Essen & TrinkenLeben

Gewürze

Viel mehr als nur feine Backzutaten!

Ja, kaum zu glauben, am 28. November diesen Jahres ist schon wieder der 1. Advent! Klar, dass uns hier als Allererstes das Weihnachtsgebäck einfällt, das aber eben nicht nur so gut schmeckt, sondern aufgrund seiner speziellen Gewürze positive Wirkungen auf unseren Körper haben kann. Nein, Sie sollen selbstverständlich nicht riesige Mengen von Vanillekipferln konsumieren, um diesen guten Effekt zu haben, aber ich möchte Ihnen gerne die interessanten Inhaltsstoffe nahebringen, die diese Pflanzen, die zu bestimmten Zeiten fast schon mit Gold aufgewogen wurden, in sich haben.

Ich persönlich bin jetzt kein so großer Freund von Süßspeisen, aber was ich immer sehr geliebt habe, war die Vanille (Vanilla planifolia), eine Orchideenart. Lange vor der Entdeckung Amerikas kamen die Azteken und Tolteken in den Genuss dieses Aromas. Sie würzten mit „vaynilla“, so das atztekische Wort für „Schötchen“ ihre Speisen und vor allem ihre ungesüßten (!) Kakaogetränke und -breis, “chocolatl“ genannt, dem Vorläufer unserer heutigen Schokolade. Auch der Einsatz von Vanilleschoten als Parfüm war üblich, so dass man sich dort stets unter wohl riechenden Menschen bewegte. Außerdem galt und gilt auch noch heute dieser Duft als pflanzliches Aphrodisiakum, also der Liebe zuträglich. So war es kein Wunder, dass der spanische Eroberer Hernandes Cortéz, der als erster Europäer an Montezumas Hof diesen köstlichen Trank genießen durfte, von dieser angenehmen Pflanze so begeistert war, diese mit in sein Land brachte. Was er allerdings nicht bedacht hatte: Der Anbau konnte in unseren Breiten nur sehr schlecht funktionieren, nur Mexico blieb lange der einzige Vanillelieferant der Welt. Erst im 19. Jahrhundert kam man genauer hinter das Geheimnis – in vielen anderen Gebieten fehlten die Kolibris und eine bestimmte Bienenart als natürliche Bestäuber. Da man diese nicht so einfach zum Umzug bewegen kann, behalf man sich mit künstlicher Befruchtung. Dazu wurden eigens Arbeiter eingestellt, die von Blüte zu Blüte eilten und in jede eine Art Rüsselattrappe in Form eines zugespitzten Bambusstäbchens steckten. Was für eine Mühe! Mittlerweile haben sich jedoch die deutlich billigeren und schnelleren Vögel und Insekten wieder durchgesetzt, die es ja in allen ursprünglichen und neuen Anbauländern gibt.

1874 gelang es dann, das Vanillin, einen Hauptinhaltstoff der Vanille, synthetisch herzustellen, worauf die natürliche Produktion der Pflanze stark zurückging. Es wird aus der Ligninsulfonsäure, einem Abfallprodukt der Papierindustrie gemacht und hat den Ruf, gesundheitsschädlich zu sein. Heute wächst Vanille nach wie vor in Mexiko, auf den sog. „Vanilleinseln“ Réunion, Mauritius und Madagaskar sowie auf Hawaii, Java, den Seychellen und Sri Lanka. Nach der Ernte werden die noch gelben Früchte getrocknet und fermentiert. Bei diesem Vorgang färbt sich die Schote dunkelbraun und entwickelt erst dann das ihr eigene typische Aroma. Dass das aufgrund des schon etwas mühsamen Prozesses nicht so ganz billig sein kann, Vanillin kostet nur ein Fünftel, versteht sich eigentlich von selbst, denn hier entsteht eine Komposition aus annähernd 200 (!) miteinander harmonisierenden Einzelsubstanzen.

