Menschen

Grenzüberschreitend helfen Der Rotary Club Reutte-Füssen

Sie bilden ein weltweit aktives, sozial engagiertes Netzwerk. Die Rede ist von etwa 1,2 Millionen Menschen, die aus allen Bereichen der Gesellschaft kommen und Mitglieder in über 32.000 Rotary Clubs (RC) sind. Deutschland kennt über 900 Rotary Clubs mit insgesamt etwa 47.000 Rotarierinnen und Rotariern. Auch in Reutte und Füssen gibt es Rotarier. Vor 41 Jahren war der Rotary Club Reutte-Füssen etwas ganz Besonderes. 1968 war er Vorreiter als erster grenzüberschreitende Rotary Club europaweit. Heute noch engagieren sich Tiroler und Allgäuer gemeinsam für einen guten Zweck. Sie treffen sich jeden ersten Mittwoch in Hohenschwangau, an den übrigen

 Mittwochabenden in Reutte, um Vorträge zu aktuellen Themen oder aus dem speziellen Berufsfeld eines Mitglieds zu hören. Es wird von jedem Rotarier erwartet, dass er sich an diesem Vortragswesen aktiv beteiligt. Von den Mitgliedern wird eine hohe Präsenz erwartet. Sie gilt als Voraussetzung für den Zusammenhalt im Club.

Zwei Rotarier, die grenzüberschreitend verbunden sind und helfen:
Max Merk (links) und Präsident Dipl.-Ing. Andreas Schaller.

 

Von Anfang an gehört der Club dem Distrikt Bayern an. Warum das so ist, hängt mit der Gründungsgeschichte des RC Kufstein zusammen. Denn zur gleichen Zeit wie Reutte waren die Kufsteiner (Tirol) an einer Clubgründung interessiert. Allerdings hatten die Kufsteiner zu wenig Gründungsmitglieder und wollten deshalb welche aus dem benachbarten bayerischen Kiefersfelden aufnehmen. Doch so einfach ging das nicht. Also trafen sich die damaligen Governors aus Tirol und Bayern, um die Sache zu beraten. Die Lösung war die Zustimmung  von bayerischer Seite, dass die Kufsteiner Mitglieder aus Kiefersfelden aufnehmen können, wenn  im Gegenzug der Reuttener Club dem Distrikt Bayern zugesprochen wird. Was bis heute gilt. Dass diese Regelung vor dem Hintergrund der geltenden Neutralitätsverpflichtung Österreichs so möglich war, verdanken die Clubgründer dem damaligen Bezirkshauptmann Amann, der sich in Wien erfolgreich für diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit einsetzte. So entstand am 27. Januar 1968 der erste grenzüberschreitende Club Europas. Heute besteht der Club aus 60 Mitgliedern, 36 aus dem Außerfern und 24 aus dem Allgäu. Um die grenzüberschreitende Bedeutung zu verdeutlichen, wurde der Clubname 2002 in RC Reutte-Füssen geändert. 2008 gründeten die deutschen Mitglieder das Rotary Hilfswerk Reutte-Füssen e. V. mit Sitz in Füssen, das die Möglichkeit hat, Spendenbescheinigungen auszustellen.

Gute Zusammenarbeit
Dass sich diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit bislang sehr gut bewährt hat, wird immer wieder deutlich. „Der Grundgedanke der Vereinigung ist Kontaktpflege und der Aufbau sowie die Pflege von Freundschaften. Es entwickeln sich dadurch auch andere Beziehungen. Beispielsweise über zwei ehemalige Rektoren, die Mitglieder waren, entstand eine enge Partnerschaft zwischen den Gymnasien Reutte und Hohenschwangau,“ erklärt  Andreas Schaller, Präsident des RC Reutte-Füssen. Diskussionen darüber, ob nun ein deutsches oder österreichisches Projekt an der Reihe für eine Förderung wäre, gibt es nicht. Es wird jedoch selbstredend versucht, die Förderung paritätisch zu gestalten. Aber auch hier ohne Zwang. Wechselnde Präsidenten und Vorstandschaften sorgen für einen „natürlichen“ Ausgleich.

Unkompliziertes Helfen

Sicherlich gibt es Schwerpunkte, die der Club unterstützt. Über 20 Jahre war der RC Reutte-Füssen ein maßgeblicher „Geburtshelfer“ für die Lebenshilfe Reutte. Es gibt auch andere Projekte, die traditionell schon viele Jahre  Hilfe erhalten. „Wir unterstützen zum Beispiel seit 20 Jahren einen Salesianer-Pater, der im Kongo sehr aktiv ist. Angefangen vom Brunnenbohren bis zu einem Ultraschallgerät für eine Klinik ,“ erzählt Vorstandsmitglied Max Merk und fügt hinzu, dass viele Projekte und Aktionen durch persönliche Beziehungen zustande kommen. „Das hat den Vorteil,“ so das langjährige Mitglied, „dass durch die persönliche Bindung ein hohes Maß an Vertrauen, Verlässlichkeit und Authentizität gegeben ist.“  Schwerpunkte setzen zudem die Präsidenten selbst. Sie haben ein eigenes Budget, über das sie spontan ohne viel Bürokratie entscheiden können und auch Hilfe vor Ort leisten können. Präsident Schaller drückt es folgendermaßen aus: „Mir gefällt es besonders gut, dass sichergestellt ist, dass das Geld dorthin kommt, wo es hingehört.“ Nicht jeder Präsident setzt die gleichen Schwerpunkte,  was gut so ist. Denn ein Präsident ist quasi drei Jahre eng eingebunden. Bei seinem Vorgänger als Incoming-Präsident, dann als Präsident und anschließend als Pastpräsident. Somit wird automatisch für Kontinuität gesorgt. Die Frage, ob der Club es jemals bereut hat, grenzüberschreitend zu sein, erübrigt sich. Es zählt die Hilfe und die damit verbundene Menschlichkeit.

 

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