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Der Schneider aus dem Iran

Esmat Hashemi ist zufrieden. Er hat in der kurzen Zeit, seitdem er in Deutschland ist, viel erreicht. Als er 2015 aus dem Iran mit seiner Familie flüchtete, gab es vielleicht den einen oder anderen Gedanken von einem besseren Leben. „Im Iran waren wir Menschen zweiter Klasse, weil wir Afghanen sind“, so der 33-Jährige. Nichtsdestotrotz wären sie nicht nach Deutschland ausgewandert, wenn die Situation nicht so prekär gewesen wäre. Die politische und wirtschaftliche Lage engte die Menschen in jeder Hinsicht ein.

„Mit 14 Jahren habe ich meine Ausbildung als Schneider und Näher angefangen. Da gibt es keine Schulen dafür – es ist ein learning by doing und das dauert drei Jahre“, erzählt der Familienvater. Weitere drei Jahre arbeitete er in einer Näherei mit 60 Mitarbeitern. „Die Fabrik war nicht mehr wettbewerbsfähig, weil der chinesische Markt günstiger produzierte. Die Näherei wurde geschlossen“, erzählt Esmat Hashemi. Einige Zeit hielt er sich als selbständiger Näher über Wasser, bis sich die politische und wirtschaftliche Lage so verschärfte, dass er gemeinsam mit seiner Frau die Entscheidung traf, woanders neu anzufangen.

Seitdem sind acht Jahre vergangen „Wir haben so viel Glück gehabt, dass wir so wunderbaren Menschen begegnet sind, die uns unterstützt haben und immer noch unterstützen“, sagt Esmat Hashemi und fügt hinzu:. „Ich bin dankbar, glücklich und auch auf eine Weise demütig, sogar beschämt, weil ich mich nicht genug dafür bedanken kann.“

Der 33-Jährige lebt mit seiner Familie in Eisenberg. Er hat eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht. „Dass ich noch einmal einen neuen Beruf erlernen werde, hätte ich nicht gedacht oder für möglich gehalten“, erzählt er. Für ihn selbst war es immens wichtig die deutsche Sprache so zu sprechen, dass er sich gut verständigen kann, aber vor allem auch dadurch die deutsche Kultur und die Menschen kennenlernt. Beides ist ihm sehr gut gelungen. „Wie gesagt, dass ich das alles erreicht habe, habe ich Menschen zu verdanken, die mich so unterstützt haben und immer noch für uns da sind“, so Hashemi.

Seit einiger Zeit übt er auch seinen ersten Beruf aus: als Näher. „In der Familie bin ich derjenige, der alles flickt und näht“, lacht er und fügt hinzu: „Beim Kochen sieht es allerdings sehr schlecht aus. Das wäre nur Lebensmittelverschwendung. Da ist meine Frau perfekt darin.“ Esmat Hashemi näht für die Firma Vanstuff Thermo- und Wetterschutzcover, für die Weiseenseer Trachtler die Schürzen und Unterröcke, bessert Kleidungsstücke aus und näht fast alles außer Sakkos. „Da bin ich nicht geübt darin. Dafür kann ich Dirndl nähen , Hosen, Kleider, Jacken und was man so braucht, um gut auszusehen“, beschreibt Hashemi seine Tätigkeit.

In seiner Nähstube hat er eine professionelle Nähmaschine, die er sich gekauft hat. Ganz am Anfang seiner Selbständigkeit nähte er Mundschutzmasken. „Eine gute Freundin meinte, dass wir das machen sollten. Dass es so gut angenommen wird, hätte ich nicht gedacht.“ Der Familienvater arbeitet als Servisekraft und als Schneider. „Ich mag meine beiden Berufe. Es macht mir Spaß. Als Hotelfachmann habe ich ständig mit Menschen zu tun und als Schneider darf ich kreativ sein. Es ist eine wunderbare Lösung. Besser kann ich es nicht haben.“

info@esmats-naehwerkstatt.de
www.esmats-naehwerkstatt.de

Text · Foto: Sabina Riegger

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