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Wenn der Storch nicht kommen will

Ursachen für Unfruchtbarkeit beim Mann

Frauen bekommen die Kinder, aber zur Zeugung braucht es eben auch den Mann. Die Männer in den westlichen Industrienationen scheinen allerdings langsam aber sicher unfruchtbar zu werden, obwohl sie nach außen hin jung und gesund wirken

In den 40er Jahren war der Durchschnittsmann noch mit 100 Millionen (m) Spermien pro Milliliter (ml) Samenflüssigkeit ausgestattet. Heute kann sich ein Mann glücklich schätzen, wenn sein Sperma 60 m/ml Samenzellen enthält. Ein Fünftel der Männer hat nur noch 20 m/ml und die sind kaum beweglich und von miserabler Qualität. Immer häufiger ist die Ursache für unerfüllten Kinderwunsch beim Mann zu finden.

Verantwortlich dafür ist ein ganzes Ursachen-Sammelsurium, angefangen vom Rindfleischkonsum der Mutter während der Schwangerschaft über Umwelttoxine bis zum andauernden Stress. Das Hormonsystem reagiert auf all diese Einflüsse äußerst sensibel und leidet empfindlich unter der dauernden Schadstoffberieselung aus Lebensmittelzusätzen, Pestiziden, belastetem Trinkwasser, Giftstoffen aus Körperpflegemitteln, Biozidrückständen, Umwelt- und Wohngiften. Auch die Allgegenwärtigkeit von Östrogenen, weiblichen Hormonen, aus der Antibabypille oder Phytoöstrogenen aus Soja, sowie synthetische Hormone aus Kunststoffen machen vor den Männern nicht halt. „Höchstwahrscheinlich sind es alle diese Veränderungen in der Umwelt und in den Lebensgewohnheiten der Menschen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte in ihrer Gesamtheit die Spermienproduktion immer weiter geschwächt haben,“ erklärte Professor Richard Sharpe, Fertilitätsexperte am Medical Research Council. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der rasant zunehmenden dauerhaften Mobilfunkstrahlung, die wie radioaktive und Röntgenstrahlung die Fruchtbarkeit senken. Viele Faktoren, die die Fruchtbarkeit mindern, können durch Änderung des Lebensstils und der Ernährung beeinflusst werden. Die Zeit im Mutterleib aber nicht. Entscheidend ist, welchen Substanzen die Mütter in dieser Zeit ausgesetzt waren.

Eindrücklich zeigte sich der Zusammenhang 1976 nach dem Giftunfall von Seveso, bei dem unglaubliche Mengen an hochgiftigem Dioxin ausgetreten waren. Einige Jahre später stellte sich heraus, dass die Söhne jener Frauen, die während des Giftunfalls schwanger waren, über eine deutlich eingeschränkte Spermienproduktion verfügten. Der Fruchtbarkeit erwachsener Männer hatte das Gift nicht annähernd so viel geschadet. Glücklicherweise ereignen sich solche Umweltkatastrophen nicht alle Tage und wir sollten aus Seveso auch gelernt haben. Leider scheint dem nicht so. Die Dioxinemissionen aus Müllverbrennung und Industrieabgasen sinken zwar kontinuierlich, aber Triclosan, ein chemisches Desinfektionsmittel, das in vielen Seifen, Rasiergels, Putz- und Geschirrspülmitteln, aber auch in Textilien und Schuhen enthalten ist, ist weit verbreitet. Triclosan ist zum einen teilweise direkt mit Dioxin verunreinigt, zum anderen kann es sich unter Einfluss von Sonnenlicht (Textilien) in Dioxin umwandeln und höchst negativ auf Ungeborene auswirken.

Ein weiterer, wohl bekannter Fruchtbarkeitskiller ist Nikotin. Einer Studie zufolge allerdings nur, wenn die Mutter während der Schwangerschaft rauchte. Wenn ein erwachsener Mann raucht, dann reduziert er die Anzahl seiner Spermien um bescheidene 15 Prozent, was sich – sobald er zum Nichtraucher wird – wieder ändern kann. Wenn aber eine Frau während der Schwangerschaft raucht, dann wird ihr Sohn – wenn er erwachsen ist – 40 Prozent weniger Spermien produzieren – und zwar dauerhaft. Diese verminderte Fruchtbarkeit wird sich also niemals mehr regenerieren können.

Die Fruchtbarkeit der Männerwelt liegt also (auch) in den Händen der Mütter. Professor Sharpe plädiert an das Verantwortungsgefühl der künftigen und werdenden Mütter. Übergewicht – wegen der im Fett gespeicherten Chemikalien – Rauchen und überhöhter Rindfleischkonsum schaden den ungeborenen Kindern.

Die Spermienqualität wird aber auch durch Alkohol- und Drogenkonsum oder Entzündungen beeinträchtigt. Bei einer Mumpserkrankung im Jugend- oder Erwachsenenalter beispielsweise können sich die Samenwege entzünden und verkleben. Auch eine erhöhte Temperatur, die durch eine Hodenkrampfader oder einen Hodenhochstand bedingt sein kann, senkt die Qualität und Beweglichkeit der Spermien.

Angesichts der Belastungen aus der Umwelt ist eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit reichlich Vitalstoffen empfehlenswert. Als besonders förderlich für die Fruchtbarkeit gilt Spargel, wegen seines hohen Gehaltes an Vitamin C und Folsäure. Der Granatapfel war schon im antiken Persien die Fruchtbarkeitsfrucht, vermutlich wegen seines hohen Gehaltes an Vitamin K. Essentiell für die Fruchtbarkeit sind Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch, Krill und Algen vorkommen. Aber auch Walnüsse sind reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E.

Text: Judith Anne März
(Ärztin für Gynäkologie, klassischer Homöopathie und Informationsmedizin)
praxis@wisse-die-wege.de

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