Gesundheit

Darmgesundheit nach Hildegard von Bingen

Dieses Mal steht unser Darm ganz im Zeichen der Heiligen Hildegard von Bingen. Sie hatte zu ihrer Zeit bereits sehr gute Vorschläge, wie wir ihn gesund und leistungsfähig halten können. Warum spielt eigentlich der Darm so eine zentrale Rolle? Er besitzt z.B. ein eigenes Nervensystem, das sog. enterische Nervensystem mit Millionen von Nervenzellen. Dieses System steht wiederum im ständigem Austausch mit unserem Gehirn, vor allem mit dem Vagusnerv.

Der Darm ist bekanntlich ganz schön lang, etwa 7-8 Meter und gliedert sich in verschiedene Abschnitte. Am Anfang steht der Dünndarm. Dort findet die eigentliche Nährstoffaufnahme statt, sprich die Verwertung von dem, was wir essen. Danach folgt der Dickdarm, dort leben besonders viele Darmbakterien. Hier wird nun dem Nahrungsbrei Wasser entzogen und der Stuhl eingedickt.

Tja, deshalb auch so wichtig: etwa 70-80Prozent unseres Immunsystems sitzen erstaunlicherweise im Darm! Deshalb wird der Großteil unserer Abwehrarbeit tatsächlich dort geleistet. Hier leben Milliarden Mikroorganismen, das sogenannte Mirkobiom. Dazu gehören unter anderem Milchsäurebakterien, ebenfalls Laktobazillen oder Bifidobakterien. Wenn ihr Verhältnis stimmt, ist die Flora stabil. Diese Bakterien helfen nicht nur bei der Verdauung, sondern sogar bei der Vitaminproduktion und beeinflussen erstaunlicherweise auch unsere Psyche!

Ein Teil wichtiger Vitamine, etwa Vitamin K sowie verschiedene B-Vitamine, werden direkt durch diese Darmflora mitproduziert. Ein großer Teil unseres Serotonins, einer der wichtigsten Botenstoffe für die Stimmung, innere Ruhe und Wohlbefinden, entsteht im Zusammenhang mit einem gesunden Darmmilieu. Auch Dopamin steht in enger Wechselwirkung mit dem Darm und beeinflusst Schlaf, Antrieb und emotionale Stabilität. Deshalb ist es durchaus kein Zufall, dass Stress häufig mit Bauchbeschwerden einhergeht oder auch dass depressive Verstimmungen oft gleichzeitig mit Darmproblemen auftreten.

Die Ernährungslehre der Heiligen Hildegard fußt nicht auf komplizierten Diäten, sondern ist schlicht und einfach. Im Zentrum ihrer Ernährung steht der Dinkel. Wenn er die Grundlage bildet und wir unsere Mahlzeiten schön darum herum aufbauen, entsteht bereits ein sehr stabiles Fundament für einen gesunden Darm.

Mein Lieblingssatz von ihr in diesem Zusammenhang ist: „Dinkel ist das beste Getreide.“ Das frühere „Arme-Leute-Getreide“ war lange Zeit schon fast vergessen, da es halt nicht ganz so ertragreich ist wie andere Sorten, hat aber Gott sei Dank seit nun schon einigen Jahrzehnten eine regelrechte Renaissance erlebt. Eine zwar schon etwas ältere Statistik aus Baden-Württemberg, das als das „Dinkel-Land“ gilt, besagt, dass sich der Anbau von 1989 bis 1996 quasi verdoppelt hat. Heute ist es sicher noch viel mehr…
Übrigens: Bei manchen Beschwerden wie z.B. Durchfall ist es sinnvoll, eher zu hellen Dinkelprodukten wie Dinkelweißmehl zu greifen, da die Vollkornvarianten den Darm eher beanspruchen. Bei anderen Beschwerden wie Verstopfung hingegen ist es genau umgekehrt.

Sprechen wir doch mal um das „Drum herum“ anderer Lebensmittel für den gesamten Menschen und deren Heilwirkung. Hildegard unterschied in drei Kategorien:

  • Lebensmittel, die allen gut tun
  • Solche, die eher Kranken oder Gesunden helfen
  • Die sogenannten „Küchengifte“,
    die allen Menschen schaden

Hier einmal einige Beispiele von Nahrungsmitteln, die von ihr beschrieben werden:

