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Kitzsuche mit Drohnen

Jedes Jahr sterben deutschlandweit tausende Rehkitze bei der Mahd von Wiesen. „Das Problem ist, dass die Kitze bei aufkommender Gefahr nicht davonlaufen“, erklärt Isabell Koch, Vorsitzende der Kreisgruppe Füssen des Bayerischen Jagdverbands.

„Durch ihr angeborenes Verhalten ducken sie sich im dichten Gras, auch wenn eine Gefahr wie ein Mähwerk näher kommt. Das Ergebnis ist uns allen bekannt.“ Nach Angaben der Deutschen Wildtier-Stiftung liegt die Zahl der Verluste durch Mähtod im Durchschnitt bei vier Rehkitzen pro 100 Hektar Grünland.

In Deutschland käme man nach dieser Berechnung auf 92.000 Kitze pro Jahr. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Füssener Kreisgruppe zusammen mit der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu eine Spendenaktion für eine moderne Luftunterstützung gestartet, mit großem Erfolg. Denn dadurch konnten nun zwei Drohnen finanziert werden, die in diesem Jahr zum ersten Mal zum Einsatz gebracht werden.

Schon immer haben Jäger und Landwirte mit aufwendigen Methoden nach Kitzen gesucht, allerdings wird die Mahd nahezu überall gleichzeitig durchgeführt, womit für die Suche nach Kitzen nur noch ein kleines Zeitfenster bleibt. Auch das Tempo der heutigen Landwirtschaft hat rasant zugenommen.

Durch den Einsatz von Drohnen können große Flächen nun in effektiv kurzer Zeit abgesucht werden und damit verhindern, dass Tiere verletzt oder zu Tode kommen. „So ein Drohnenflug passiert sehr schnell“, sagt Isabell Koch. „Wofür wir früher mehrere Stunden benötigt haben, brauchen wir heute insgesamt 15 bis 20 Minuten, um einen großen Bereich abzufliegen. Wir helfen unterstützend wo es geht und hoffen, langfristig im Kreisgruppengebiet flächendeckend präsent zu sein.“ So haben Landwirte in der Region jederzeit die Möglichkeit, sich bei dem zuständigen Jäger zu melden, um einen Drohnenflug zu planen, bevor sie ihre Felder mähen. Der Jäger stimmt dann mit den Drohnenpiloten der BJV-Kreisgruppe Füssen ab, wann wo geflogen werden kann. Idealer Zeitpunkt ist dabei in den frühen Morgenstunden, da hier die Temperaturunterschiede noch am größten sind und ein Lebewesen auch eindeutig durch die Infrarotkamera der Drohne identifiziert werden kann.

Schließlich steht für Jäger und Landwirte das Wohl aller Tiere an oberster Stelle. Für den Landwirt, der auch von Gesetz wegen verpflichtet ist, Maßnahmen zur Kitzrettung zu ergreifen, ist es zudem wichtig, dass das Futter nicht durch Kadaver verunreinigt wird, was beim Vieh zum Tode führen kann. „Um die Region aber flächendeckend komplett abzudecken, bräuchte jedes Revier eine eigene Drohne“, erklärt Koch. „Einige Jagd-Pächter haben zwar bereits selbst eine Drohne gekauft, um damit die Flächen im eigenen Revier absuchen zu können. Aber das reicht noch nicht. Daher sammeln wir derzeit Spenden für die Wärmebildkamera einer dritten Drohne, die uns ein Privatmann aus Buching geschenkt hat. Wir hoffen, dass das Projekt Schule macht und sowohl weitere Drohnen finanziert werden können, als auch Pächter sich davon überzeugen können, wie lohnend die Investition in eine Drohne zur Kitzsuche ist.“

Alle Informationen zu dem Drohnenservice der BJV-Kreisgruppe Füssen unter:
www.jaeger-fuessen.de

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: BJV Kreisgruppe Füssen

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