Was mich aber an der Vanille so beeindruckt, ist ihre Wirkung als Heilmittel. In alten Lehrwerken des 18. Jahrhunderts werden ihre Anwendungen noch relativ häufig beschrieben, sei es als Aufguss, Abkochung, Tinktur oder in Pulverform. Davon ist leider außer in der Aromaheilkunde und der Homöopathie nicht mehr allzu viel übrig geblieben! Das bekannteste Einsatzgebiet war sicher die zur allgemeinen Kräftigung des Organismus und zur Belebung der Geschlechtsorgane, zur Anlockung eines Partners und zur Steigerung der Liebeslust. Schon die Indianerinnen im alten Südamerika rieben sich gerne damit ein, um ihre erotische Anziehungskraft zu steigern.

Aber es gibt noch andere sehr interessante Dinge: denn die stärkste Heilwirkung soll die Vanille bei Pilzbefall aufweisen. Ihre fungiziden (pilztötenden), antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften können daher bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Ekzemen hilfreich sein. Fertige wirkungsvolle Salbenpräparate kenne ich persönlich jetzt so nicht, nur Kosmetika, aber in eine neutrale Grundlage eingearbeitet oder tröpfchenweise als Badezusatz ist es ganz sicher machbar. Sehr positiv ist die echte Vanille auch bei strapazierten Nerven, Angstzuständen, depressiven Verstimmungen und Schlafstörungen z.B. mit Hilfe der Aromatherapie in einer Duftlampe. Aber bitte immer darauf achten, dass es kein synthetisches Produkt ist!

Bei Schwangerschaftserbrechen in den ersten 3 Monaten soll Vanilleeis sehr gut helfen, hier empfiehlt es sich dann doch, es selbst herzustellen, damit man auch weiß, was enthalten ist. Derzeit ist man außerdem noch dabei, die Wirkung der Vanille bei ernsten Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer auszutesten, denn bestimmte Wirkstoffe könnten evtl. sogar oxidative Prozesse in den Zellen und auch im Gehirn positiv beeinflussen. Wenn das nicht spannende Ansätze sind, die hoffentlich weiter verfolgt werden!

Anis (pimpinella anisum) aus der Familie der Doldenblütler
Schon die Griechen im klassischen Altertum hatten die Rezeptur für Anisbrot, einem Leckerbissen, der sich bis heute, insbesondere in Bayern, gehalten hat. Bei Ausgrabungen im Kolosseum in Rom entdeckte man Anisfrüchte, wohl gedacht als eine Art Snack, mit dem die Zuschauer der Gladiatorenspiele ihre Nerven beruhigen sollten! Im Mittelalter entwickelte sich der Anis zu einem der beliebtesten Gewürze. Er wurde sowohl in Haus- als auch in Klostergärten gerne angebaut und man erweiterte sein Würzspektrum auf Fleisch, Fisch,Geflügel sowie Gemüse und eingemachte Früchte. In Norddeutschland sind mit Anis gewürzte Bratäpfel geschätzt. Neben Gebäck kennen wir Anis natürlich auch in „hochprozentiger“ Form, sei es als Pernod oder Anisette in Frankreich, als Raki in der Türkei, als Ouzo in Griechenland oder als Allasch in Russland. Anisschnaps soll einfach immer nach einem üppigen Mahl der Verdauung zuträglich sein.

Aber seit etwa 2000 Jahren hat Anis auch einen festen Platz in der Heilkunde: Das ätherische Anisöl entkrampft den Magen und die Darmwände. Das 4-Winde-Öl, hier wird er gerne mit Fenchel, Koriander und Kümmel auf der Basis von Jojobaöl kombiniert, wird schon sehr lange angewendet, um bei Babies mit einer sanften Bauchmassage die aufgenommene Luft im Darm entweichen zu lassen. Sehr gut bei den sog. „Dreimonatskoliken“.

Und hier schließt sich tatsächlich wieder der Kreis zur Vanille: In manchen Gegenden wird Anis auch als Aphrodisiakum geschätzt. So brauten die Frauen ihren Männern im Herbst, als diese auf dem Feld die Ernte einfuhren, zur Stärkung anishaltige Getränke – ob es wohl geholfen hat? Auf jeden Fall ist er heute noch eine unerlässliche Zutat im Hochzeitskuchen.

Versprochen, nächstes Mal gibt es noch mehr Gewürze!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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