  • Äpfel und Fenchel (Gemüsefenchel) können von
    Gesunden gut gegessen werden.
  • Edelkastanien (Maroni), gekocht oder geröstet, stärken
    das Gehirn und Gedächtnis, kräftigen die Milz und das
    Herz. Der Vorteil für Diabetiker: die Stärke darin wird
    langsam verstoffwechselt und bringt so keine
    Blutzuckerspitzen.
  • Quitten, roh, gekocht oder gebraten zu sich genommen,
    sind gut bei Rheuma oder anderen entzündlichen
    Gelenkerkrankungen.
  • Salat ist prinzipiell gut, er sollte aber laut ihrer Meinung immer mit Dill, Essig oder Knoblauch abgeschmeckt werden. Dann wird das Gehirn gestärkt, eine gute Verdauung
    angeregt und die Durchblutung gestärkt.
  • Weinessig gilt als Zusatz zu allen Speisen, falls es
    geschmacklich passt. Natürlich nicht zu viel, aber er
    reinigt, vermeidet Blähungen und schafft eine
    bessere Verdauung.
  • Jeden Tag ein frisches Salbeiblatt scheidet alles Schädliche aus. Von Umweltgiften, Konservierungs- oder Zusatzstoffen hatte sie damals noch keine Ahnung, aber da könnten wir wohl heute durchaus dran denken.

Hildegards „Küchengifte“ werden wohl manche in Erstaunen versetzen. Ich gebe zu, mich am Anfang auch, inzwischen meide ich sie meist, weil ich schon Vertrauen in ihr System habe.

  • Lauch (Porree): beeinträchtigt die Blutbildung, schwächt das Immunsystem und kann im schlimmsten Fall sogar Rheuma unterstützen.
  • Erdbeeren: lösen manchmal Allergien aus – gut, das ist ja bekannt – und fördern Entzündungen. Da geht es vom Ohr über die Haut bis zum Blinddarm. Das natürlich nur im schlimmsten Fall!
  • Zwetschgen/Pflaumen: die Darmflora wird geschwächt, die Übersäuerung des Körpers wird gefördert, hier denke man an die Harnsäure, evtl. einen Gicht-Schub. Außerdem sollen sie melancholisch machen.
  • Pfirsiche: nachdem sie nicht so lange haltbar sind und schnell verfaulen, fördern sie Allergien. Was für Hildegard aber wesentlich schlimmer ist: die „Verschleimung“ der Säfte. Die Lymphe fließt zäh und reinigt schlecht, Stoffwechselstörungen können entstehen, auch vermehrte Erkältungen sind möglich. Ihr Rezept: Wenn man gerne Pfirsiche essen möchte, dann nur geschält, gebeizt mit Wein und mit Salz und Pfeffer! Wer´s mag… Klingt schon wirklich sehr seltsam, aber Hildegard war schon eine sehr kluge Frau. Ihre Warnungen gelten sicher auch nur, wenn man diese Dinge im Übermaß zu sich nimmt.

So, jetzt kommen wir einmal zu ihren Heilmitteln. Mein absoluter Liebling ist der Bertram. Er zählt zu der Pflanzengattung Anacyclus aus der Familie der Korbblütler. Die Wildform kommt vor allem in Südspanien, Nordmarokko und Nordalgerien vor. Es gibt etwa 8-13 Arten, wie den Mehrjährigen Bertram oder den ausgestorbenen Deutschen Bertram. Die Kräuter sehen der Kamille ähnlich. Doch die Wurzeln in gemahlenem Zustand sind bei Hildegard wichtig. Sie schreibt dazu: „Denn für einen gesunden Menschen ist er gut zu essen, weil er die Fäulnis in ihm mindert und das gute Blut in ihm vermehrt und einen klaren Verstand im Menschen bereitet. Aber auch dem Kranken, der schon fast in seinem Körper gestorben ist, bringt er wieder zu Kräften. Und im Menschen schickt er nichts unverdaut heraus, sondern bereitet ihm eine gute Verdauung.“

Bertram kann man wirklich als das Universalgewürz der Hildegard-Küche bezeichnen, das in kaum einem Essen fehlen sollte. Geschmacklich ist er gar nicht so leicht zu beschreiben, er hat ein süßliches, aber auch herbes Aroma, erinnert ein wenig an Senf. Hildegardisch gesehen, ist er besonders interessant als Ausgleich einer Fehlernährung mangels Aufnahme der Lebensmittel durch die Magen-Darm-Schleimhaut, also bei allen Formen der Anämie (Eisen-, Vitamin B12-Mangel) und bei der Stimulation von Verdauungssäften, da er auf die entsprechenden Organe wirkt, so wie auf Leber und Bauchspeicheldrüse. Calcium wird besser aufgenommen, das ist gut gegen Osteoporose. Aber auch das Immunsystem profitiert, sowie die Blutbildung. Dosierung: Ein bis drei Messerspitzen mehrmals täglich. Ich persönlich liebe dieses Pulver zum Draufstreuen auf Hartkäse, erstens schmeckt es wirklich gut und zweitens macht es deutlich bekömmlicher.

Irgendwie möchte ich ihnen gerne noch mehr von den Darmheilmitteln vorstellen, also wird es wohl einen zweiten Teil geben.

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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