GesundheitLeben

Aromatherapie

Die heilenden Düfte

William Blake notierte: „Du spürst, wie die Blumen ihre köstlichen Düfte versenden, und grübelst, wie aus so winzigem Ort dieser Duftstrom mag kommen – begreif, dass in solcher Mitte die Ewigkeit ihre vergänglichen Tore öffnet.“ Sehr poetisch, aber durchaus der intensiven Wirkung auf Körper, Geist und Seele angemessen…Worauf der englische Dichter hier anspielt, ist eine der Wirkungen ätherischer Öle auf unseren Körper.

Das Einatmen der Düfte ist mit Sicherheit die effektivste Heilmethode der Aromatherapie. Denn der Geruchsinn reagiert schneller als jeder andere: über das limbische System, ein spezielles und angeblich eines der ältesten Areale im Gehirn, werden die Gerüche direkt an das Großhirn weitergeleitet und die Wirkung setzt sofort ein. Das limbische System ist zuständig für unsere Emotionen, Gefühle und Erinnerungen und das auch oft auf einer sehr unbewussten Ebene – „ich kann Dich gut riechen“… Allerdings sind wir natürlich Stiefkinder im Vergleich zur feinen Nase eines Hundes, eines der empfindlichsten Riechorgane überhaupt! Man denke nur an einen Drogen-Spürhund, ich finde das immer wieder nur phänomenal, wie zielstrebig sie ihr Ziel finden. Aber zurück zur Aromatherapie.

Was sind denn nun diese sogenannten ätherischen Öle? Sie sind hochwirksame duftende Pflanzensubstanzen. Diese winzigen Öltröpfchen werden in kleinen Drüsen an verschiedenen Stellen der Pflanzen gebildet und enthalten u.a. Hormone, Vitamine, Antibiotika und Antiseptika, also ihre Lebenskraft in hochkonzentrierter Form. Das Wort ätherisch stammt vom griechischen „aither“ her, was so viel wie „Himmelsduft“ bedeutet. Das gibt einen Hinweis auf ihre flüchtige, also ihre nicht wirklich fassbare Eigenschaft. Denn sie bestehen im wesentlichen aus Kohlenwasserstoffen und verdunsten daher sehr rasch an der Luft. Man denke hier nur an die Duftlampe. Ätherische Öle werden u.a. auch als Essenzen bezeichnet, da sie dem Essentiellen der Pflanze, also ihrer Seele entsprechen. Das kommt dem Gedanken der Spagyrik, einem Teil der Phytotherapie, über die ich ja auch schon berichtet habe, sehr, sehr nahe.

Die chemische Zusammensetzung der ätherischen Öle ist äußerst vielschichtig, allein beim Rosenöl sind über 400 Einzelkomponenten bekannt! Die Gesamtwirkung aller dieser Inhaltsstoffe ist für die komplexe Heilweise eines Öles verantwortlich, sprich ein naturreines ätherisches Öl ist wesentlich mehr, als die Summe seiner Einzelbestandteile! Die Herstellung und Verwendung der Duftstoffe, ebenso die Massage und Hautpflege mit gut riechenden Essenzen hatte bei den Ägyptern eine große Bedeutung. Vor allem Weihrauch, Myrrhe, Myrte und Zimt wurden verwendet. Die Wiederbelebung der Aromakunde erfolgte durch die persische Zivilisation. Im elften Jahrhundert brachten arabische Gelehrte und Alchimisten ihr Wissen über die Herstellung und Verwendung von Essenzen nach Europa.

Der große persische Heiler Avicenna, auch bekannt als Ibn Sina (bei ihm studierte der Hauptakteur in dem bekannten Buch „Der Medicus“) gilt als der Erfinder der Destillation zur Gewinnung von pflanzlichen Duftaromen. Er lehrte auch über die feinstoffliche und harmonisierende Wirkung ätherischer Öle. Im Mittelalter schützte man sich durch Verbrennen von Wacholder vor der Pest. Allen voran stimmte die heilige Hildegard von Bingen ihr Loblied auf verschiedene Kräuteressenzen an. Später, in den Königshäusern der Renaissance (als Waschen nicht so in Mode war…) schätzte man die Öle vor allem wegen ihres angenehmen Duftes.

