BrauchtumLeben

Hoch hinaus

Zur Tradition des Maibaumaufstellens gehört mancherorts auch das Maibaumkraxeln

Es ist eine Tradition, die bis hinein in die germanischen Zeiten zurückreicht. Zum ersten Mal schriftlich dokumentiert wurde das Maibaumaufstellen im 13. Jahrhundert. Zumeist handelt es sich bei einem Maibaum um eine bis zu 40 Meter hohe Fichte, deren unteren Äste alle entfernt werden, so dass nur die Baumkrone übrig bleibt. Am Stamm befestigt werden bemalte Schilder mit Motiven ortsansässiger Handwerker oder die Wappen der verschiedenen Vereine des Ortes. Zu dieser alten Tradition gehört es auch, dass der Maibaum noch mit Muskelkraft vieler kräftiger Männer hochgezogen wird. Nach der anstrengenden und nicht ganz ungefährlichen Arbeit freuen sich sowohl Aufsteller und Besucher schließlich auf ein zünftiges Maibaumfest mit Blasmusik und einem frisch gebrautem Maibockbier. Vorausgesetzt der Maibaum fehlt nicht am Morgen des Maitages. Denn oft genug kommt es vor, dass Buben aus den Nachbardörfern in der Nacht zuvor versuchen, den Baum zu stehlen, so dass er am nächsten Tag dann meist mit viel Bier und einer ordentlichen Brotzeit ausgelöst werden muss.

In einigen Orten gibt es neben dem Aufstellen des Maibaums zugleich auch den Brauch des Maibaumkraxelns, bei dem der Stamm zum Sportgerät avanciert. Ziel ist es, auf der glatten Holzstange eine Wettkampfhöhe von zwölf oder fünfzehn Metern zu erklimmen, und zwar möglichst schnell. Dabei ist auch die Technik entscheidend. So sieht man unter anderem Kraxler, die schimpansenartig klettern oder andere, die den Stamm hinauf hoppeln wie ein Hase oder es gar mit der Känguru-Methode versuchen. Vor dem Loskraxeln braucht jeder Athlet eine gute Portion Pech, das sich die Sportler an Hände und Füße schmieren, um überhaupt den Maibaum hinauf zu kommen.

Maibaumkraxeln in Pfronten

In der Gemeinde Pfronten, wo der Maibaum seit dem Jahr 1968 von der Kolpingsfamilie aufgestellt wird, nennt man das Kraxeln allerdings “Herpfen”. Dabei versuchen schon die Jüngsten das erste Kreuz bei zirka sieben Metern zu erreichen. Die Jugendlichen und die Damen klettern bis zum zweiten Kreuz auf etwa 14 Metern Höhe. Die Männer müssen dagegen an der Schelle bei rund 22 Metern anschlagen. Ein echter Experte auf diesem Gebiet ist dabei der Pfrontener Max Riedmiller, der bereits acht Mal mitgemacht und auch schon mehrere Male gewonnen hat, nicht nur in seiner Heimatgemeinde. „Einen besonderen Stil habe ich keinen. Es geht darum, den Baum möglichst wenig zu berühren“, lacht der 32-Jährige. „Man darf den Baum nicht umklammern. Für den Halt schmiere ich Klister, also Skiwachs vom Langlauf an Finger und Füße, das hält. Am besten man startet gleich mit einem großen Sprung, dann hat man schon den ersten Meter.“

Was sich relativ einfach anhört ist allerdings weit mehr als nur eine leichte Angelegenheit. Denn durchaus kann es auch vorkommen, dass die Kraxler, die natürlich dabei abgesichert sind, von dem Baum abrutschen. Riedmillers Bestzeiten liegen trotzdem unter einer Minute. „Wenn man gut ist, schafft man mit einem guten Zug einen halben Meter“, sagt der erfahrene Kletterer. „Das sind also vierzig bis fünfzig Klimmzüge. Je höher man dann kommt wird es zwar einfacher, weil der Baum dünner wird, dafür lässt aber die Kraft und die Kondition immer mehr nach, das geht sehr schnell.“ So werden auch in diesem Jahr, wenn der Maibaum am ersten Mai in Pfronten aufgestellt wird, wieder gut zwanzig Kontrahenten beim „Herpfen“ an den Start gehen. Riedmillers einziger wirklicher Rivale ist dann, wie er vermutet, wieder sein Schwager. Der Sieg wird also vielleicht auch dieses Mal, vorausgesetzt es findet sich kein anderer harter und talentierter „Herpfer“, immerhin in der Familie bleiben.

Maibaumaufstellen in der Region 2019:

Pfronten & Baumklettern
Feierliches Maibaumaufstellen mit der Kolpingsfamilie auf dem Leonhardsplatz in Pfronten-Heitlern. Beginn: 11 Uhr mit einem Frühschoppen und musikalischer Umrahmung der Harmoniemusik Pfronten. Das Maibaumklettern beginnt um 14 Uhr.

Schwangau
Feierliches Maibaumaufstellen am Campingplatz Bannwaldsee mit der Jugendmusikkapelle Schwangau sowie der Jugendgruppe des Trachtenverein “D’ Schwanstoaner”. Beginn: 10 Uhr.

Buching / Bayerniederhofen
Beginn: 9 Uhr – Feierliches Maibaumaufstellen im Schlosspark. Der Maibaum wird im feierlichen Zug von Buching zum Maibaumplatz gebracht.

Oy-Mittelberg
Bereits ab 10 Uhr Flohmarkt am Kurhausparkplatz sowie Feldgottesdienst, ab 13 Uhr Maibaumaufstellen von Hand. Dazu Kinderprogramm, Verpflegung und Unterhaltungsmusik.

Steingaden / Urspring
Der Trachtenverein “D’ Lechtaler” Urspring lädt alle Einwohner aus Urspring, Steingaden und Umgebung herzlich ein zum Maifest mit Maibaumaufstellung. Beginn: ab 11 Uhr.

Höfen
Ab 9 Uhr Frühschoppen mit der Bürgermusikkapelle Höfen, ab 10 Uhr Aufstellen des Maibaumes, ab 11 Uhr Ringvorführung der Tiroler Bergschafe, ab ca. 13 Uhr Tanzprogramm der Brauchtums- und Trachtengruppe Höfen mit der Kinder- und Jugendgruppe.

Breitenwang
25 Jahre Maifest Breitenwang, veranstaltet von der Landjugend Breitenwang /Reutte. Dieses Jahr mit Schaf- und Braunvieh- Ausstellung. Beginn 9:45 mit Tiersegnung, ab 10 Uhr dann traditioneller Frühschoppen mit musikalischer Umrahmung.

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: privat

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