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Ein Arzt zum Reden: Dr. Kai Scriba

 Füssen.     Mit seiner Frau und kleinen Tochter wohnt Dr. Kai Scriba seit vier Jahren in Füssen.  Hier fühlt sich der Füssener Krankenhaus-Chirurg pudelwohl. Er erzählt: „Ein besonders schöner Moment ist immer, wenn ich jede Sekunde eines ruhigen Abends im Sommer auf unserer Terrasse mit einem Gläschen Wein in der Hand genießen darf.“

Zur Zeit kann der Arzt nicht großartig entspannen. Es gibt viel zu tun in der Chirurgie. Normalerweise ist es im Februar in der „Liegendaufnahme“ ruhig. „Es ist das Wetter“, kommentiert der gebürtige Hesse. Dass Dr. Kai Scriba trotz Stress mit all seinen Patienten und ihren Angehörigen redet, sie dabei sachlich aufklärt und sie dadurch zuversichtlich stimmt, ist nicht gerade typisch für die Zunft der Chirurgen. „Wer zu uns ins Füssener Krankenhaus kommt, ist kein anonymer Fall von vielen, sondern eine Person, die Hilfe braucht. Wir sprechen miteinander. Dieser persönliche Kontakt ist mir ganz besonders wichtig.“ 


Erst seit 2005 in Füssen

Vor seinem Wechsel von Ludwigsburg nach Füssen gibt es erstaunlich viele Lebensstationen des 1960 in Bad Orb geborenen Sohnes eines Internisten. „Unsere Familie musste oft umziehen, weil mein Vater zur Weiterbildung die Kliniken wechselte“, erzählt er. „Meine drei Geschwister und ich haben daher alle verschiedene Geburtsorte. Ich bin ein Hesse, aber die Kindheit dort war kurz. Besser erinnern kann ich mich an einen Ort wie Waiblingen.“
Nach seiner Einschulung brauchte er – rekordverdächtig – fünf Gymnasien bis zum Abitur. „Bis auf wenige Ausnahmen kamen die Lehrer mit mir nicht zurecht.“ Und er nicht mit ihnen.

Capo auf dem Bau
Wenn man ihn auf sein Abitur anspricht, dann schmunzelt er und winkt ab. „Es war kurz gesagt schlecht, so schlecht, dass keiner den Notendurchschnitt kennt, auch nicht meine Familie.“ Für Kai Scriba war vieles andere wichtiger, vor allem die Freizeit, die er mit Sport und natürlich seinem Mofa ausfüllte. Auch heute noch ist er auf zwei Rädern unterwegs.

Lange Zeit hat ihm die berufliche Orientierung gefehlt. Ans Medizinstudium war „mit meinem super schlechten Abi“ nicht zu denken. „Geologie hätte mich vielleicht reizen können, aber es kam anders.“
Als Typ, der neugierig Steine hochhebt, also auch kräftig mit anpacken kann und bestimmt nicht auf den Kopf gefallen ist, stieg er vom Job als Hilfsarbeiter bis zum Capo in einem Bauunternehmen auf.
„Als meine Mutter erfahren hat, wie viel gutes Geld ich da verdient habe, musste ich daheim ausziehen und selbst dafür sorgen, dass meine Wäsche gewaschen ist.“ Dann rief Vater Staat.

Im Sanitätsdienst bei der Bundeswehr als Wehrpflichtiger „bin ich nur angeeckt. Ich war in der Kaserne der einzige Soldat mit Bart. Ich trug sogar einen Vollbart.“ Dass die Bundeswehr einen „gepflegten Bart“ erlaubt, steht in den Dienstvorschriften und die kannte Kai Scriba auswendig. „Was ich meinen Vorgesetzten vernünftig erklären wollte, machte mich zu einem Aussätzigen. Darunter habe ich allerdings nicht gelitten.“
Als Sanitäter entdeckt er sein Interesse für die Medizin. „Was ich nicht bekommen kann, das spornt mich an. So ging es mir auch mit einem Studienplatz in Medizin.“ Die Strategie, mit der dieses persönliche Ziel zu erreichen war, hat er gemeinsam mit Freunden in die Tat umgesetzt. „Wir haben als externe Studenten Prüfungen – zum Beispiel in Chemie – an einer Uni abgelegt.“ Schon bald hatte er wirklich alle Leistungsnachweise zusammen, die im naturwissenschaftlich ausgerichteten Humanmedizin-Grundstudium verlangt werden. „Als ich ordentlicher Student in Heidelberg und Mannheim geworden bin, durfte ich gleich in ein höheres Semester einsteigen. Das wurde vom Prüfungsamt genehmigt. Somit war für mich keine Zeit verloren gegangen.“ Ein deutlicher erster Beweis, dass es für ihn endlich rund lief.
Es folgten drei Staatsexamina, Arzt im Praktikum (PJ) und später im Laufe der Arbeitsjahre ärztliche Weiterbildungen, darunter Unfallchirurgie.

Gut angekommen

„Mit Mitte 40 musste ich mir überlegen, wie der Berufsweg weiter gehen soll. In Ludwigsburg stand mein Chef vor seiner Pensionierung und ich wusste, dass sein Nachfolger von außerhalb kommen wird. Aus diesem Grund habe ich mich unter anderen auch in Füssen beworben. Ein halbes Jahr hörte ich nichts, doch dann ging alles rasend schnell“, sagt Dr. Kai Scriba. Er ging zunächst ohne Frau und Kind ins Ostallgäu, sozusagen „wie auf Montage“.
„Mein Zimmer war im Wohnheim.“ Nach acht schwierigen Monaten fand dann die Familienzusammenführung statt. „Das Ergebnis ist jetzt richtig gut“, freut er sich. In Füssen nützt er Freizeit auch dazu, um wieder sportlich etwas aktiv zu sein. Bei der TSG spielt er – „dem Alter von 50 angepasst“ – gelegentlich Badminton und Federball.

Text: bh/Bild: oh

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