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Falger-Werke wieder in Elbigenalp

Zwölf Kunstwerke des Lechtaler Malers Johann Anton Falger (1792–1876) wurden in der vergangenen Woche wieder der rechtmäßigen Eigentümerin, der Gemeinde Elbigenalp, übergeben. 77 Jahre befanden sie sich im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck. Die kleinformatigen Werke Falgers waren gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Leihgabe an das Volkskunstmuseum nach Innsbruck übergeben worden. Dort sollten Kopien angefertigt werden – was bei einigen auch tatsächlich erfolgte. Aufzeichnungen über die genauen Umstände der Leihgabe ließen sich zwar keine mehr finden, der Stempel auf der Rückseite der Originale weist aber das 1887 gegründete Falger-Museum eindeutig als deren Besitzer aus.

Das Falger-Museum wurde im Jahr 2015 als Wunderkammer in Elbigenalp, dem Geburtsort des Künstlers und Universalgelehrten, wiedereröffnet. Groß war die Freude bei Wunderkammer-Vereinsobmann Peter Friedle und Elbigenalps Bürgermeister Markus Gerber, zwölf Objekte aus dem ursprünglichen Falger-Museum heimholen zu können. Gemeinsam mit den beiden Museums-Mitarbeiterinnen Daniela Wasle und Mathilde Schlichtherle-Frey waren sie am vergangenen Donnerstag in die Landeshauptstadt gereist, wo ihnen Karl C. Berger, Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums sowie Roland Sila, Leiter der Bibliothek im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, die Kunstwerke übergaben. Seit ihrer Gründung steht die Wunderkammer mit den Tiroler Landesmuseen in freundschaftlicher Verbindung und guter Zusammenarbeit. So ist auch derzeit ein Gemälde aus den Beständen des Ferdinandeums in Elbigenalp zu sehen, das Josef Anton Falger mit seiner Ehefrau und den gemeinsamen Kindern zeigt. Mit der Rückgabe der zwölf Falger-Werke schenkte das Landesmuseum der Wunderkammer zudem sechs Bücher, die aus dem Besitz Falgers stammen und im Rahmen einer Schenkung in die Bestände der Bibliothek des Ferdinandeums aufgenommen wurden. Dabei handelt es sich um Goethes gesammelte Werke. Falger soll seinerzeit stolz darüber berichtet haben, während seiner Zeit in Weimar persönlich auf Goethe getroffen zu sein.

Johann Anton Falger wurde am 9. Februar 1791 in Elbigenalp geboren. Nachdem er sich vom Maler Karl Selb in Stockach unterrichten ließ, begann er mit 18 Jahren eine Ausbildung zum Historienmaler an der Königlichen Akademie in München. Später arbeitete er als Lithograf in Weimar, ehe er 1821 wieder nach München zurückkehrte. Von dort aus unternahm er viele Reisen in seine Heimat. Zehn Jahre später ließ er sich endgültig wieder im Lechtal nieder und errichtete 1835 in seinem Haus eine Zeichenschule – aus der später die heute noch bestehende Schnitzschule hervorgehen sollte. Sein soziales Engagement für Schule und Kirche brachte ihm den Beinamen „Vater des Lechtales“ ein. Bekannt wurde Falger darüber hinaus als Maler des Totentanzes und Verfasser der „Lechtaler Chronik“, einer bis heute bedeutenden kulturgeschichtlichen Quelle im Bezirk Reutte.

Die zwölf Werke Falgers zeigen volkskundliche Szenen sowie Genreszenen aus dem Lechtal: Zu sehen sind etwa die Ansicht einer Stube, ein Almabtrieb oder auch eine Schützenkompanie. Vonseiten des Ferdinandeums gelten zwei der Werke als besonders beachtenswert: Zum einen kombiniert Falger im Bild „Die Eierprobe“ ein Lechtaler Motiv mit einer niederländischen Grafik. Zum anderen verwendete er für seine Darstellung eines Pustertaler Paares ein Pergament, auf dem sich ursprünglich eine Urkunde aus der Zeit um 1500 befunden hat.

Zu sehen sind die zwölf heimgekehrten Werke Falgers erstmals bei der Finissage der aktuellen Sonderausstellung am 15. Oktober 2023 im Rahmen der „Langen Nacht der Museen im Außerfern und Allgäu“.

Text · Foto: Magdalena Winkler

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