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Die Kunst zu fotografieren – Manuela Höfer und die Lichtbildnerei

Es sind die Momente, in denen einem manchmal die Sprache wegbleibt, weil man eigentlich was anderes erwartet als das was man sieht. Das sind die sogenannten „Aha“-Augenblicke. So ungefähr geht es den Besuchern, die das Geschäft von Manuela Höfer, in der Brunnengasse 21 in Füssen, betreten. Lichtbildnerei heißt ihr Geschäft, eine Mischung aus Atelier, Workshop-Raum und Fotostudio. Manuela Höfer ist Fotografin und Künstlerin zugleich. Richtige Fotografie ist Handwerk und das beherrscht sie perfekt.

Mit 14 Jahren kam Manuela Höfer das erste Mal mit der Fotografie in Berührung. Aufgewachsen in Saalfeld, arbeitete sie nebenbei bei der Lokalzeitung, während sie ihre Ausbildung zur Fotolaborantin machte. Wie so viele andere auch, kam Manuela Höfer mit den Ansichten des Regimes der DDR nicht zurecht. Ihr Freigeist wehrte sich gegen die Enge, gegen die Unmündigkeit. Sie brach aus und flüchtete 1989 über Ungarn nach Deutschland. In Kulmbach machte sie ihre Ausbildung zur Fotografin und entschied sich 1993 an der Prager Academy of Arts Fotografie zu studieren. Englisch lernte sie erst während des Studiums. „Es war so interessant, so lebendig“, erinnert sich Manuela Höfer an ihre Studienzeit.  Ihr Erspartes war nach dem Studium aufgebraucht. Berlin, die Metropole der Künste, der Gegensätze, des pulsierenden Lebens wurde auch für Manuela Höfer eine ganze Zeit lang der Lebensmittelpunkt. Nie hatte sie sich an die Worte ihres Professors gehalten: „Man muss immer den gleichen Stil beibehalten, um in der Kunstwelt wieder erkannt zu werden.“ Die junge Fotografin wollte das nicht. „Ich brauche neue Impulse, um Neues auszuprobieren“, sagt sie selbstbewusst. Sie hat vieles ausprobiert und neue Akzente gesetzt. Dafür sind ihr ihre Bewunderer dankbar. In London, wo sie zehn Jahre lebte, hatte sie einen Stand in einer renommierten Antik-Arkade in der Kings Road mitten zwischen den Antiquitätenhändlern. Keine Galerie wollte ihre Bilder haben, sie war ja nicht berühmt, aber gut. Das sahen auch Alexander McQueen oder Jean Paul Gaultier oder der Sekretär von Calvin Klein, die Fotos von ihr gekauft haben. Mit Bob Geldof sprach sie eine ganze Zeit lang ohne zu wissen, mit wem sie sich unterhielt. „Das haben mir später die Antiquitätenhändler gesagt“, schmunzelt sie heute. Sie war die erste unter den Fotografen, die eine Fotomesse in London in einem feinen Hotel organisierte. Sie haben uns überrannt, denkt sie an diese Zeit zurück. Aus verschiedenen Ländern waren die Fotografen angereist, um dort ihre Werke zu präsentieren. Später, als sie wieder in Berlin zu Hause war, bekam sie dort das Angebot eine Fotomesse zu organisieren. Sie nahm dieses Angebot an. Die Macher verschätzten sich und waren überrascht, dass innerhalb von drei Tagen 7.000 Besucher die Exponate der in- und ausländischen Fotografen bewunderten. „Die Presse wollte berühmte Fotografen haben – keine jungen Talente, keine Nobodys“, erzählt die heute 44-jährige und fügt hinzu „ein berühmter Fotograf braucht so eine Messe nicht.“

Heute ist Manuela Höfer eine gefragte Fotografin. Bilder aus Barcelona, Mailand, Venedig, Paris, Lissabon und Rom hängen in großen Bankhäusern. Sie wird eigens dafür engagiert, um den Räumlichkeiten mit diesen Doppelbelichteten Bildern eine eigene Note zu verleihen. Ein bisschen hat die Wirtschaftskrise ihre Arbeit in den Finanzkreisen geschwächt, doch dafür öffnen sich neue Wege. In Zusammenarbeit mit einigen Art-Consults Büros stattet sie auch Hotels oder Wohnungen mit ihren Fotos aus. So hängen ihre Bilder unter anderem in München bei Barclays Global Investors und in der Hauptfiliale in London oder auch im Fürther Fußball Stadion. Jetzt lebt Manuela Höfer in Füssen. Dabei wollte sie nie nach Bayern, diesem verschtaubten und langweiligen Bundesland. Doch da hat sie sich getäuscht. „Bayern ist schön und vor allem Füssen“, sagt sie heute. „Hier bekomme ich neue Impulse, lerne nette Menschen kennen und dieses Geschäft hier ist genauso wie ich es mir vorstelle, so als ob es immer schon auf mich gewartet hätte. Ich muss nicht in einer Metropole leben. Meine Kunden sind weltweit und die erreiche ich auch von Füssen aus.“ Wenn Manuela Höfer donnerstags ihre Fotocollagen-Workshops anbietet, kann es durchaus in eine kleine Party enden. Jeder bringt eine Kleinigkeit mit und der große Tisch wird zu einem großen Kunstwerk auf dem Gläser, Bilder, Scheren, Papier und Klebstoff verteilt liegen. Kunst bedeutet für Manuela Höfer kreativ sein und offen für eigene und fremde Ideen. Abends, wenn dann Spaziergänger durch die Altstadt von Füssen laufen und an den großen Schaufenstern von „Lichtbildnerei“ stehen bleiben, sind sie nicht nur von den schönen Bildern fasziniert. Sie hören Lachen und sehen in fröhliche und unbeschwerte Gesichter. Der eine oder andere drückt dann schwach gegen die Tür, weil sie ja vielleicht offen sein könnte. „Wenn ich Workshops anbiete, dann ist jeder herzlich eingeladen mitzumachen oder sich den Workshop anzuschauen. Deswegen ist an solchen Tagen, auch abends die Tür offen.“

Übrigens, wer Passfotos braucht ist bei Manuela Höfer willkommen. Und wenn Sie das nette Geschäft betreten, schauen Sie gleich nach rechts, zu dem Bild des Saxophonspieler. Es ist ein Kunstwerk.

Da Manuela Höfer viele Kundentermine hat, ist sie nicht immer  zu den üblichen Öffnungszeiten im Geschäft erreichbar.

 

 

Manuela Höfer
Brunnengasse 21
87629 Füssen
Tel 0 83 62 - 9 39 08 13
www.hofer-photo.com
atelier@hofer-photo.com

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Freitag
14 bis 18 Uhr
Samstag 11 bis 14 Uhr
und nach Vereinbarung

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