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Amtsantritt in ungewöhnlichen Zeiten

Christian Luksch ist neuer Verwalter auf dem Schloss Neuschwanstein

„Die Startbedingungen für meine Arbeit, für die mein Vorgänger gesorgt hat, sind hervorragend“, sagt Christian Luksch, der neue Verwalter von Schloss Neuschwanstein. „In alles andere kann man mit der Zeit hineinwachsen, mit Hilfe eines Teams von guten Mitarbeitern, die wir hier haben.“ Vor einigen Wochen hat der 52-Jährige die Aufgaben von seinem Vorgänger Johann Hensel übernommen, der mit Ablauf des Monats Juni in den Ruhestand verabschiedet wurde. Dabei könnte die Zeit für einen solchen Wechsel nicht ungewöhnlicher sein. Immerhin bestimmen nicht nur die zahlreichen Einschränkungen der Corona-Pandemie das Geschehen im Schloss. Dazu kommen auch die umfangreichen Renovierungsarbeiten, die seit dem letzten Jahr auf Neuschwanstein durchgeführt werden und auch noch viele Monate andauern werden. Die vergangenen Wochen hat Christian Luksch bereits intensiv genutzt, um sich einen ersten Überblick über die Aufgaben in der Führungsebene des Schlosses zu verschaffen.

Kommunikation ist ein Schlüssel

Denn die Tätigkeiten und Aufgaben im Schloss sind vielfältig und unterschiedlich. Oft muss dabei auch improvisiert werden. Zudem müssen Entscheidungen in der Regel schnell getroffen werden, im Hintergrund des jährlichen Ansturms von 1,5 Millionen Menschen. Rund 60 Mitarbeiter im Personalstamm sowie weitere Saisonbeschäftigte sind mit dem Betrieb des Schlosses, im Schwerpunkt mit dem Besichtigungsbetrieb, befasst. „Für die Leitung des Schlosses bringt Christian Luksch ein breites Verwaltungswissen, sowie Führungs- und Lebenserfahrung ein. Das sind gute Voraussetzungen,“ hatte Finanz- und Heimatminister Albert Füracker zu dem Führungswechsel auf Neuschwanstein offiziell mitgeteilt. Dem gebürtigen Lauinger war es in diesen ersten Wochen aber vor allem wichtig, jeden einzelnen Beschäftigten des Schlosses erst einmal persönlich zu treffen. „Jedem Mitarbeiter habe ich ein Auftaktgespräch angeboten, damit man sich auf anderer Ebene kennenlernen kann, bevor es dienstlich wird. Diese Gespräche sind nun fast alle abgeschlossen. Das war zwar sehr viel Zeit, die sich aber gelohnt hat. Kommunikation ist ein Schlüssel für mich. Ein Schlüssel für ein Arbeitsklima, in dem man sich wohlfühlen kann.“

Von Regensburg nach Hohenschwangau

Christian Luksch stammt aus dem Landkreis Dillingen. An der damaligen Bayerischen Beamtenfachhochschule absolvierte er eine Ausbildung zum Beamten des ehemals gehobenen Dienstes und ist seit 1996 in verschiedenen Funktionen in Ressorts des Bayerischen Finanzministeriums beschäftigt. In den vergangenen vierzehn Jahren hatte der Lauinger die Position des Verwaltungsleiters an der Beruflichen Oberschule Regensburg mit 130 Lehrkräften und rund 1.500 Schülern wahrgenommen. „Als ich die Stellenausschreibung für die Leitung von Schloss Neuschwanstein gelesen habe, kam in mir die Frage auf, welche Perspektiven ich für mich noch sehe und welche beruflichen Wege ich noch einschlagen könnte“, erzählt Christian Luksch. „Ich habe, ganz ehrlich gesagt, nach einer neuen Herausforderung gesucht, um für die nächsten zwölf bis fünfzehn Jahre noch einmal durchstarten zu können. Neuschwanstein ist ein Leuchtturm der Bayerischen Schlösser und Seenverwaltung, eine Marke, die jeder kennt. Es ist eine sehr große Herausforderung und eine tolle Chance.“

Dazu kommt, dass die Arbeit des Schlossverwalters auch ein recht breites und somit abwechlsungsreiches Spektrum an Anforderungen mit sich bringt. Neben den für die Verwaltung üblichen Aufgaben von der Personalführung bis hin zum Tagesbetrieb, zählt unter anderem auch das Ausstellen von Dreh- oder Fotogenehmigungen, von denen Monat für Monat nicht wenige über den Schreibtisch des Verwalters wandern. Die andauernden Restaurierungsmaßnahmen im Schloss, die federführend von der Bau-, der Museumsabteilung und dem Restaurierungszentrum der Hauptverwaltung sowie dem Staatlichen Bauamt Kempten betreut werden, tragen zudem zu immer wieder neu auftauchenden Aufgaben bei. Im 14-tägigen Rhythmus werden beim „Bau Jour fixe“ die aktuellen Arbeiten in den einzlenen Bereichen des Schlosses sowie deren anschließenden Umsetzungen besprochen. „Oft ist es nicht leicht, die Maßnahmen und den Führungsbetrieb in Einklang zu bringen, vor allem unter den immer noch anhaltenden Corona-Bedingungen,“ sagt Christian Luksch. „Irgendwie finden wir aber doch immer eine passende Lösung.“

Walhalla und Befreiungshalle

Seinen Lebensmittelpunkt hat der passionierte Langstreckenläufer allerdings nicht komplett nach Schwangau verlagert. Während sich Luksch unter der Woche auf seine Arbeit als Schlossverwalter konzentriert, genießt er an den Wochenenden den Kontrast zum Schlossbetrieb in Regensburg, wo er mit seiner Familie seit langer Zeit beheimatet ist. Als Outdoorsportler, der bis vor wenigen Jahren noch an Marathon- oder Halbmarathonläufen teilgenommen hat, will er seine Freizeit hier in Schwangau künftig auch gerne für ausgedehnte Wanderungen nutzen. Einen engen Bezug zu Schloss Neuschwanstein hat er als gebürtiger Nordschwabe und jetziger Wahloberpfälzer bisher allerdings eher weniger, im Gegensatz zu örtlich näher gelegenen Monumenten, wie der Gedenkstätte Walhalla oder der Befreiungshalle, dem Denkmal auf dem Michelsberg oberhalb der Stadt Kelheim. „Neuschwanstein kenne ich eher als Tourist, als jemand der sagt, er würde gern Amtsvorstand werden“, lacht Luksch. „Ich war als Kind einmal im Schloss, da gibt es sogar noch einen Super-8 Schmalfilm, der damals gedreht wurde, als ich mit meinen Eltern hier gewesen bin.“

Auch mit der Figur von König Ludwig II. hat sich Christian Luksch bisher eher selten beschäftigt, gesteht er. Dennoch wächst auch bei ihm die Faszination, die den Märchenkönig umgibt und die auch das prunkvolle Gebäude ausstrahlt, das dieser in Hohenschwangau hinterlassen hat, immer mehr an. „Ich merke jeden Tag, wie priviligiert sich die Menschen sehen, die hier arbeiten dürfen. Dafür ist der Mythos ausschlaggebend, der hier eine bemerkenswerte Präsenz geniesst. Es sind erst sechs Wochen, die ich hier bin, es fühlt sich aber schon fast an wie sechs Monate. Und es hat noch keinen Tag gegeben, an dem ich meine Entscheidung, die Stelle des neuen Schlossverwalters anzunehmen, bereut habe.“

Text · Foto: Lars Peter Schwarz

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