte und Pfronten. In Österreich ist die Steuerbelastung um 0,9 Prozent geringer als in Deutschland und die Grundstücks- und Gewerbepreise sind auch deutlich niedriger.

Wenn Sie deutlich niedriger sagen, mit welchen Preisen muss ein Gewerbetreibender oder ein Bauherr rechnen, wenn er sich in Vils ansiedeln möchte? Bei den Gewerbegrundstücken liegen die Preise bei etwa 30 Euro. Ein Baugrundstück bei etwa 100 Euro.

Das heißt, wenn ein Deutscher in Vils ein Geschäft eröffnen will, wäre das problemlos möglich?
Selbstverständlich wäre es das. Mittlerweile sind ein Fünftel der Vilser Einwohner deutsche Staatsbürger. Diese haben zwar andere Gedanken und Vorstellungen als wir Tiroler, aber wir kommen trotzdem prächtig miteinander aus. Junge Menschen sehen die Grenze ohnehin nicht mehr. Denen ist es egal, ob sie nach Füssen oder Reutte fahren.

Nennen Sie uns doch bitte fünf Gründe, die für den Ort Vils sprechen!
Es ist der tollste Ort weltweit. Hier herrscht ein besonderer Zusammenhalt. Wir haben unsere Identität gefunden. Vils ist wegen seiner Größe flexibel, man kann hier gut verdienen, wir haben eine hervorragende Anbindung zu anderen Orten und ein großartiges Vereinsleben. 

Vielen Dank für das Gespräch Herr Bürgermeister Keller.

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse. Meine Tür steht Ihnen  jederzeit offen!


Das Interview führte Sven Köhler
Bilder: sk

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