Menschen

Soziale Kompetenz am Arbeitsplatz


Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster

Füssen.   Es spricht sich allmählich herum: Mit Privatdozentin Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster hat erstmals eine Chefärztin am Füssener Krankenhaus Verantwortung übernommen. Sie leitet die geriatrische Reha. Die Abteilung, die ihren Patienten nach Schlaganfall, Operation am Herzen oder schweren Stürzen wieder das Leben in größtmöglicher Selbstständigkeit ermöglichen soll. Für die heute 42-jährige Fachärztin mit Wurzeln im Allgäu war es seit ihrem Berufsstart 1993 möglich, ganz unterschiedliche Bereiche miteinander zu verbinden: die Forschung und die Arbeit am Krankenbett. Im Frühjahr 2009 wechselte sie nach Füssen. Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster hat sich von der Forschung verabschiedet und ist nun mit ihrem Team für ältere, erkrankte Menschen da. Sie erklärt den Entschluss: „Mir haben doch die Patienten gefehlt.“

Wer dieser schlanken, groß gewachsenen blonden, Stil und Eleganz ausstrahlenden Ärztin die Hand geschüttelt hat, kann es kaum glauben, was die Wahl-Füssenerin über ihre „Mindelheimer Mädchenzeit“ erzählt: „Ich war als Kind stämmig und ziemlich burschikos. Wir kletterten auf Bäume. Puppen haben mich überhaupt nicht interessiert.“ Interessant war auch, was Großmutter zu erzählen hatte. „Ich hatte sogar noch eine liebe Urgroßmutter. Wir haben gebastelt und gesungen.“ Die berufstätigen Eltern vertrauten ihr Einzelkind oft „der Oma“ an.

Mutter von dreijährigen Zwillingen
„Weil ich erlebt habe, wie schön es ist, miteinander Zeit zu gestalten, bin ich in meiner Freizeit für unsere Buben da. Es wird dann nicht nebenbei telefoniert und gebügelt.“ Sie käme nie auf die Idee, am Samstag mit Kind in einem Supermarkt einkaufen zu gehen. „Das erledigen wir bequem im Internet und lassen uns die Lebensmittel und alle Sachen, die man immer braucht, ins Haus liefern.“
Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster räumt ein: „Ich habe sicher den großen Vorteil, dass wir – wie früher üblich – sozusagen als Großfamilie leben können.“ Für die Buben sei es schön, dass sie daheim noch andere Bezugspersonen als Mama und Papa haben. Wie „Lancaster“ vermuten lässt, stammt ihr Ehemann aus England „Durch den Umgang mit den Kindern wächst eine soziale Kompetenz. Diese brauche ich am Arbeitsplatz. Dadurch kann ich den erkrankten Menschen und seine Angehörigen viel besser verstehen.“Zur Entscheidung, künftig nicht mehr in der mir zahlreichen Reisen verbundenen internationalen Forschung, sondern als Krankenhausärztin tätig zu sein, sei sie „über die Kinder“ gekommen.

Schon wieder ein Spagat
Die Menschen in der Reha-Abteilung – viele wurden im Allgäu vor 70 oder 80 Jahren geboren – fühlen sich hier nach einer durchaus auch von Widerständen begleiteten Eingewöhnungszeit bei der „jungen Frau Doktor“ und ihrem Team meist wohl. Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster löst im Erstkontakt mit einem Patienten diese Emotionen aus: Respekt und Sympathie. Ihre natürliche Autorität kommt an – auch beim Klinikteam.
Den schweren Spagat, Chefin in einer 30 Fachkräfte starken Krankenhausabteilung und verheiratete Zwillingsmutter zu sein, schafft sie offensichtlich mit einer bemerkenswerten Lockerheit. „Wir sind in unserem Alltag gut organisiert“, sagt sie und lächelt. „Meine freien Tage gehören stets der Familie.“

Die zurückliegenden Berufsjahre, als sie etwa in Würzburg Wissenschaftlerin und gleichzeitig Ärztin war, sahen anders aus. „Da gab es nicht nur das Labor, sondern die Reisen von Kongress zu Kongress.“ Ein Kulturprogramm am Abend genießt sie inzwischen „nicht mehr so oft, aber noch immer liebend gern“.

Wie funktioniert der Körper?
Eigentlich hätte Dr. Buchwald-Lancaster auch Talent zur klassischen Musikerin gehabt. „Als Schülerin spielte ich Flöte und Klavier. Als Trio oder als Quartett traten wir mit einem Konzertprogramm auf. Als 15-Jährige gab ich Unterricht.“ Irgendetwas habe mit dem Handgelenk dann nicht mehr gestimmt. Sie wurde neugierig, wie der Körper funktioniert.
Dieser Wissensdurst war nach ihrem Abitur – „mit Leichtigkeit gemacht“ – Ansporn, Medizinstudentin an der TU München zu werden.
„Mir gefiel, dass wir hier ein kleiner Anfängerkreis waren, im Gegensatz zu anderen Universitäten, wo sich damals hundert  Erstsemester eingeschrieben hatten. Es bestehen noch immer freundschaftliche Kontakte aus dieser für mich besonders schönen Studentenzeit.“

Damit ist auch gesagt, dass viele frühere Kommilitonen von Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster Füssen bestimmt kennen lernen werden.

Text: bh/Bilder: oh

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