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Der schwarze Holunder

Heilpflanze des Jahres 2024

Mit Recht ist der schwarze Holunder (Sambucus nigra) zur Pflanze des Jahres gewählt worden, denn seine Wirkungen sind wirklich sehr vielfältig. Der Name „schwarzer“ Holunder ist vielleicht etwas irreführend, aber der Saft der dunklen Beeren wurde früher häufig verwendet, um Leinentücher oder auch die Haare fast schwarz zu färben.

Auch die relativ dunkle Rinde oder die grünen Blätter soll man zu Färbezwecken benutzt haben. Es gibt sicherlich nur wenige Pflanzen, die in einem solchen Maße in der Volksheilkunde verwurzelt sind, wie der Holunder. Man wird kaum ein traditionelles Bauernhaus finden, an dem nicht ein solcher Strauch steht und auch viele alte Gärten haben ihre „Hollerecke“.

Der Holunder zählt bestimmt zu den ältesten bekannten Heilpflanzen zumindest gerade in unserer Region, denn schon in der Stein- und Bronzezeit hat man bei Ausgrabungen Zweige und Samen hiervon gefunden, so dass man davon ausgehen kann, dass sich bereits die prähistorischen Menschen ihrer  Heilkraft bedient haben.

Selbst in der Mythologie unserer Vorfahren spielte er eine große Rolle, denn er galt immer als Wohnsitz der schützenden Hausgöttin, die wohl damals Hold genannt wurde. Deshalb stand der Holunder beim Volk stets im hohen Ansehen, und so heißt es bis heute, wer es wagte, einen dieser Sträucher zu fällen, den würde der Tod innerhalb von 3 Tagen ereilen. Klingt ein bisschen gruselig, ist aber hoffentlich nie der Fall gewesen.

Welchen Brauch ich persönlich einfach super finde, ist, dass, wenn man vor einem Holunder vorbei geht, die Herren den Hut ziehen und die Damen einen Knicks machen sollten, weil er so wertvoll ist. Vielleicht lachen sie mich jetzt aus, egal, ich mache das daheim wirklich! Warum? Weil er wirklich eine ganz tolle Heilpflanze ist und man ihm Respekt zollen darf.

Auch Dichter haben ihn gewürdigt: „Oh, wer zählt die Wunder alle, dieses Bäumchens wohl? Rinde, Beere, Blatt und Blüte, jeder Teil ist Kraft und Güte, jeder segensvoll!“

Für Verheiratete rät uns zusätzlich der Volksmund: „Wer Holunder bei sich trägt, schreckt vor Ehebruch zurück.“ Na, das wäre wirklich einen Versuch wert!

Gleichzeitig gibt es noch eine alte Bauernregel: „Blüht der Holunder schön und gleich, wird die Ernte reich.“

Also, Sie sehen schon, gerade in unseren Breiten wird besonders großer Wert auf diesen Strauch gelegt, dessen Blüten etwa von Mai bis Juli erscheinen, mit dem Klimawandel z.T. schon etwas eher, und die Beeren im Herbst. Am bekanntesten ist sicherlich der Holunderblüten-Tee, bei uns auch gerne als „Fliedertee“ bezeichnet, obwohl er mit dem normalen Flieder in dem Sinne gar nichts zu tun hat. Hauptsächlich wird er als schweißtreibender Tee bei fieberhaften Erkältungskrankheiten eingesetzt. Aber auch schwächer aufgebrüht und lauwarm getrunken hat er seine Wirkung.

Die Zubereitung ist nicht allzu schwer: 2 gehäufte Teelöffel mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Als „Fiebertee“ sehr warm trinken, dann schwitzt man besser. Die andere Variante ist eben, diesen Tee nur halb so stark zuzubereiten und ihn etwas stehen zu lassen, bis er „mäßig“ warm ist.

