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Königliche Weihnachten

„… leise rieselt der Schnee…“- … dunkel liegt die eisigkalte Winternacht über dem Tal. Am Himmel funkeln helle Sterne, der Mond scheint hinter den Bergen hervor und ein einzelner Reiter erscheint am Horizont. In hoher Geschwindigkeit kommt er durch die nächtliche Landschaft näher. Hinter ihm erscheint ein Lichtstrahl, der langsam die verschneite Straße erleuchtet.

Ein golden schimmerndes Gefährt scheint den Reiter zu verfolgen. Bald hört man auch Pferdeschnaufen und melodisch Glöckchen klingeln. Vier federgeschmückte Schimmel erscheinen. Sie ziehen einen goldenen Schlitten und in diesem, warm, in dicken Hermelin gehüllt, sitzt König Ludwig II. auf einer nächtlichen Fahrt durch seine geliebte Alpenlandschaft.

Der König ist auf dem Heimweg von der Christmette, er nimmt einen Umweg. Die Landschaft und die Nacht sind gar zu schön, um direkt zurückzukehren, ins Schloss seiner Kindheit. Diese nächtlichen Ausflüge sind nicht selten. Oft schleicht sich der König inkognito in die Gottesdienste in den Bergen. So manch ein Besucher ist hinterher erstaunt, mit wem er die Gebetsbank teilte. Nicht selten ist es, neben dem goldenen Schlitten, die reichliche Kollekte, die den König enttarnt.

Behaglich leuchten die Fenster der alten Burg auf dem alles überblickenden Hügel, dem Heim in Hohenschwangau. Die ehemalige Behausung der Ritter von Schwangau, die so vielen seiner Ahnherren ein Zuhause war, bis sie im Laufe der Zeit verfiel. König Maximilian II., Ludwigs Vater, ließ sie im „neuen teutschen Styl“ ausbauen und machte sie zur Jagd- und Sommerresidenz seiner Familie. Lang ist‘s her, dass große Feste und buntes Treiben die Burg belebten.

Seit König Maximilians II. Tod gibt es hier nur wenige, eher beschauliche Feiern. König Ludwig II. schätzte andere Attribute am Schloss als sein Vater. Erhabenheit und Ruhe, Rückbesinnung auf die Vergangenheit, Einsamkeit, Muße und Erholung, all die Gegensätze zum bunten, ihm mitunter zu lauten, Leben in der Residenzstadt München. Ludwig II. liebte schon als Kind die Berge, das Ammergebirge im Besonderen. Seine Schlösser Hohenschwangau, Linderhof und Neuschwanstein sind seine Rückzugsorte.

Schafft er es nicht in die Berge, flieht er doch wenigstens nach Schloss Berg, am Starnberger See, nah genug an der Residenz zum Arbeiten, weit genug entfernt von der Stadt, um die Alpen sehen zu können. 1873 verbringt Ludwig II. erstmals ein Weihnachtsfest in Hohenschwangau, die „Neue Burg“, Schloss Neuschwanstein, ist noch im Bau.

Ab diesem Jahr verbringt der König, mit wenigen Ausnahmen, fast jedes Weihnachtsfest bis zu seinem Tod 1886 in Hohenschwangau. Hier besucht er den Gottesdienst, genießt ein paar besinnliche Stunden im Kreise seiner Nächsten und reist dann, wie in jedem Jahr, zur Silvesterfeier nach Linderhof, um dort den Jahreswechsel zu verbringen.

Info

Wie und mit wem genau König Ludwig II. die Feiertage in Hohenschwangau beging, welche Köstlichkeiten serviert und welche Geschenke überreicht wurden, erfahren interessierte Besucher in den nächsten Wochen bei der weihnachtlichen Sonderführung im Schloss Hohenschwangau. Mehr über die Beziehung der beiden späteren bayerischen Könige erzählt Jean-Louis Schlim am 16.12.2023 um 18 Uhr in seinem Vortrag „Ludwig und Otto – zwei ungleiche Brüder“ im Museum der bayerischen Könige.

Wir wünschen Ihnen ein schönes und besinnliches
Weihnachtsfest und freuen uns auf Ihren Besuch!

Text: Louise-H. Meinicke,
Kulturvermittlung Museum
der bayerischen Könige
Foto: Hubert Riegger

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