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Ganz schön fern und doch so nah

Die kommenden Präsidentschaftswahlen am 3. November sind gleichzeitig auch emotionale Wahlen

Am 3. November finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt. Dafür dürften sich dann auch in Füssen und seiner Umgebung lebende US-Amerikaner interessieren, die dazu etwa per Briefwahl ihre Stimme abgeben können. Diese Art zu wählen unterscheidet sich dabei ein wenig von der Briefwahl hierzulande. So ist die Briefwahl zwar in jedem US-Bundestaat möglich, während sie in manchen Staaten jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft ist und nicht jeder die entsprechenden Unterlagen beantragen kann. Beispielsweise sind die Hürden für die Briefwahl in Alaska ziemlich hoch, da man dort einen Führerschein oder Personalausweis dafür benötigt, die nicht jeder US-Bürger besitzt. Zudem muss dort eine berechtigte Person die Briefwahl bezeugen. Währenddessen muss man in Alabama einen triftigen Grund, wie Krankheit oder einen Aufenthalt außerhalb der USA für die Briefwahl angeben, und in manchen US-Bundesstaaten müssen die Wähler für den Briefumschlag mit den Wahlunterlagen Geld bezahlen. Vollkommen bedingungslos ist die Briefwahl dagegen zum Beispiel in Florida sowie Kalifornien. Und in Washington, Hawaii, Oregon, Utah und Colorado werden die Wahlen nur noch mittels Brief abgehalten.

Alberto Cirilo hat die Briefwahl beantragt. Seine Briefwahlunterlagen sollten bis Ende Sptember da sein. Warum für den gebürtigen New Yorker besonders diese Wahl so wichtig ist, erläutert er in wenigen Sätzen: „Amerika war früher für alle Leute. Jetzt ist das sehr schwierig. Es ist katastrophal. Es sind mafiöse Strukturen und ein Rassismus ohnegleichen. Kalifornien brennt, der ganze Planet brennt und Trump interessiert nur das Geld.“ Cirilo, der sechs Brüder und eine Schwester hat, macht keinen Hehl daraus, dass er glücklich ist in Deutschland leben zu können. „Ich bin dankbar für die deutsche Mentalität, ich fühle mich hier sicher und auch der Umgang mit Corona ist hier gut.“ Alberto Cirilo macht sich viele Sorgen. Der Tänzer, Autor und Choreograph hat große Bedenken, „weil die Welt so chaotisch geworden ist. Ich hoffe, es kommt kein dritter Weltkrieg“, sagt er offen.

Nicht anders geht es Adriana Weisenbach. „Als Amerikanerin bin ich traurig über das Chaos, das über das Land herein gebrochen ist, seit Trump in das Oval Office eingezogen ist. Nach der Wahl hoffen wir auf ein vereintes Land mit einer Regierung, die respektvoll mit ihren Bürgerinnen und Bürgern, anderen Nationen und unseren demokratischen und republikanischen Werten und Institutionen umgeht. Wir wollen einen mitfühlenden Präsidenten als ein Symbol der Eintracht, einen warmherzigen Menschen, der für Positives und Liebe steht, nicht für Hass, für Hoffnung und nicht für Angst, einen Präsidenten der für Vertrauen steht und nicht für Unterdrückung. Unser Präsident soll ein Mensch sein, der transparent arbeitet, anderen Menschen zuhört und ihr Wissen und ihren Input zum Wohle des Landes nutzt, um das Land vorwärts zu bringen und niemand, der unprofessionelle, peinliche Statements tweetet.“

Suzanne Vorbrugg darf bei den am 3. November anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA zwar nicht ihre Stimme abgeben, dennoch interessiert sich die im US-Bundesstaat Ohio geborene Dolmetscherin, die seit mehr als 50 Jahren in Deutschland lebt, für den Showdown zwischen dem amtierenden Präsidenten Donald Trump von den Republikanern und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden „sehr“. Sie hat denn auch eine ganz klare Meinung dazu, wem ihre Sympathie bezüglich des Postens des höchsten Staatsamts der USA im Weißen Haus in Washington gehört. „Ich würde Biden wählen“, gibt Vorbrugg daher freimütig zu und gesteht ebenso offen, froh zu sein, nicht mehr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben. Schließlich hat sie den Eindruck, dass die USA „nicht mit ihren Problemen fertig werden“. Für Vorbrugg ist „der schlechte Bildungszustand“ das gravierendste Problem darunter. Bildung sei für sie „das höchste Gut für eine Demokratie“, und so betont sie: „Je höher die Bildung ist, desto besser ist die Demokratie.“ Die mangelhafte Bildungssituation in ihrem Mutterland spiele auch bei der derzeitigen Coronakrise eine große Rolle, betont Vorbrugg. Demnach rechnet sie im Zuge der Pandemie dort noch „mit 400.000 Toten“. Donald Trump gibt sie indes auch im Umgang mit anderen Schwierigkeiten in den USA, wie den kürzlichen Waldbränden sowie der polizeilichen Gewalt gegen Afroamerikaner, keine guten Noten.

Vor etwa fünf Jahren lebte sie noch in Füssen, Karen Benson, die jetzt De Ville heißt. Die Musikerin lebt jetzt in Arizona in den USA, ihrem Heimatland. Dort ist es laut Karen DeVille „ziemlich ruhig“, was die weltweite Coronapandemie betrifft, ganz anders jedenfalls als in Minnesota, wo sie früher gelebt hat und es momentan „ganz schrecklich“ sei. So verlaufe das „Leben hier ganz normal“, versichert DeVille, die außerdem zugibt, „zu 100 Prozent, wie viele hier in Arizona“ für Donald Trump zu sein, wenn am 3. November die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA anstehen. Dabei gesteht die Musikerin, dass sie einen Großteil an Informationen von „alternativen Medien“ beziehe und viele Zahlen Corona betreffend als eine „eine große Lüge“ empfinde. Ihrer Ansicht nach komme es diesbezügliche Informationen betreffend und daher hinsichtlich der jeweiligen Meinung zum Thema Corona stark darauf an, „wo man wohnt“. Aus ihrem Herzen und ihrer politischen Einstellung macht DeVille schließlich keine Mördergrube und gibt offen zu, bei den Präsidentschaftswahlen „für Donald Trump“ zu sein sowie nach Mexiko zu ziehen, „wenn Joe Biden gewinnt.“

Text: Sabina Riegger / Alexander Berndt

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