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Ein guter Ort, um auf die Welt zu kommen

Seit zehn Jahren leitet Dr. Winfried Eschholz die Geburtsstation der Füssener Klinik

Mal sehen, wieviele es heuer werden. Waren es nämlich 2012, als Dr. Winfried Eschholz die Leitung der Geburtsstation im Klinikum Füssen übernommen hatte, noch 296 Geburten, hat sich die Zahl der in der Lechstadt neu auf die Erde gekommenen Bürger mit einer kleinen Ausnahme im Jahr 2013 von da an stetig gesteigert. 2021 waren es sogar 452, was eine Rekordzahl in Füssen darstellt und damit ein eindeutiger Beleg dafür ist, dass es wohl richtig war, die Geburtsstation vor zehn Jahren trotz mancher damaliger, gegenteiliger Überlegungen nicht zu schließen. So wurde die Station eben aufrecht erhalten, die heute „eine Alternative vor Ort für Menschen mit Anspruch“ ist, wie Dr. Eschholz erklärt. Das „anspruchsvolle Klientel“, das die Geburtsstation der Füssener Klinik aufsucht, schätzt dabei nicht nur die „ruhigere Atmosphäre“, als sie etwa in Kempten herrsche, sondern auch die gute Infrastruktur im Haus hoch über dem Ufer des Lechs. Seit dem Umzug aus dem zweiten Stock des Krankenhausaltbaus ins Erdgeschoss des wenige Jahre alten Neubaus befindet sich nun vom OP über die Intensivstation bis zur Geburtsstation „alles auf einer Ebene“, freut sich der 61-jährige Gynäkologe.

Bei der Erweiterung des gesamten Hauses wurde auch die Geburtsstation selber vergrößert, wodurch sie aktuell über einen Kreißsaal mit zwei Geburtsräumen verfügt, die wiederum ein unmittelbar angrenzendes Bad haben. Während dabei ein Geburtsraum eine kleine Badewanne besitzt, steht im anderen Geburtsraum eine Gebärwanne, die eine Geburt im Wasser ermöglicht. Darüber hinaus gehören zehn freundlich und gemütlich eingerichtete, helle Zimmer mit neuen Betten zur Station, die aber auch für andere Abteilung zugänglich sind. „Alles wurde modernen Erfordernissen angepasst und auf den neuesten technischen, medizinischen Stand gebracht“, betont Dr. Eschholz, der Chef von insgesamt acht Ärzten und fünf Hebammen ist, die auf der Geburtsstation arbeiten. Die Hebammen scheinen dabei die Wichtigeren zu sein, weil man in Deutschland „Geburtshilfe ohne Hebammen nicht machen“ darf, während sie ohne Arzt erlaubt ist. Das Geburtshilfe-Team des Füssener Klinikums kümmert sich indes ohnehin in erster Linie um ganz normale Geburten, da Früh- sowie andere mögliche Risiko- oder Problemgeburten in Füssen nicht betreut, sondern an Krankenhäuser mit Kinderkliniken verwiesen werden. Drillinge sind daher unter der Leitung der Station von Dr. Eschholz nicht geboren worden, Zwillinge jedoch schon. Auch wenn sogenannte Wunschkaiserschnitte in der Füssener Geburtsstation zwar möglich sind, empfiehlt Dr. Eschholz sie nicht, da ein Kaiserschnitt „in der Regel ein Notfall“ ist und vor allem für Kinder Nachteile mit sich bringt. Demzufolge beläuft sich die Zahl der Kaiserschnitte in Füssen auf unter 30 Prozent, unterstreicht der im hessischen Limburg geborene Mediziner, der seit 1986 Frauenarzt ist.

In puncto Geburten spiegelt sich in Füssen auch in etwa die allgemeine Bevölkerungsstruktur der Stadt wider, die sich aus rund 90 Nationalitäten zusammensetzt. Wassergeburten waren dabei ein Trend, der momentan wieder abflaut, wogegen das durchschnittliche Gewicht der neugeborenen Kinder in den vergangenen Jahren kontinuierlich „um ungefähr 500 Gramm“ ebenso zugenommen hat wie das Durchschnittsalter der Mütter. Demnach liegt dies derzeit bei „über 30 Jahren“ und die älteste Mutter, die unter Dr. Eschholzs Leitung der Geburtsstation ein Kind zur Welt brachte, war bereits 46 Jahre. Und schließlich gab es auch schon mehrere Frauen, die in den zurückliegenden zehn Jahren mehrmals in Füssen Mädchen oder Jungs geboren haben, die sich diesbezüglich prozentual die Waage halten. Dabei steht der Rekord bei sechs, was wohl ganz besonders belegt, wie gut es war, die Füssener Geburtsstation vor zehn Jahren nicht dichtzumachen.

Text · Foto: Alexander Berndt

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