LokalesWirtschaft

10 Jahre Orthopädie-Manufaktur Lorenz in Füssen

Vom Orthopädie-Schuhmacher zum Sanitätshaus

Am 24. Mai 2014 eröffneten Andreas Lorenz und Stefan Schad die Orthopädie-Manufaktur in Füssen. Traditionelle Handwerkskunst traf dabei auf innovative Technik. Mit individueller Beratung und hoher fachlicher Kompetenz werden in der Werkstatt des Sanitätshauses seither maßgeschneiderte orthopädische Hilfsmittel angefertigt. Mit Ehefrau Maresa Lorenz, ebenfalls mit dem Meisterabschluss in der Orthopädie-Technik, blieb die Doppelspitze bestehen, als sich Schad vor rund eineinhalb Jahren in den Ruhestand verabschiedete. Weshalb er seinen Beruf so gerne ausübt und was sich im vergangenen Jahrzehnt getan hat, erzählt Inhaber, Vater eines elfjährigen Sohnes und Orthopädietechnikermeister Andreas Lorenz.

Was ist das Kerngeschäft in der Orthopädie-Manufaktur?
„Das hat sich in den zehn Jahren massiv gewandelt. Wir sind hier von einem Orthopädie-Schuhmacher, der nur Maßanfertigungen und dementsprechend auch Einlagen gemacht hat, zu einem richtigen Sanitätshaus gewachsen. Das bedeutet, dass wir bald von Kopf bis Fuß versorgen konnten. Womit wir uns weiterhin stark beschäftigen, sind Einlagen. Aber auch die Reha-Technik mit Pflegebetten, Akutversorgungen und Paliativversorgungen ist sehr gefragt. Prothetik haben wir nicht sehr viel, aber die gibt es auch. “

War es ein Risiko, sich mit der Orthopädie-Manufaktur selbstständig zu machen?
„Meine Frau und ich wussten schon immer, was wir können, dass wir gut sind in unserem Fach, dass wir arbeiten und dass wir wirklich viele Ideen mitbringen und diese auch umsetzen können. Aber ja, es war ein großes Risiko. In der Zeit hat uns jeder davon abgeraten. Selbst mein alter Lehrmeister meinte: ‚Überlege dir das doch noch mal. Da sind so Große am Markt, die machen alle platt.‘ Damals war es tatsächlich so, dass viele große Sanitätsfirmen kleine Häuser aufgekauft haben und dann im Prinzip in den Verdrängungsmarkt gegangen sind.“

Vor fast eineinhalb Jahren hat sich Stefan Schad in den Ruhestand verabschiedet. Davon abgesehen, welche großen Veränderungen gab es im vergangenen Jahrzehnt?
„Das Prägnanteste war tatsächlich die Digitalisierung mit 3-D-Scan. Der nächste große Sprung war die CNC-Fräsung der Einlagen. Zunächst haben wir für uns Fremdfräsen lassen, bis wir gemerkt haben, dass es mehr und immer mehr wird.“

So fand eine CNC-Fräse ihren Weg in die Werkstatt?
„Ja, wir haben die Investition gewagt. Die hat sich relativ schnell amortisiert. Nicht zuletzt, da wir auch noch eine Firma in Kanada und den USA eröffnet haben. Dort arbeiten wir mit zwei großen Autofirmen zusammen, die wir mit Einlagen beliefern.“

Was macht die Orthopädie-Manufaktur so besonders?
„Wir sind ein wirklich tolles Team. Ich habe schon von vielen gehört, dass wir sehr freundlich auftreten. Ich glaube auch, dass wir uns sehr individuell auf die Kunden einstellen, uns viel Zeit für die Beratung nehmen und immer nach der bestmöglichen Lösung suchen. Wir sind ein familiärer Doppelmeisterbetrieb und dementsprechend fachkompetent. Auch unsere Mitarbeitenden schicken wir regelmäßig auf Fortbildungen.“