Der Franzose René-Maurice Gattefossé begründete die Aromatherapie 1935 und prägte diesen Begriff für das Heilen mit Aromastoffen. Auslöser war ein tragischer Laborunfall, der ihm bereits im Juli 1910 passierte: im Labor gab es eine Explosion, bei der er sich seine Hände und die Kopfhaut verbrannte. In Ermangelung anderer Mittel versorgte er seine Wunden mit Lavendelöl, worauf sie erstaunlich schnell und ohne Narbenbildung abheilten. Dieser Erfolg regte ihn dann natürlich zu weiteren Nachforschungen an. Und bereits während des 1. Weltkrieges wurde daraufhin mit ätherischen Ölen behandelt und es gab auch schon eine antiseptische Seife auf dieser Basis, damit wurden Kleidungsstücke und Verbandsmaterialien gewaschen. Aber erst mit dem Buch „Aromatherapie“ von Dr. Jean Valnet, 1964 erschienen, fand diese langsam Eingang in die Öffentlichkeit. Aber es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis diese Behandlungsmethode von Körper, Geist und Seele ihren Platz in der Naturheilpraxis gefunden hat.

Es gibt etliche Möglichkeiten, ätherische Öle zu gewinnen, das ist einmal die Kaltpressung, die wird hauptsächlich für Fruchtschalenöle angewandt, also gerne für Zitrusfrüchte, da die sich in den kleinen Poren unter der Schale befinden. Diese Öle sind besonders naturgetreu und rein aufgrund der einfachen Herstellungsmethode und einfach durch das hohe Angebot. Allerdings haben Zitrusöle zwei wesentliche Nachteile: sie sind phototoxisch d.h. sie führen zu allergischen Reaktionen und Flecken auf der Haut, gerade, wenn sie pur aufgetragen werden und sie haben mit ca. 2 Jahren eine relativ kurze Haltbarkeitsdauer.

Die gebräuchlichste Methode ist allerdings die Destillation mit Wasserdampf. Bei diesem Verfahren wird mit einer Hitzequelle Wasser erhitzt, bis Dampf entsteht. Dieser Dampf muss einen bestimmten Druck und eine gewisse Temperatur haben und wird dann in einen großen zylindrischen Bottich, der die Pflanzenteile, z.B. Eukalyptusblätter, enthält, eingeleitet. Der heiße Wasserdampf entzieht den Pflanzen alle flüchtigen Inhaltsstoffe und verbindet sich mit ihnen. Im Anschluss daran wird der zirkulierende heiße Wasserdampf durch ein Rohrsystem mit Kühlschlange geleitet und durch den Kontakt mit dem kalten Wasser abgekühlt. Durch Kondensation entsteht somit ein Gemisch aus Wasser und dem ätherischen Öl. In der folgenden Stufe erfolgt dann die Trennung des Wasseranteils von ätherischen Öl durch die sogenannte Florentinerflasche. Hier wird das auf dem Wasser schwimmende Öl durch ein physikalisches Trennverfahren abgeschöpft. Als Nebenprodukt entstehen hier die Hyrolate oder Blütenwässer wie z.B. das Rosenwasser. Sie enthalten die wasserlöslichen Substanzen der Pflanzen.

Die Anwendung von ätherischen Ölen ist vielfältig, davon nächstes Mal mehr, aber eine dieser Mischungen möchte ich Ihnen gerne diesmal vorstellen: es nennt sich „Löwenschlaf“ und wird äußerlich zum Ein- oder Durchschlafen bei Schlafstörungen aller Art angewendet. Auf Puls, Nacken, Solarplexus und, wenn man will, auf die Fußsohlen eingerieben, unterstützt es über den Geruchsinn, leichter und besser in das Reich der Träume zu gleiten. Ein Bestandteil ist der uns ja schon bekannte Lavendel…. Aber noch vieles mehr!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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