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Der neue „Surfclub im Königswinkel e.V.“

Surfen ist ein Naturerlebnis. Und es ist ein Gefühl von echter Freiheit, mit dem Wasser, den Wellen und dem Wind. Es lässt Sorgen für einen Moment vergessen, wenn die Haare wehen, die Augen leuchten und das Rauschen des Wasser zu hören ist. Man gleitet über das Wasser und es erscheint einem, als hätte man alles selber in der Hand. Surfen ist für manche sogar ein Lebensgefühl. Lange Zeit, so schien es, war die einstige Trendsportart unangefochten die Nummer Eins unter den Freizeitaktivitäten. Allerdings ist es um den Surfsport in den vergangenen Jahren eher ruhig geworden. Zu viele neue Alternativen, egal ob Out- oder Indoor, hatten dem Windsurfing schlichtweg den Rang abgelaufen. Im letzten Jahr allerdings hat das Surfen, wie unter anderem auch der Tennissport oder andere Einzelsportarten, durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wieder einen kleinen Aufschwung bekommen. Mit dem „Surfclub im Königswinkel e.V.“ hat sich im vergangenen Herbst sogar ein neuer Verein in der Region gegründet.

Die Geschichte des Windsurfens rund um Füssen

Dabei ist der neue Club nicht der erste seiner Art im Füssener Land. Immerhin wird der Sport mit einem „Surfboard mit Segel“, das erstmals 1968 in den USA patentiert wurde, rund um den Forggensee schon seit Mitte der Siebziger Jahre betrieben. Mit dem Windsurfing Club Schwangau-Füssen e.V., der im Jahr 1977 als einer der ersten Windsurfingvereine in Deutschland gegründet wurde, hatte man sogar einen Vorreiter, der seiner Zeit auch ein kleines Stück voraus gewesen ist. Bis zu 60 Mitglieder gehörten dem Verein zu seinen Glanzzeiten an. Urlaubsgäste und Touristen standen oft in Scharen am Ufer des Sees bei Waltenhofen, um den Surfern beim eleganten Gleiten über das Wasser zuzusehen. Die Ostallgäuer Brettsportler beteiligten sich auch an großen Wettbewerben. Sogar bei nationalen Meisterschaften fuhr man damals ganz vorne mit, ob am schwäbischen Bodensee oder auch im rheinländischen Zülpich. Einer der großen Höhepunkte in der Geschichte des Vereins war dabei ohne Zweifel die eigene Austragung einer offziellen Deutschen Meisterschaft am Forggensee. Im Lauf der Zeit und mit der Technisierung des Surfsports erlosch die Flamme des Schwangauer Vereins aber mehr und mehr, bis jegliche Aktivitäten schon vor vielen Jahren schließlich ganz eingestellt wurden.

Die Vorstandschaft

Nach der Gründung des neuen Surfclub im Königswinkel im letzten Speptember, wuchs die anfangs kleine Gruppe von Surf-Begeisterten schnell auf rund 50 Mitglieder an. Dabei stammen die Surfer nicht nur aus der Region um Füssen, auch Mitglieder aus Kempten oder Ulm haben sich dem Verein angeschlossen. „Dem Surfen verfallen sind wir alle gemeinsam schon seit Ewigkeiten“, erzählen die drei Vorstandsmitglieder Rüdiger Rumpel, Florian Seitz und Simon Toplak. „Mit der Gründung des Vereins wollten wir dafür sorgen, dass wir künftig etwas mehr Gewicht oder auch eine Art Lobby für diesen Sport haben.“ So konnte bisher durch Gespräche mit der Stadt Füssen unter anderem auch schon erreicht werden, dass ein geplantes Surfverbot am Weißensee nicht in Kraft tritt. „Generell wird hier nicht allzu viel für den Surfsport getan“, sagt Simon Toplak. „Mit dem neu gegründeten Verein wollen wir es auch der Jugend ermöglichen, einmal aufs Brett zu steigen und diesen Sport kennenzulernen. Dafür wollen wir auch das nötige Material anschaffen. Auch drei ausgebildete Surflehrer haben wir mittlerweile bei uns im Verein. Wir möchten einfach wieder mehr Menschen für diesen Sport begeistern.“

Immer auf der Suche nach dem perfekten Wind im Land

Gesurft wird vornehmlich an drei Seen der Umgebung, dem Hopfen-, Forggen- und Weißensee. Je nachdem, wo der Wind gerade am besten ist. Als guter Surfer, der immer auf der Suche nach den perfekten Windverhältnissen ist, wird man schließlich auch schnell zum lokalen Hobbymeteorologen. So funktioniert der Hopfensee aus Sicht der Sportler sehr gut bei West- und Nordwestwind und der Forggensee bei Ostwind und Föhnsturm. In den frühen Morgenstunden bietet dagegen der Weißensee eine wunderbare Thermik. Eigenschaften wie Ehrgeiz, Ausdauer und Energie sind dabei Grundvoraussetzungen, dazu ein gutes Körpergefühl und Balance. Während früher nur einfache Regatten gefahren wurden, stehen heute, neben dem klassischen Windsurfing, auch Disziplinen wie Slalom und Speedsurfen auf dem Programm. „Hier hat sich sehr viel verändert und wir möchten einfach wieder mehr Menschen für das Surfen begeistern“, so die drei Vorstandsmitglieder. „Es ist nicht nur der Sport und die Naturverbundenheit, die es ausmachen, es ist auch das tolle Gemeinschaftsgefühl untereinander.“

Fusion der beiden Vereine

Den alten Windsurfingclub Schwangau-Füssen e.V., der mittlerweile aufgrund mangelnder Aktivitäten kurz vor seiner Auflösung steht, will der neugegründete Surfclub im Königswinkel nun eventuell in seinen integrieren. Erste Bestrebungen und Gespräche dazu gibt es bereits, um den alten Verein nicht ganz aussterben zu lassen. Dies würde auch bedeuten, dass dem neuen Verein, neben einem kurzen Strandstück am Strand des Hopfensees und dem Zugang am Weißensee, künftig ein weiteres Clubgelände in Schwangau Waltenhofen zur Verfügung stehen würde. Für den neuen Surfverein im Königswinkel wäre das auch schon ein nächster großer Meilenstein in seiner noch sehr jungen Geschichte.

Text: Lars Peter Schwarz · Fotos: Simon Toplak

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