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Wir haben viel mehr zu zeigen

Roberta Sampieri aus Füssen ist die erste zertifizierte Europa-Gästeführerin in der Region

„Das größte Kompliment ist es, wenn die Gäste wieder kommen, weil sie neugierig geworden sind und noch mehr erfahren wollen.“ Für Magister Roberta Sampieri-Metschke bedeutet eine Gästeführung viel mehr, als nur das Verknüpfen von wichtigen Orten und Sehenswürdigkeiten innerhalb einer relativ kurzen Zeit. Es geht darum, die Geschichte, die dahinter steckt, zu vermitteln und zu verinnerlichen, um Emotionen und Interesse zu erzeugen, was letztendlich auch zu dem Ansehen eines Reiseziels beiträgt. Seit gut 14 Jahren lebt sie in Füssen und arbeitet als freie Gästeführerin, unter anderem auch für Füssen Tourismus.

Die gebürtige Norditalienerin verbringt bereits mehr als die Hälfte ihres Lebens in Bayern, studierte in Nürnberg Germanistik, Italianistik und Pädagogik und arbeitete für Audi in Ingolstadt oder BMW in München. Zum Tourismus und auch in die Lechstadt kam die Mutter von 16-jährigen Zwillingen eher auf Umwegen, bedingt durch den Beruf ihres Mannes, durch den die Familie öfters umzog. „Nach meiner Babypause bewarb ich mich bei Füssen Tourismus, die damals Bedarf an italienisch sprechenden Führern hatten“, erzählt sie. „Dann habe ich immer mehr über die Geschichte der Stadt dazugelernt und schließlich neben Gästen auch Journalistengruppen geführt. Es macht mir unglaublich viel Spaß, den Gästen die Juwelen und Perlen der Stadt zu zeigen.“ So hat Roberta Sampieri immer mehr Fuß gefasst, arbeitete als Schlossführerin in Hohenschwangau und konnte ihren Wirkungskreis mit der Zeit nach und nach vergrößern. Längst ist es für sie zu einer Leidenschaft geworden, den Menschen die Sehenswürdigkeiten, wie auch die Kultur und Geschichte der Region näher zu bringen. Mit ihrem Lebensort Füssen verbindet sie eine geschichtliche Gemeinsamkeit, denn auch ihre Heimatstadt Feltre liegt an der alten römischen Straße Via Claudia Augusta.

Mit verschiedenen Programmen in italienisch, deutsch oder englisch führt sie Touristen durch die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, Linderhof oder Herrenchiemsee. Ebenso bietet sie Führungen in Füssen, Schwangau, Lindau, Kempten, Oberammergau oder Garmisch-Partenkirchen an, besucht mit ihren Gästen den Chiemsee mit Frauen- und Herreninsel, den Starnberger See mit seiner Roseninsel oder auch die Wieskirche sowie das Kloster Ettal. „Oft werden aber auch ganz individuelle Programme zusammengestellt, je nachdem, was die Gäste sehen wollen oder welche Interessen sie haben. Das können Naturerlebnisse sein, Sportstätten oder Kirchen und historische Stätten.“ So ist die 47-Jährige nicht nur für Führungen von wenigen Stunden im Einsatz, oft dauert ein Programm auch über einen oder gleich mehrere Tage und Orte hinweg. Ihre Leidenschaft hat sie zum Beruf gemacht.

Seit wenigen Monaten gehört Roberta Sampieri als zertifizierte Gästeführerin nach DIN EN-Richtlinien, dem Europäischen Standard in der Gästeführer-Ausbildung, dem Bundesverband der Gästeführer in Deutschland an. Strenge Qualitätsmerkmale, wie Rethorik, Sprachfähigkeiten oder Sach- und Fachwissen werden hierfür gefordert. Die Qualifizierung umfasst mindestens 600 Stunden modulare Ausbildung, die je nach den Bedürfnissen der Region und der beruflichen Situation flexibel gestaltbar ist. In ihrer Prüfung referierte sie über die Themen Lauten- und Geigenbau, Johann Jakob Herkomer in Füssen. „Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, bei der Vermittlung von Kultur und Geschichte ein hohes Maß an Qualität anbieten zu können. Denn leider bleiben nur etwa rund zehn Prozent im Gedächtnis hängen. Hier geht es um Emotion, um Farben und persönliche Erfahrungen, die man abspeichert.“ Ihr Studium in Pädagogik kommt ihr dabei auch heute wieder zugute, nicht nur beim Vermitteln von Geschichte und Kultur. Denn seit einiger Zeit ist sie nebenberuflich auch als pädagogische Kraft im Kindergarten St. Gabriel in Füssen tätig.

Text: Lars Peter Schwarz· Foto: privat

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