Menschen

“Man sollte nicht nur anders können, sondern auch wollen”.

Seit fünf Jahren ist Albert Aulinger Verwalter des Wittelsbacher
Ausgleichsfonds in Hohenschwangau. Zeit genug für ein Resümee.

In den fünf Jahren, seitdem Sie in Hohenschwangau sind, hat sich einiges getan. Unter anderem auch ein neues System im Ticket Center, das gerade in der Probephase ist. Welche Vorteile bringt es für den Besucher mit, und ab wann soll das neue Ticket System möglich sein?
Durch das neue Online-Ticketing können sich künftig die Besucher ihre Tickets für die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, sowie für das Museum der bayerischen Könige bereits zuhause ausdrucken und dadurch die Wartezeiten am Ticketcenter umgehen.
Nachdem der Probebetrieb im Schloss Hohenschwangau und dem Museum der bayerischen Könige bereits erfolgreich abgeschlossen werden konnte, beginnen wir ab Mitte März mit dem Probebetrieb für Schloss Neuschwanstein d.h., ab Mitte März ist es möglich, für die drei vorgenannten Einrichtungen einzelne Führungen online zu buchen. Der offizielle Start für das Online-Ticketing ist zum Ende des Jahres vorgesehen.

Immer wieder stellt sich die Frage eines Parkleitsystems bzw. eines gemeinsamen Parkprojektes. Kann so ein gemeinsames Projekt funktionieren?
Natürlich kann so ein Parkleitsystem bzw. Parkraumkonzept auch in Hohenschwangau funktionieren. Dies setzt jedoch den festen Willen und die Bereitschaft aller Beteiligten voraus, auch etwas über den Tellerrand zu blicken und gegebenenfalls das Gemeinwohl über Einzelinteressen zu stellen.

In den letzten Jahren haben Sie kulturell auch einiges in die Wege geleitet. Sie sind der Meinung, Hohenschwangau kann auch anders und nicht nur touristisch. Ist Ihre Rechnung damit aufgegangen?
Als Mitverantwortlicher für Hohenschwangau sollte man nicht nur anders können, sondern man muss auch anders wollen. So darf man sich nicht nur über die Touristen freuen, die Tag für Tag den Ort besuchen, sondern man muss sich auch stets der historischen Bedeutung von Hohenschwangau bewusst sein.
Außerdem sollte man nie die einheimische Bevölkerung übersehen bzw. aus den Augen verlieren. Nicht zuletzt deshalb haben wir in den letzten Jahren die eine oder andere kulturelle Veranstaltung initiiert oder beschäftigen uns u.a. seit längerer Zeit mit der Renaturierung des Schwanseeparks. Damit möchten wir den Menschen der Region zumindest einen kleinen Teil von „ihrem“ Hohenschwangau zurückgeben und „Danke“ sagen für ihre Geduld und ihr Verständnis, dass sie das eine oder andere Mal wegen uns haben aufbringen müssen.

Wie wichtig erachten Sie Hohenschwangau für den Tourismus in der Region?
Mir ist natürlich bewusst, dass der „Schlössertourismus“ in Hohenschwangau für die Menschen in der Region nicht nur Segen, sondern manchmal auch Fluch ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die gesamte Region von der wunderschönen Landschaft und der weltweiten Anziehungskraft der Schlösser sehr stark profitiert. Es gibt in Deutschland sicherlich so manche Region, die sehr froh wäre, wenn sie ein vergleichbares touristisches Angebot vorweisen könnte und sich in der Konsequenz gerne mit den damit verbundenen „Luxusproblemen“ auseinandersetzen würde.

Hundertausende von Besuchern kommen nach Hohenschwangau, davon sind etwa 13% aus China. Durch den Coronavirus sind weniger Besucher aus China zu erwarten. Wie wirkt sich diese Zahl auf die touristische Wirtschaft aus?
Diesbezüglich kann ich nur für die Betriebe des WAFs in Hohenschwangau sprechen. Nachdem wir bereits vor fünf Jahren damit begonnen haben, unsere Zielmärkte breiter aufzustellen, lag im abgelaufenen Geschäftsjahr in unseren Betrieben der Anteil chinesischer Gäste nur noch bei knapp 7%. Obwohl ich im Zusammenhang mit dem Corona Virus zum jetzigen Zeitpunkt noch keine mittel- und langfristige Prognose über die Dauer und Auswirkungen für Hohenschwangau abgeben möchte, ge-hen wir jedoch derzeit davon aus, dass wir die gegebenenfalls sinkende Nachfrage seitens chinesischer Besucher anderweitig (u.a. Oberammergauer Festspiele) kompensieren werden. Betriebe, die sich in der Vergangenheit schwerpunktmäßig oder ausschließlich auf den chinesischen Markt konzentriert haben, dürften zwischenzeitlich jedoch vor größeren Problemen stehen.

Das Gespräch führte Sabina Riegger · Foto: Margarete Häfelein

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