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…Und es geht weiter

Mehr als ein halbes Jahrhundert Geschichte

Seit über 60 Jahren sind sie vor Ort und auch gleichzeitig der älteste Getränkebetrieb in Füssen. Andreas Eisenschmid führt seit dem 1. Januar 2021 den Familienbetrieb, den sein Urgroßvater in Oberhausen, in der Nähe von Weilheim, kurz nach dem zweiten Weltkrieg gegründet hat. Seit vier Generationen sind sie für die Kunden da.

Der 33-Jährige kann sich noch an die Zeiten im Kindergarten erinnern, als er sich mit einem Sackkarren, aufgeladen mit Getränkekisten, gemalt hat. „Für mich war das klar, dass ich diese Arbeit machen werde, weil ich es einfach wollte.“ Doch so einfach, wie er sich das vorgestellt hat, ging es dann doch nicht. Sein Vater bestand darauf, dass er vorher eine Ausbildung macht. Das tat der Füssener auch. Seinen Gesellenbrief als Anlagenmechaniker hat er in der Tasche.

Die selbstgemachte Limonade, die Johann Eisenschmid braute, hieß „Alpenperle“, und wurde in längliche Glasflaschen mit Bügelverschluss abgefüllt.

Heute blicken Vater und Sohn zurück auf die längst vergangenen Zeiten, als Urgroßvater und Großvater, die beide Johann hießen, noch selbstgemachte Limonade brauten. Die „Alpenperle“, so hieß sie, wurde in längliche Glasflaschen mit Bügelverschluss abgefüllt. Dass der Getränkebetrieb in Füssen ist, hat Andreas Eisenschmid seinem Opa zu verdanken. „Weil er sich eine breitere Kundschaft wünschte, zog es ihn in die Stadt mit dem größten Touristenbetrieb der Umgebung: Füssen fand er ideal und ließ sich dann in der Glückstraße nieder.“ 46 Jahre war Johann Eisenschmid der Mann an vorderster Stelle, bis er den Betrieb an seinen Sohn Werner übergab. Doch so ganz konnte er vom Betrieb nicht loslassen, schließlich verbrachte er mehr als sein halbes Leben darin. „Er genoss den Kontakt zu seinen Kunden, den kleinen Plausch, das gewisse Etwas, das sie miteinander verband. Seine Arbeit war sein Hobby“, beschreibt Werner Eisenschmid seinen Vater. Auch er mag das, den Kontakt mit den Kunden, die Gespräche, das vertrauensvolle Miteinander. Manches hat er von seinem Vater Johann übernommen, so wie die Tour ins Oberbayerische, nach Forst. „Die Tour ist etwas ganz Besonderes. Ich kenne die Menschen, die Bauernhöfe und freue mich einfach nur darauf“, so Werner Eisenschmid. Alle zwei Wochen fährt der begeisterte Motorradfahrer nach Forst. Es ist eine gemütliche Fahrt, ohne Stress und ohne Eile.

24 Jahre leitete Werner Eisenschmid das Geschäft. Dass er das mal machen würde, war nicht selbstverständlich. Im Gegenteil. Als Koch kam er viel rum, beinahe auch nach Stockholm. Dort hatte er schon eine feste Arbeitsstelle. Doch es kam alles anders als geplant. Bereut hat es der 63-Jährige nie, warum auch. Füssen ist eine lebenswerte Stadt, und die Landschaft bietet so viele Freizeitmöglichkeiten, vorausgesetzt man kann sie genießen so wie Werner Eisenschmid. Langweilig wird es ihm nicht. Deswegen war es für ihn auch kein Problem, den Betrieb seinem Sohn Andreas zu übergeben. „Er hat ja schon die letzten Jahre die Büroarbeiten gemacht und die Digitalisierung voran gebracht. Das ist nicht so mein Ding“, erzählt der Füssener lachend. „Jetzt bin ich der Angestellte, und das ist gut so.“

Andreas und Pia Eisenschmid haben am 30. April geheiratet.

Dass Vater und Sohn zusammenarbeiten können, ist nicht immer selbstverständlich. Bei den Eisenschmids schon. Manchmal genügt nur ein Blick oder eine Geste, um zu wissen, wie der andere gelaunt ist oder auf welches Gespräch sich keiner einlassen will. Man kennt sich – so einfach ist das. Obwohl sie den ganzen Tag zusammenarbeiten und auch in einem Haus leben, gibt es genügend Freiraum für jeden. Es ist eben ein Familienbetrieb. „Und das ist gut so“, meint Andreas Eisenschmid, der erst vor kurzem geheiratet hat.

Wenn man den jungen Geschäftsmann fragt, was das Besondere an seiner Arbeit ist, muss er nicht nachdenken. „Es ist der Kundenkontakt, das gegenseitige Vertrauen“, sagt er ernst. Er weiß, wie wichtig diese Komponenten in dieser schnelllebigen Gesellschaft sind. Wahrscheinlich ist es genau das, warum Kunden eine Beständigkeit und Authentizität brauchen. „Wir haben Familien, die schon bei meinem Urgroßvater Kunden waren. Sie oder wir sind mit ihnen mitgewachsen“, erzählt Andreas Eisenschmid. Vieler seiner Kunden sind Stammkunden. Manche kennt er schon aus seiner Kindheit. „Wir sind da, wenn es um Getränke geht. Angefangen in unserem Getränkemarkt bis zum Getränkeautomaten, unserem Lieferservice bis nach Hause und von der Gastronomie bis zum Vereinsfest“, beschreibt er die Vielfältigkeit seiner Arbeit. Und die Getränke, die er vielleicht nicht in seinem großen Lager hat, werden bestellt.
Jetzt könnte man meinen, dass Vater und Sohn Rückenprobleme haben. Immerhin tragen sie tagaus und tagein schwere Getränkekisten. Und nicht alle Häuser haben nur Erdgeschosse. „Nein, wir bewegen uns richtig und viel. Im Gegenteil, für uns ist es eher ein kostenloses Fitnessprogramm“, sagt Andreas Eisenschmid, der in seiner Freizeit Tennis spielt und Motorrad fährt. Mit seinem beruflichen Werdegang ist er zufrieden. Sein Vater auch. Er konnte den Betrieb an die vierte Generation übergeben. „Es ist ein Glück, wenn man das kann“. Wichtig ist aber nicht, wer von den beiden Eisenschmid-Männern auf dem Papier das Sagen hat, sondern ein harmonisches und vertrauensvolles Miteinander, bekräftigen beide.

Text · Foto (2): Sabina Riegger · Foto: privat(1)

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