Menschen

Lebensbegleitung
In Würde leben bis zuletzt

Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal mit Ihren Großeltern, Eltern, Geschwistern, Kindern oder engen Freunden über das Sterben gesprochen? Und haben Sie das Gespräch jemals mit sich selbst geführt? Eines wissen wir sicher: Wir werden sterben. Und doch trifft viele Menschen die Nachricht, dass für sie diese letzte Lebensphase begonnen hat, ganz unvorbereitet. Andere setzen sich mit dem Sterben – dem eigenen und dem ihrer Nächsten und Liebsten – lange und intensiv auseinander. Der Tod und das Sterben sind in unserer Gesellschaft noch immer Tabuthemen.

Die britische Ärztin, Krankenschwester und Sozialarbeiterin Cicely Saunders gründete 1967 die moderne Hospizbewegung. Sie entwickelte Grundlagen einer ganzheitlichen Betreuung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen. Saunders begriff das Sterben als Teil des Lebens. Sie setzte sich für Lebensqualität und Selbstbestimmung auch im letzten Lebensabschnitt ein. In den 80er-Jahren fasste die Hospizbewegung auch in Deutschland Fuß.

Seit 15 Jahren gibt es auch in Füssen einen Hospizverein. „Hospiz-Begleitung ist Lebens-Begleitung – nicht Sterbe-Begleitung!“ Unter diesem Motto begleitet der Verein Schwerstkranke, entweder zu Hause, in der Kurzzeitpflege, im Krankenhaus oder im Alten- und Pflegeheim. Da aber etliche Mitarbeiter aus der Anfangszeit stammen, sucht der Hospiz-Verein neue, zusätzliche Hospiz-Begleiter. Der nächste Ausbildungskurs beginnt im nächsten Jahr. Zwar kann die Vereins-Vorsitzende Katrin Heller-Breer schon im Oktober drei Männer und sieben Frauen im Team willkommen heißen. Nach 140 Stunden Ausbildung und 30 Stunden Praktikum können sie nun ihren ehrenamtlichen Dienst als Begleiterinnen und Begleiter aufnehmen. Katrin Heller-Breer ist Vereinsvorsitzende. Bei der jüngsten Jahresversammlung wurde Anke Hoffmann als stellvertretende Vereinsvorsitzende gewählt.

Beide Frauen sind auch als zwei von rund 50 Hospiz-Begleitenden aktiv tätig. Welchen Hintergrund haben die Hospiz-Begleitenden? Katrin Heller-Breer beispielsweise war Managerin in einem Verlag, bevor sie nach ihrem verstorbenen Mann zur Hospizarbeit gefunden hat. Hoffmann ist hauptberuflich Projektleiterin, unter anderem auch in der Entwicklungsarbeit. Hier vor Ort in der Hospizarbeit arbeiten will sie „einfach, weil´s mir gut tut“.

So bringen auch die übrigen Mitarbeitenden unterschiedlichste Hintergründe mit. Für alle ehreanamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist Hospiz ein Konzept, eine Haltung, eine Einstellung. Da-Sein für den Kranken, Zuhören-Vorlesen-Musik hören, schöne Erinnerungen aufleben lassen, aber auch nahe sein, Geborgenheit schenken, den Weg der Krankheit in seinem Auf und Ab mitgehen und auch: Mit dem Betroffenen schweigen, die Stille aushalten. Auch Unterstützung und Beratung der Angehörigen gehört zur Tätigkeit, nicht jedoch pflegerische Hilfen. Und wenn die Familie über den Tod hinaus begleitet werden möchte, dann tritt einer der sechs Trauer-Begleiter in Aktion.

Die einzig stationäre Hospiz-Begleitung wird wohl künftig im Seeger Caritas-Zentrum errichtet werden. Bei diesem Vereins-Projekt wird ein 2-Raum-Appartement integriert werden, damit auch Begleitende Platz finden. „Das Hospiz-Zimmer in Seeg wird kommen“, zeigt sich Heller-Breer hoffnungsvoll. Denn es wird weitum die einzig stationäre Einrichtung sein, die nächsten finden sich in Kempten, Augsburg und München. Fördervoraussetzung für ein stationäres Hospiz wäre nämlich, dass es ein Einzugsgebiet von einer halben Million Menschen aufweist, dann könnte die geforderte Mindestzahl von acht Betten gebaut werden. An diesem Besispiel wird deutlich: Die Hospizbewegung hat hierzulande noch immer einen weiten Weg zu gehen.

Neben Hospiz- und Trauerbegleitung bietet der eingetragene Verein „Hospiz Südliches Ostallgäu“, wie er offiziell heißt, weitere Hilfen an. So gibt es den sogenannten Letzte Hilfe-Kurs, der sozusagen „das kleine 1×1 der Sterbebegleitung“ vermittelt. Und einmal im Monat, jeweils am letzten Sonntagnachmittag, kann sich jeder und jede ohne Anmeldung im „Trauercafé Lichtblick“ einfinden. Ohne Anmeldung und kostenfrei kann man sich da von 15 bis 17 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in der Füssener Kirchstraße mit anderen Menschen austauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Alle diese Dienstleistungen werden ehrenamtlich und kostenfrei erbracht. Daher ist der Verein sowohl an neuen Mitarbeitern als auch an fördernden Vereinsmitgliedern interessiert, wobei die Höhe des Mitgliedsbeitrages dem Einzelnen überlassen bleibt.

INFO
Was machen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter?

  • Sie begleiten und betreuen Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige sowohl im ambulanten wie auch im stationären Bereich.
  • Sie entlasten und unterstützen die Angehörigen bei der Betreuung der Patienten.
  • Sie können ein guter Zuhörer und Gesprächspartner sein.
  • Sie nehmen am alltäglichen Leben der Schwerstkranken teil.
  • Sie können bei Spaziergängen, Arztbesuchen, Einkäufen, die Patienten begleiten und ihnen Hilfestellungen praktischer Art im Alltag geben.
  • Sie geben den Sterbenden Zuwendung und zeigen so, dass sterbende Menschen und deren Angehörige zu uns und unserer Gesellschaft gehören.
  • Sie sind offen für Wünsche & Bedürfnisse der Betroffenen.
  • Sie sind eine Ergänzung zu den schon bestehenden Fachdiensten und übernehmen daher keine Pflege oder Hausarbeiten.

Neue Hospizbegleiter-Ausbildung ab April 2023

Die Sekretärin und eine der drei Teilzeit tätigen Koordinatorinnen des Hospiz-Vereins Füssen sind ständig erreichbar über Telefon 08362/9288388 , E-Mail: kontakt@hospiz-fuessen.de oder
www.hospiz-fuessen.de

Spendenkonto
Hospiz Südliches Ostallgäu e.V.
Bank: Sparkasse Allgäu
IBAN: DE66 7335 0000 0310 4615 61
BIC: BYLADEM1ALG

Text: Anton Reichart, rie · Fotos: Anton Reichart

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"