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Transparenz in der Kommunalpolitik

Im Gespräch mit Bürgermeisterkandidatin Christine Fröhlich

Bisher ist sie die einzige Frau, die im Rennen um das Bürgermeisteramt der Stadt Füssen angetreten ist. Zugleich war Christine Fröhlich aber auch die Erste, die ihren Namen dafür überhaupt ins Spiel gebracht hat. Christine Fröhlich ist Ende Fünfzig, geboren und aufgewachsen in Auerbach in der Oberpfalz. Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre und des Lehramts für Gymnasium an der Universität in Bayreuth folgten einige Berufsjahre in der Marktforschung beim Nürnberger Institut GfK, bevor sie in den Staatsdienst wechselte. Zuletzt war sie als Oberstudienrätin für die Fächer Sport, Wirtschaft und Recht am Dürer Gymnasium in Nürnberg tätig. Seit 2010 wohnt und lebt sie in Füssen, der Heimatstadt ihres Mannes, wo sie bereits bei den Kommunalwahlen 2014 als Stadträtin der FWF kandidiert hatte. Durch den Rücktritt von Stadtrat Andreas Ullrich ist sie als Nachrückerin seit Oktober 2017 nun Mitglied im Stadtrat von Füssen. In ihrem privaten Blog berichtet sie im Internet über die Kommunalpolitik in Füssen, um die politische Information zu verbessern und den politischen Diskurs zu beleben. Als Vorsitzende des FW-Ortsvereins ist sie nun für die Kommunalwahl im kommenden Jahr als Bürgermeisterkandidatin nominiert worden.

Frau Fröhlich, Sie haben sich viel Zeit genommen, um diese Entscheidung zu bedenken. Was hat Sie letztendlich dazu gebracht, Ja zu sagen?
Seit Jahren engagiere ich mich in der Kommunalpolitik mit viel Herzblut und Begeisterung. Ich habe mich intensiv in die Themen, die Füssen bewegen, eingearbeitet und weiß, wo der Schuh drückt. Mitgestalten und Verantwortung für Füssen übernehmen – das war der Antrieb für meine Arbeit im Stadtrat. Aber ich möchte nun einen Schritt weitergehen: Ich bin bereit, die Herausforderung anzunehmen und möchte als Bürgermeisterin Füssen in die Zukunft führen. Das Vertrauen, das meine politischen Mitstreiter in mich setzen und die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung haben mich in meiner Entscheidung bestärkt. Beruflich wie privat habe ich die nötigen Freiräume: Der Anlass für den Umzug nach Füssen waren familiäre Hintergründe. Als Beamtin im öffentlichen Dienst war es mir möglich, auf Antrag eine befristete Freistellung zu erhalten. Meinen Schwiegervater, Hasso Fröhlich, haben sicher noch viele Füssener in Erinnerung. Als Bademeister am Ober- und Mittersee und zuletzt im Hallenbad hatte er vielen das Schwimmen beigebracht.

Sie sehen sich politisch als Quereinsteiger, der erst in Füssen bei den Freien Wählern eine Heimat gefunden hat. Wie hoch denken Sie ist die Chance für einen Quereinsteiger, für dieses Amt gewählt zu werden?
Eine klassische Parteikarriere kann ich nicht vorweisen. Aber genau das ist in der Kommunalpolitik ein Vorteil. Parteipolitiker fühlen sich oft der politischen Ideologie ihrer Partei verbunden. Das mag auf Bundes- oder Landesebene seine Berechtigung haben, auf kommunaler Ebene keineswegs. Kommunalpolitik muss Sachpolitik und darf keine Parteipolitik sein. Deshalb war es für mich nur konsequent, zu den Freien Wählern zu gehen. Als „Freier“ bin ich unabhängig und vor Ort parteilos organisiert. Überregional kann ich jedoch auf wichtige Netzwerke bis in die Landesregierung zurückgreifen. Diese besondere Situation bringt es mit sich, dass ich über Parteigrenzen hinweg eher eine breite Mehrheit im Rat erreichen und einen Interessensausgleich für alle herbeiführen kann. In erster Linie geht es mir um das Wohl von Füssen und nicht um den Machterhalt für eine bestimmte Partei. Einen Vorteil verbinde ich auch mit der Tatsache, dass ich von „außen“ komme. So kann ich unvoreingenommen und neutral an die Sache herangehen.