Der Fokus Ihrer Frau liegt auf der Sport- Technik. Wo liegt der Unterschied zur Orthopädie-Technik?
„Wir haben es eigentlich nur so genannt, damit sich die Kunden etwas darunter vorstellen können. Auch hier fließt sehr viel Orthopädie-Technik mit rein. Der Bereich beinhaltet Lauf-, Bewegungs- und Fahrradanalysen. Meine Frau kommt aus dem Leistungssport, sie war im Skikader des Europa-Cups. Ich selber bin Zehnkämpfer und Schwimmer. Wir haben beide schon viele Leistungssportler versorgt und sind weiterhin mit ihnen in Kontakt geblieben.“

In Nesselwang und in Lechbruck gibt es zwei weitere Filialen der Orthopädie-Manufaktur. Besteht dort dasselbe Angebot wie in der Zentrale in Füssen?
„Beide sind kleine, schnuckelige Sanitätshäuser. Dort gibt es alles, gefertigt wird allerdings hier. Egal in welcher Filiale, es können Termine ausgemacht werden, dann sind meine Frau oder ich da, um dementsprechend die Beratung anzubieten. Dabei möchte ich erwähnen, dass wir auch Hausbesuche machen. Vieles kann vor Ort passieren, zum Beispiel die Kompressionsstrümpfe ausmessen. Da sind wir sehr flexibel.“

Wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben Sie aktuell?
„Mit meiner Frau und mir sind wir 13 Personen. Dazu gehört unser Azubi Phillip, der ist im ersten Lehrjahr. Außerdem haben wir Benedikt von den Wertachtal-Werkstätten im Team. Er hilft uns und lernt viel. Das funktioniert wirklich toll.“

Mitarbeiterin Julia Uherek, Azubi Philipp und Andreas Lorenz

Leidet die Sparte an Fachkräftemangel?
„Hier ja. Das ist allerdings ein regionales Problem. Die jungen Leute wollen in die Stadt. Jemand der nach Füssen kommt, muss das Bergwandern und die Abgeschiedenheit mögen, um einen Mehrwert zu haben. Das ist schwierig.“

Was macht Ihrer Meinung nach den Beruf des Orthopädie-Technikers so interessant?
„Ich wollte schon immer etwas mit der Medizin zu tun haben und bin handwerklich begabt. Ich habe nie etwas anderes gelernt und kann sagen: Es macht einfach Spaß. Bei der Orthopädie-Technik handelt es sich um eine Sparte zwischen Handwerk und Medizin. Mit dem Meisterbrief ist es den Absolventen sogar möglich, ein Orthopädie-Studium dranzuhängen. Trotz der Digitalisierung ist viel Handarbeit dabei und man hat mit den unterschiedlichsten Materialien zu tun. Hinzu kommt, dass ich Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen habe.“  

Was ist Ihr Wunsch für die kommenden Jahre?
„Stehenbleiben ist Stillstand. Stillstand ist Rückschritt. Für die nächsten fünf Jahre sind wir sicher hier, werden ein bisschen umbauen. Technisch wollen wir auf jeden Fall auf dem neuesten Stand bleiben. Ich bin mir sicher, dass wir auch hier bald die Einlagen mit einem 3D-Drucker fertigen werden. Nicht stehenzubleiben, das ist definitiv unsere Absicht.“

Was dürfen Besucher am Tag der offenen Tür, am Samstag, 25. Mai, erwarten?
„Da sind wir einmal ‚Open House‘ sozusagen. Es gibt ein paar Vorträge verschiedener Art und man kann sich die Räumlichkeiten einmal anschauen. Die Besucher dürfen auch in die Werkstatt reinschnuppern und zusehen, was wir alles mit der CNC-Fräse fertigen können.“

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.
„Ich danke Ihnen für Ihre Zeit.“

INFO
Tag der offenen Tür
Wann? Samstag, 25. Mai 2024, 12 – 18 Uhr
Wo? Kemptener Str. 61 in Füssen
Wie? Mit einem Tag der offenen Tür mit Fachvorträgen, Einblicken in die Werkstatt, einer Ausstellung der Lieferanten, leckeren Schmankerln u.v.m..

Text · Fotos: Selma Hegenbarth

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"