Hier liegt jetzt die Mobilisierung der körpereigenen Abwehrkräfte im Vordergrund und die Abwehr von grippalen Infekten. Und bekanntlich ist Vorbeugen immer besser als Heilen! In diesem Zusammenhang ein ganz tolles, traditionelles Rezept, das gerade im Allgäu besonders beliebt ist und viele noch von der Oma her kennen: die Hollerküchle. Jeder Haushalt hat da so sein eigenes Geheimrezept, habe sie selbst zwar noch nie gemacht, aber dieses Jahr werden wir es probieren. 

Ein Tee aus den Blättern oder der Rinde des Holunders wirkt u.a. unterstützend gegen Wasserstauungen im Körper, gegen Harnverhaltung, Stuhlträgheit und Rheumatismus. 

Zubereiten kann man ihn so:

2 gestrichene Teelöffel werden mit ¼ Liter kaltem Wasser übergossen, bis zum Sieden erhitzt und sofort abgeseiht. Schluckweise über den Tag verteilt trinken. Aber Vorsicht: gelegentlich sind hier bei zu hoher Dosierung Magen-und Darmreizungen beobachtet worden! Also erst mal probieren, wie es Ihr Körper verträgt. 

Aus den reifen Beeren kann man sich einen sehr aromatischen Saft kochen, der einen sehr hohen Vitamin C – Gehalt hat und gerne bei Husten und Erkältungen mit eingesetzt wird. Apropos reif: Die unreifen, sprich grünen Beeren sind sogar giftig, und selbst die rohen reifen Beeren und der Saft daraus können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervorrufen! Also, besser immer kochen, egal was daraus hergestellt wird. Klar, gibt es Holundersaft auch fertig zu kaufen, aber ihn selber zu machen, ist schon noch ganz was anderes. 

Mein Rezept lautet so:

2,5 kg reife, frische Holunderbeeren waschen und mit einer möglichst langzinkigen Gabel von den Stiehlen befreien, das nennt man „abrebeln“. In einen Topf geben und mit etwa 1 Liter Wasser übergießen, so dass die Beeren komplett bedeckt sind. Nun zum Kochen bringen und dann noch ca. 10 Minuten weiter köcheln lassen. Jetzt die Beeren durch ein Sieb, das mit einem alten (!) Geschirrtuch ausgelegt wurde, durchgießen und danach noch mal gut auspressen.

Nur so als Tipp am Rande: Das Geschirrtuch wird nie wieder blütenrein, auch Handschuhe tragen ist nicht ganz verkehrt und die gute Kleidung sollte lieber im Schrank bleiben, denn wie schon eingangs erwähnt, es färbt schon sehr!

Nun geht es weiter – zu dem Saft kommen 1,5 kg Zucker und eine halbe Zitrone. Das Ganze wird nochmals aufgekocht. Der noch heiße Saft kommt jetzt in ebenfalls heiß ausgespülte Flaschen, die daraufhin sofort verschlossen werden. Nach dem Erkalten kühl und dunkel aufbewahren, entweder im Keller, ich hatte ihn im Kühlschrank.

Bei Erkältungen kann man eine entsprechende Menge Saft dann wieder warm machen und dem „Patienten“ zu trinken geben. Tut gut und ist halt wirklich gesund. Eine andere Alternative ist natürlich, den Saft weiter zu verarbeiten, als Basis für Süßspeisen, Liköre, Gelee oder Weine, hier sind Ihrer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Schöne Rezepte gibt es genug, allerdings auch mit den grünen Beeren. Ich persönlich wäre da etwas vorsichtig, jeder reagiert ja doch ein bisschen anders.

Als Letztes noch etwas Kurioses: Meine Urgroßmutter schabte das Mark aus den Holunderzweigen, was sie genau damit machte, wissen wir leider nicht, vermutlich, Besteck putzen. Was darauf hinweisen würde, ist, dass Juweliere es z.B. zum Reinigen von Zifferblättern o.ä. verwendet haben. Das Einzige, das ich sonst noch gefunden habe ist, dass man es früher zu Hilfe genommen hat, bei der Mikroskopie das betreffende Objekt darin einzubetten, um besser ganz fein schneiden zu können…

Aber ganz sicher, Holunder tut Wunder!

Ihre Apothekerin Simone Wagner

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