Als Stadträtin haben Sie jetzt schon seit gut zwei Jahren tiefere Einblicke in die Geschehnisse der kommunalen Politik der Lechstadt bekommen. Wo liegen für Sie hier die wichtigsten Schwerpunkte?
Füssen braucht mehr konzeptionelle und strukturierte Lösungsansätze, sowie klare Ziele. Meine Qualifikation als Diplom-Kauffrau mit mehrjähriger Berufserfahrung im privaten Sektor kommt mir dabei zugute. Betriebswirtschaftliche Kompetenzen werden angesichts steigender Anforderungen an öffentliche Verwaltungen immer bedeutsamer. Dabei geht es um die Frage, inwieweit verschiedene Instrumente der Privatwirtschaft Lösungsansätze bieten. Auch die Vielfalt an rechtlichen Vorschriften und Regulierungen sind eine Herausforderung. Meine rechtswissenschaftlichen Kenntnisse kann ich hier wertvoll einbringen. Thematisch müssen wir Antworten finden auf die drängendsten Fragen: Wie lösen wir unser Verkehrs- und Wohnraumproblem, wie sichern und schaffen wir ein gutes Bildungsangebot und Arbeitsplätze, wie steuern wir eine Entwicklung im Tourismus, welche auch den Interessen der Bürger gerecht wird, wie gestalten wir eine lebenswerte Stadt für alle Einwohner, wie können wir nachhaltig sein, wie erhalten wir unser historisches Erbe und wie reagieren wir auf zukünftige Entwicklungen?

Sie sprechen immer wieder von Transparenz in der Kommunalpolitik. Transparenz kann aber auch eine Bremse sein, um Entscheidungen zu treffen. Wie wollen Sie das umsetzen?
Die Bürgerinnen und Bürger wollen in unserer Stadt ernst genommen, gehört und in ihren Interessen repräsentiert werden. Wichtig ist es, dass Bürgermeister und Stadträte nicht über die Bürger hinweg entscheiden, sondern bürgernah die Interessen vertreten. Bürgernähe heißt für mich auch Öffentlichkeitsarbeit und frühzeitige Beteiligung. Auch Kindern und Jugendlichen muss Gelegenheit gegeben werden, ihre Belange vorzubringen. Eine wirksame Einbeziehung der Bürger in politische Planungsprozesse schafft Vertrauen und mehr Verständnis für die Arbeit der Stadtverwaltung. Damit steigt auch die Chance, dass Projekte von einer breiten Mehrheit akzeptiert werden. Formelle Verfahrensschritte können eingespart und Verfahren schneller und mit weniger bürokratischem Aufwand zum Abschluss gebracht werden. Unterm Strich zahlt sich Transparenz aus und verhindert Stillstand. Sogar Bürgerentscheide könnten entfallen.

Was muss sich Ihrer Meinung nach auch in der Stadtpolitik ändern und was wollen Sie als Bürgermeisterin anders machen, als Ihr Vorgänger? Sie sprechen von einem neuen Politikstil.
Teamarbeit und ein faires Miteinander haben bei mir oberste Priorität. Ich werde einen offenen und transparenten Stil pflegen, der Vertrauen schafft. Wichtig ist eine Diskussionskultur auf Augenhöhe und vor allem ein Umgangston, der von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Konstruktive Kritik sehe ich generell als willkommene Anregung. Ziel muss sein, Arbeitsabläufe effizient und wirtschaftlich zu gestalten. Gute Vorbereitung von Sitzungen und Beratungen kann dazu führen, dass weniger häufig und kürzer getagt werden muss. Die Stadtpolitik steht im Dienst der Bürger. Das Rathaus übernimmt dabei die Funktion eines Dienstleisters und Verwalters von öffentlichen Geldern. Deshalb ist ein sorgsamer Umgang mit vorhandenen Mitteln wichtig.

Sie sind bislang die einzige Frau, die sich in Füssen als Bürgermeisterkandidatin aufstellen lässt. Meinen Sie, dass Frauen generell in Führungspositionen diplomatischer mit schwierigen Situationen und Menschen umgehen können? Welche Chancen sehen Sie für sich?
Dass Frauen wie Männer gleichermaßen für Führungspositionen und auch Spitzenämter in der Politik geeignet sind, steht außer Frage. Generell Frauen bessere Diplomatie zuzuschreiben, ist zu einfach. Das ist auch stark abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit. Ich kann nur für mich sprechen. Der Umgang mit Menschen macht mir große Freude. Ich bin sehr kommunikativ, kann Menschen überzeugen und begeistern. Aber auch gut zuhören. Machtspiele und Konflikte versuche ich grundsätzlich zu vermeiden – wenngleich ich meine Positionen natürlich klar vertrete und auch zielstrebig durchsetze.

Vielen Dank für das Gespräch.
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse.

Foto: privat · Interview: lps, rie

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